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Wie viele Verlängerungskabel dürfen hintereinander angeschlossen werden?

Wie viele Verlängerungskabel sind zu viel?
Wie viele Verlängerungskabel sind zu viel? (Bildquelle: kobzev3179/iStock/Thinkstock)

Frage aus der Praxis

Gibt es bestimmte Vorschriften, die vorgeben, wie viele Verlängerungskabel hintereinander angeschlossen werden dürfen? Wenn ja, welche? Was genau passiert, wenn ich drei Verlängerungskabel hintereinander hänge?

Antwort des Experten

Dipl.-Ing. Holger Bluhm

Diese Frage stellte ein Leser von elektrofachkraft.de. Und weil die Antwort sicher nicht nur einen Leser interessiert, und übrigens gar nicht trivial ist, hier die ausführliche Antwort unseres Experten.

Grundsätzlich gibt es KEINE DIN VDE-Bestimung, die pauschal eine Festlegung trifft wie viele Verlängerungskabel hintereinander angeschlossen werden dürfen. Demnach ist im juristischen Umkehrschluss ZUNÄCHST das Hintereinanderstecken von Verlängerungsleitungen erstmal statthaft.

Allerdings dürfen die Abschaltbedingungen der Schutzmaßnahme "Automatische Abschaltung im Fehlerfall" in Abhängigkeit des vorhandenen Stromversorgungsystems (TN-, TT- oder IT-System) gemäß DIN VDE 0100-410:2007-06 Abs. 411 ff. nicht verletzt werden. Für das TN-System gilt gemäß DIN VDE 0100-410:2007-06 Abs. 411.4.4 die Abschaltbedingung:
files/content/grafiken/Wieviele Verlaengerungskabel duerfen eigentlich hintereinander ang/02.jpg

Hiernach darf eine bestimmte Schleifenimpedanz (Zs) nicht überschritten werden, so dass eine Abschaltung im Fehlerfall der vorgeordneten Überstromschutzeinrichtung (z.B. Leitungsschutzschalter B 16A gG/gL) jederzeit gewährleistet ist.

Genau durch das Hintereinanderstecken von Verlängerungsleitungen wird nun aber diese Schleifenimpedanz, bedingt durch erhöhte Leitungslängen in dem Stromkreis, unzulässig erhöht und kann unter bestimmten Bedingungen bereits beim einfachen Hintereinanderstecken zweier Verlängerungsleitungen den maximal zulässigen Grenzwert der - für den individuellen Stromkreis in Abhängigkeit des Auslösestroms (Ia) der vorgeordneten Überstromschutzeinrichtung geltenden - Schleifenimpedanz überschreiten. Es würde nun zu keiner Abschaltung der Überstromschutzeinrichtung kommen und gleichzeitig eine unzulässige Erwärmung der Verlängerungsleitungen bis hin zum Einsetzen eines Schwelbrandes oder Zündung eines Lichtbogens infolge der nachlassenden Isolationsfestigkeit der Leitung(en) kommen.

Aus diesem Grund existiert eine praxisnahe Aussage von vielen Elektrofachkräften jedoch ohne fachliche Gewähr, die da lautet: "Pro Steckdosenstromkreis oder pro ortsfester Steckdose nur maximal eine Verlängerungsleitung anschließen!". So wird im Normalfall und bei Vorhandensein einer intakten, fachgerecht errichteten ortsfesten elektrischen Anlage beim Benutzen von Verlängerungsleitungen durch elektrotechnische Laien gewährleistet, dass die Schleifenimpedanz am Ende der Verlängerungsleitungen immer noch einen zulässigen Wert aufweist.

Fachlich sauber ist diese Vorgehensweise jedoch nicht, sondern hier ist immmer die verantwortliche Elektrofachkraft des Betriebes gefordert, die Schleifenimpedanzmessung vorzunehmen und eine Aussage auf Zulässigkeit individuell auf den Stromkreis bezogen zu machen.

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