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Leiterbenutzer richtig unterweisen

Unterweisen Sie Ihre Mitarbeiter im richtigen Umgang mit Leitern.
Unterweisen Sie Ihre Mitarbeiter im sicheren Umgang mit Leitern. (Bildquelle: Miha9000/iStock/Thinkstock)

Beschäftigte zu Gefährdungen am Arbeitsplatz, Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln zu informieren, ist eine zentrale Forderung im Arbeitsschutzrecht. Auch das arbeitssichere Verwenden einer Leiter ist keine Selbstverständlichkeit, die Sie bei Ihren Mitarbeiten voraussetzen können. Sicherheitsunterweisungen sind notwendig.

In vielen Unternehmen sind unterschiedliche Leitern an unterschiedlichen Standorten vorhanden. Dies kann dazu verleiten, „mal eben“ die Leiter zu verwenden, die gerade in der Nähe und bequem verfügbar ist. Doch eine für den Arbeitseinsatz oder die Arbeitsbedingungen nicht optimal geeignete Leiter erhöht das Unfallrisiko. Durch Ihre Unterweisung sollten Sie ein Bewusstsein für die Risiken schaffen und darauf hinwirken, vor jedem Leitereinsatz innezuhalten und nachzudenken.

Leiter ist nicht gleich Leiter

Jedem Mitarbeiter sollte in Ihrer Unterweisung klar werden,

  • welche Leitern im Betrieb vorhanden sind wie Stehleitern, Anlegeleitern, Schiebeleitern, Trittleitern, Steckleitern, Podestleitern usw.
  • welcher Leitertyp für welche Aufgaben verwendet werden darf.
  • welche Alternativen es zu einem Leitereinsatz geben kann.
  • dass er sich in unklaren Fällen an seinen Vorgesetzten wenden sollte.
Es gibt eine Vielzahl von Leitertypen für unterschiedliche Aufgaben.
Es gibt eine Vielzahl von Leitertypen für unterschiedliche Aufgaben. (Bildquelle: MicrovOne/iStock/Thinkstock)

Ihre Unterweisung muss nicht zwangsläufig in einem Seminarraum stattfinden. Nutzen Sie die Gelegenheit und stellen Sie Ihr Leiter-Arsenal bei einer Begehung vor. Typische Arbeitssituationen können Sie vor Ort erläutern. Auch die Verwendung von Zubehör oder wie man durch den Ellenbogentest den richtigen Anstellwinkel findet, ist besser am konkreten Objekt zu zeigen als durch einen Vortrag oder eine Präsentation.

Der sichere Leitereinsatz beginnt vor dem Hinaufsteigen

Nachdem Ihre Mitarbeiter gelernt haben, sich für den richtigen Leitertyp zu entscheiden, folgt als nächster Punkt, was vor dem Benutzen zu beachten ist. Das sollten alle potenziellen Leiterverwender nach Ihrer Unterweisung wissen:

  • Jede Leiter ist vor der erstmaligen Verwendung am Arbeitstag einer Sichtprüfung auf offensichtliche Mängel zu unterziehen (Sprossen, Holme, Spreizsicherung, Gelenke usw.).
  • Eine Leiter mit augenscheinlichen Mängeln oder Verschleißspuren muss aussortiert werden. Der Vorgesetzte ist zu informieren.
  • Der Untergrund muss standsicher sein. Nässe, Eis, Schmutz, Sand, Öl usw. können ein Wegrutschen begünstigen, in einen nachgiebigen Erdboden kann die Leiter einsinken, Unebenheiten des Bodens erhöhen die Kippgefahr usw.
  • Der Arbeitsbereich vor dem Aufstellen einer Leiter muss gesichert werden, z.B., wenn eine Leiter auf einem Verkehrsweg steht, wenn eine Tür in Leiterrichtung aufschlagen könnte usw.
  • Wenn notwendig, müssen Kollegen davon abgehalten werden eine Leiter zu benutzen, z.B. bei gesundheitlichen Problemen (Schwindel), Höhenangst, bei Einnahme bestimmter Medikamente oder Verdacht auf Alkohol.

Weisen Sie auch darauf hin, dass eine Leiter nach ihrem Einsatz von Verschmutzungen gereinigt und an den vorgesehenen Platz zurückgestellt werden sollte.

Grundregeln für das Arbeiten von einer Leiter aus

Die wichtigsten Verhaltensweisen zum sicheren Verwenden einer Leiter finden sich bereits als Piktogramme auf dem Leiterholm.

Piktogramme auf dem Leiterholm
Piktogramme auf dem Leiterholm (Bildquelle: BG ETEM) Bitte klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern.

Daran sowie an den Benutzerinformationen des Herstellers können Sie sich orientieren, um die weiteren Regeln zum Leitereinsatz zu erläutern:

  • Leitern stets auf die Leiterfüße aufstellen, niemals auf Sprossen oder Stufen.
  • Auf unebenen Standorten Spezialleitern einsetzen oder für einen sicheren Höhenausgleich sorgen, z.B. durch Holmverlängerungen des Herstellers.
  • Stets die zulässige Traglast der Leitern beachten.
  • Festes und rutschsicheres Schuhwerk tragen.
  • Leitern auf keinen Fall provisorisch verlängern.
  • Leiter nötigenfalls durch Anbinden oder Einhängen sichern.
  • Stets „vorwärts“ (mit dem Gesicht zur Leiter gewandt) auf- und absteigen.
  • Werkzeuge und Materialien so auf einer Leiter mitführen, dass sie nicht herunterfallen können (Tasche mit Reißverschluss o. Ä.).
  • Seitliches Hinauslehnen vermeiden (Faustregel: Die Gürtelschnalle sollte sich zwischen den Holmen befinden).
  • Vorsicht mit sperrigen Gegenständen! Nur mit solchen Werkzeugen oder Materialien eine Leiter besteigen, bei denen man mindestens eine Hand frei hat.
  • Arbeiten über Kopf möglichst vermeiden.

Den richtigen Anstellwinkel bei Anlegeleitern verdeutlichen Sie mit der Ellenbogenprobe. Die Leiter muss die Anlegekante um mindestens 1 Meter überragen. Die obersten drei Sprossen dürfen nicht benutzt werden.

Weisen Sie darauf hin, dass es bei Stehleitern verboten ist, sie zusammengeklappt als Anlegeleiter zu verwenden. Sie sollten nur mit vollständig ausgeklappter Spreizsicherung bestiegen werden. Nicht zulässig ist, von einer Stehleiter, auf eine Bühne, Regal oder einen anderen hoch gelegenen Bereich überzusteigen (Kippgefahr!)

Bei einer Mehrzweckleiter ist stets sicherzustellen, dass die Gelenke sicher eingerastet sind. Podestleitern müssen per Feststelleinrichtung gegen ein Verfahren gesichert sein.

Leiterarbeiten können durch geeignetes Zubehör sicherer werden. Stellen Sie vor, welche Hilfsmittel für welche Leiter vorhanden sind und wie diese benutzt werden, z.B. Einhängetritte, Fußtraversen, Fußspitzen, einhängbare Absturzbügel, Wandabstützungen, Seitengeländer, Einhakvorrichtungen, Ablageschalen für Kleinteile usw.

Bei Elektroarbeiten müssen oft Elektrohandwerkzeuge benutzt werden. Wenn diese Arbeiten nicht nur kurzzeitig erfolgen oder einen gewissen Kraftaufwand erfordern, ist oft eine Arbeitsbühne oder ein Kleingerüst die bessere Wahl. Muss dennoch mit einem Elektrowerkzeug von einer Leiter aus gearbeitet werden, sollte das Kabel stets seitlich an der Leiter entlang geführt werden und nicht über die Tritte oder die Standfläche.

Wenn Leiterarbeiten an oder in der Nähe von unter Spannung stehenden Teilen elektrischer Anlagen nötig sind, können Sie die Gefahren einer Körperdurchströmung beim Berühren spannungsführender Teile durch Wahl einer Leiter aus Vollkunststoff verringern. Leitern für solche Einsätze sollten die Anforderungen der DIN EN 61478 „Arbeiten unter Spannung; Leitern aus isolierenden Material“ erfüllen. Für Arbeiten an Masten werden spezielle Maststeigleitern angeboten.

Autor: Dr. Friedhelm Kring

Lesen Sie auch den Expertenbeitrag „Leitern bei Elektroarbeiten“.

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