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Unfallbericht: Bohrhammer löste Kurzschluss aus

Isolierte Leitungen sind eindeutig zu ermitteln
Isolierte Leitungen sind eindeutig zu ermitteln

Arbeitsauftrag

Im Rahmen einer Wohnungsrenovierung war durch Bohrarbeiten die Anschlussleitung zu einem Durchlauferhitzer beschädigt worden. Der gerufene Notdienst lokalisierte die Leitung und klemmte diese an der Verteilung ab. Das Freilegen des beschädigten Leitungsstücks sollte durch eine andere Firma übernommen werden.

Unfallhergang

Der mit dem Freilegen der Schadstelle beauftragte Mitarbeiter schaltete zuerst die Wohnungsverteilung im Rahmen der fünf Sicherheitsregeln frei. Ein Feststellen der Spannungsfreiheit an der Schadstelle war nicht möglich. Dann begann er, den Bereich um die Fehlerstelle freizulegen. Dazu benutzte er einen elektrischen Bohrhammer. Im Verlauf dieser Arbeiten wurde beim Berühren der Leitung mit dem Bohrmeißel ein Kurzschluss ausgelöst. In dessen Folge entstand ein Lichtbogen, der zum Verblitzen der Augen führte. Wegen der zum Glück geringen Verletzungen konnte er selbst zur nächsten Ambulanz fahren.

Unfallanalyse

Bei den Ermittlungen wurde festgestellt, dass nicht die Zuleitung zum Durchlauferhitzer beschädigt war, sondern die Zuleitung zur benachbarten Mietwohnung. Diese Leitung war nicht freigeschaltet, weil ein Leitungsweg dorthin als unwahrscheinlich galt.

Wenn keine genauen Leitungspläne vorliegen, ist nach VDE 0105-100 „Betrieb von elektrischen Anlagen“ zu verfahren. Die isolierte Leitung muss entweder zwischen der Ausschaltstelle und der Arbeitsstelle „eindeutig verfolgt“ oder „eindeutig ermittelt“ werden können.

Autor: Dr.-Ing. Jens Jühling

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