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Unfallbericht: Abdeckung des Hausanschlusskastens klemmte

Beim Abnehmen der Abdeckung erlitt der Monteur an den Händen und teilweise im Gesicht Verbrennungen.
Beim Abnehmen der Abdeckung erlitt der Monteur an den Händen und teilweise im Gesicht Verbrennungen.

Arbeitsauftrag

Ein Möbelhaus sollte abgerissen werden. Die Baufirma beauftragte eine Installationsfirma mit dem Rückbau der Elektroinstallation. Den Auftrag führte ein erfahrener Installateur durch.

Unfallhergang

Der Monteur sichtete die ihm zur Verfügung gestellten Unterlagen und stellte fest, dass es in dem Gebäude neben der normalen Übergabe-Trafostation einen weiteren Anschlusspunkt gab. Er vermutete erst eine fehlende Aktualisierung der Unterlagen, überprüfte jedoch zur Sicherheit vor Ort. Im Keller befand sich dann doch ein weiterer Hausanschlusskasten.

Der Monteur ging zum Fahrzeug zurück und holte seine Werkzeugtasche. Die obere Abdeckung des Anschlusskastens mit den Sicherungsunterteilen fand er im geöffneten Zustand vor. Auch die NH-Sicherungen waren entfernt worden. Oberhalb des Anschlusskastens existierte nur noch ein kurzes Reststück der ehemaligen Steigleitung zum Verteilerkasten. Das eingangsseitige Anschlusskabel war noch angeschlossen.

Bei näherer Betrachtung der Sicherungsunterteile stellte er eine gewisse Schwärzung im unteren Bereich fest. Er wollte nun die Abdeckung der Kabeleinführung abnehmen, diese klemmte jedoch. Unter größerer Kraftaufwendung lockerte sich der Deckel, dabei wurde jedoch plötzlich ein Lichtbogen im Inneren gezündet. Der Monteur erlitt insbesondere an den Händen und teilweise im Gesicht Verbrennungen.

Unfallanalyse

Die Rekonstruktion des Unfalls ergab, dass die Leitungsisolation durch Erwärmung im Anschlussraum schon seit geraumer Zeit beschädigt war. Dadurch ließ sich der Deckel auch schwer entfernen. Mit dem Abnehmen der Abdeckung müssen sich dann zwei Leiter berührt und den Lichtbogen ausgelöst haben.

Ältere Installationen mit sichtbaren Beschädigungen und schwergängigen Befestigungsteilen stellen immer einen Hinweis auf ein erhöhtes Unfallrisiko dar. In diesen Fällen muss eine allseitige Freischaltung vorgenommen werden (§§ 4 und 7 der DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“).

Autor: Dr.-Ing. Jens Jühling

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