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Unfallbericht: "Nur mal kurz umgeschaut..."

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Gefahr durch Kurzschluss an Verteilungen und Schaltschränken
Gefahr durch Kurzschluss an Verteilungen und Schaltschränken

Arbeitsauftrag

Der Anschluss an einem Baustromverteiler sollte rückgebaut werden. Die Installationsfirma schickte zwei erfahrene Monteure zu der Baustelle. Das Abklemmen sollte unter Spannung erfolgen, da an dem Baustromverteiler noch weitere Abgänge vorhanden waren, die dringend gebraucht wurden. Beide Monteure waren im Arbeiten unter Spannung ausgebildet und eine betriebsinterne Anweisung für AuS-Arbeiten lag vor.

Unfallhergang

Einer der Monteure hatte den Schrank geöffnet und wollte nun die Abdeckung über der Anschlussleiste mit einem Schraubendreher lösen. Dies erfolgte mit der Absicht, die Schraubanschlüsse vor dem Entfernen erst noch zu sichten. Die Abdeckung klemmte sehr stark, daher wollte er seinen Kollegen um weiteres Werkzeug bitten. Der Monteur kniete immer noch vor dem Baustromverteiler, als er seinen Kollegen rief und sich dabei zu ihm umdrehte. In diesem Moment geriet er jedoch unabsichtlich mit dem Schraubendreher zwischen die Klemmen der Phasen L2 und L3 und löste einen Kurzschluss aus. Der Lichtbogen erlosch erst, nachdem die Schrauberdreherklinge verbrannt war. Der Monteur erlitt Verbrennungen im Gesicht und an den Armen. Nur die Hände waren durch die isolierenden Handschuhe etwas geschützt. Da er nur vorbereitende Arbeiten ausführte, trug er noch keinen Helm und keinen Gesichtsschutzschirm.

Unfallanalyse

Auch wenn es sich bei den Arbeiten noch nicht um das „eigentliche“ Arbeiten unter Spannung handelte, so sind auch beim Arbeiten in der Nähe Schutzmaßnahmen zu treffen (siehe auch § 7 DGUV Vorschrift 3).

DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“
§ 7 Arbeiten in der Nähe aktiver Teile

In der Nähe aktiver Teile elektrischer Anlagen und Betriebsmittel, die nicht gegen direktes Berühren geschützt sind, darf, abgesehen von den Festlegungen in § 8, nur gearbeitet werden, wenn

  • deren spannungsfreier Zustand hergestellt und für die Dauer der Arbeiten sichergestellt ist,
  • die aktiven Teile für die Dauer der Arbeiten, insbesondere unter Berücksichtigung von Spannung, Betriebsort, Art der Arbeit und der verwendeten Arbeitsmittel, durch Abdecken oder Abschranken geschützt worden sind oder
  • bei Verzicht auf vorstehende Maßnahmen die zulässigen Annäherungen nicht unterschritten werden.

Letztlich hatte der Monteur die Nähe zu unter Spannung stehenden Teilen unterschätzt. Der Helm mit Gesichtsschutzschirm lag für die weiteren Arbeiten schon in der Nähe bereit. Im Nachgang stellte sich außerdem heraus, dass zwischen dem Abgang und der Zuführung keine Zwischensicherung vorhanden war. Somit hätten hier nur die Netzschutzmaßnahmen des vorgelagerten Kabelverteilerschranks wirken können. Zum Glück erlosch aber der Lichtbogen schon nach Abbrand der Schraubendreherklinge. Die vorgelagerte Sicherung löste nicht aus.

Autor: Dr.-Ing. Jens Jühling

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