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RCD oder Trenntrafo?

Einsatz von RCD in abwassertechnischen Anlagen
Der Unternehmer hat für die notwendige Sicherheit bei Arbeiten in abwassertechnischen Anlagen zu sorgen (Bildquelle: tuachanwatthana/iStock/Thinkstock)

Frage aus der Praxis

Reicht es aus, eine entsprechend empfindliche Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD mit IΔN = 0,03 A) zu verwenden oder ist beim Arbeiten an und in abwassertechnischen Anlagen ein Trenntrafo zwingend vorgeschrieben?

Antwort des Experten

Rechtliche Grundlagen

In erster Linie trifft der Arbeitgeber (Unternehmer bzw. seine verantwortliche Elektrofachkraft) alle notwendigen Sicherheitsvorkehrungen unter Berücksichtigung aller Umstände, die Einfluss auf die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten haben können. Am einfachsten und nachweislichsten kann der Arbeitgeber dies anhand einer entsprechend ausgearbeiteten Gefährdungsbeurteilung machen. Eine Gefährdungsbeurteilung für den Arbeitsplatz wird schon seit 1996 nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) zwingend gefordert.

Die DGUV Vorschrift 21 (BGV C5) gilt für abwassertechnische Anlagen und ist anzuwenden, wenn in diesen Bereichen keine anders lautenden staatlichen Rechtsvorschriften gelten. Der Unternehmer (bzw. bei elektrotechnischen Fragestellungen seine verantwortliche Elektrofachkraft) hat beim Bau und beim Betrieb von abwassertechnischen Anlagen dafür zu sorgen, dass Versicherte nicht gefährdet werden.

Arbeitsschutzgesetz

„§ 4 Allgemeine Grundsätze
Der Arbeitgeber hat bei Maßnahmen des Arbeitsschutzes von folgenden allgemeinen Grundsätzen auszugehen:
1. Die Arbeit ist so zu gestalten, dass eine Gefährdung für Leben und Gesundheit möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung möglichst gering gehalten wird.“

Als „abwassertechnische Anlage“ nach DGUV Vorschrift 21 (BGV C5) sind zu betrachten:
Sämtliche Einrichtungen die der Schlammbehandlung, Abwasserableitung, -behandlung, -sammlung, -speicherung, sowie der Faulgasgewinnung, -speicherung und -verwendung dienen.

Als „umschlossene Räume“ nach der DGUV Vorschrift 21 (BGV C5) gelten im Allgemeinen:
Räume, die unter die vorhergehende Aufzählung fallen, sowie deren Kontrollschächte und sonstige Schächte. Als „nicht umschlossene Räume“ gelten oberirdische Räume von Abwasserbehandlungsanlagen. Allerdings sind bei dieser Art von Räumen zumeist andere Vorschriften mit zu beachten.
An dieser Stelle sei auf die DGUV Information 203-004 (BGI 594) „Einsatz von elektrischen Betriebsmitteln bei erhöhter elektrischer Gefährdung“verwiesen.

Wie kann man dieser Forderung folgen?

Eine Grundlage in Bezug auf Instandhaltungstätigkeiten sind umfängliche Gefährdungsbeurteilungen.
Nach § 34 Abs. 4 der DGUV Vorschrift 21 (BGV C5) hat der Unternehmer (bzw. seine verantwortliche Elektrofachkraft) vor Arbeitsbeginn dafür zu sorgen, dass für den Gefahrenfall geeignete Maßnahmen und Gefahren durch Stoffe (exemplarisch sei hier auf eine biologische und Explosionsgefahr verwiesen) ermittelt sowie diese durch geeignete Maßnahmen minimiert bzw. eliminiert werden.

Nach der Gefährdungsbeurteilung müssen geeignete Arbeitsanweisungen erstellt werden. Der Unternehmer (bzw. seine verantwortliche Elektrofachkraft) muss nach der Erstellung von arbeitsplatz- oder tätigkeitsbezogenen Gefahren- und Gefährdungsbeurteilungen entsprechende Arbeitsanweisungen, unter anderem auf Grundlage der Anforderungen des Arbeitsschutzgesetzes, von § 9 „Unterrichtung und Unterweisung“ Abs. 2 der Betriebssicherheitsverordnung, nach § 4 „Unterweisung der Versicherten“ der BGV A1 sowie gemäß § 26 der DGUV Vorschrift 21 (BGV C5) „Abwassertechnische Anlagen“, erstellen und diese den Versicherten gegen Unterschrift nachweislich bekannt geben. Diese Unterweisung und Unterrichtung von Beschäftigten in abwassertechnischen Anlagen muss mindestens einmal jährlich erfolgen.
Ebenso müssen Arbeitsanweisungen vor der Vergabe von Aufträgen an Fremdfirmen existieren, und die Firmen haben sich untereinander über wesentliche Aspekte der Arbeitssicherheit in Bezug auf Gesundheitsschutz und Gefahrenabwehr, möglichst im Vorwege von geplanten Tätigkeiten, abzustimmen.

Trenntrafo und/oder Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD/FI)?

Wie sieht die Sachlage beim Arbeiten in abwassertechnischen Anlagen aus?
Nach der Durchführungsanweisung zur DGUV Vorschrift 21 (BGV C5) „Abwassertechnische Anlagen“ stehen die Schutzmaßnahmen „Schutzkleinspannung“ und „Schutztrennung“ gegen die genannte „[…] erhöhte Gefährdung durch elektrischen Strom“ gleichberechtigt nebeneinander. Diese Gleichberechtigung schließt aber ebenso wirksame Schutzmaßnahmen, zum Beispiel den „Schutz durch automatische Abschaltung/Trennung“ der Stromversorgung nach VDE 0100-410 „Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag“ nicht aus.
Vielmehr ist hier der Unternehmer (bzw. seine verantwortliche Elektrofachkraft) in der Pflicht, auf Grundlage einer sauber durchgeführten Gefahren- und Gefährdungsbeurteilung in Zusammenarbeit mit anderen betrieblichen Fachkräften zu ermitteln, welche technischen, organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen notwendig sind, um die möglicherweise bestehenden und entstehenden Gefahren sowie Gefährdungen zu minimieren bzw. auszuschließen.

Abb. 1: 4-polige Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD mit IΔN = 0,03 A) vor alle CEE-Steckdosen geschaltet

4-polige Fehlerstrom-Schutzeinrichtung

Neben der organisatorischen Betrachtungsweise muss man das Augenmerk auch auf die angedachten und zum Einsatz zu bringenden technischen Arbeitsmitteln richten, zu denen auch die ortsveränderlichen Betriebsmittel zählen.
In diesem Zusammenhang sei besonders auf die im Mai 2012 neu erschiene BGI/GUV-I 608 (jetzt: DGUV Information 203-006) „Auswahl und Betrieb elektrischer Anlagen und Betriebsmittel auf Bau- und Montagestellen“ verwiesen, die eine gute Orientierungshilfe für die Auswahl und den sicheren Betrieb von elektrischen Arbeitsmitteln unter erschwerten Bedingungen bietet. Diese besonderen Bedingungen/Umgebungsbedingungen, wie Nässe, Feuchtigkeit, erhöhte Leitfähigkeit können durchaus im Zusammenhang mit Instandhaltungstätigkeiten an abwassertechnischen Anlagen nach Maßgabe der DGUV Vorschrift 21 (BGV C5) auftreten.

Fazit

Alles in allem nimmt die DGUV Vorschrift 21 (BGV C5) den Unternehmer (bzw. seine verantwortliche Elektrofachkraft) umfangreich in die Pflicht und Haftung, für die notwendige Sicherheit bei Instandhaltungstätigkeiten und Arbeiten in abwassertechnischen Anlagen entsprechend Sorge zu tragen, damit den Beschäftigten bei Ausführung der Arbeiten keine gesundheitlichen Gefahren drohen.
Dieser durchaus hohen Anforderung kann der Unternehmer (bzw. seine verantwortliche Elektrofachkraft) nur gerecht werden, wenn er sich im Vorwege zu den geplanten Tätigkeiten eng mit anderen Fachkräften für Gesundheits- und Arbeitsschutz verzahnt sowie über eine entsprechend tiefgründige und umfängliche Gefährdungsbeurteilung festlegt, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes für die jeweiligen Arbeiten und Tätigkeiten notwendig sind.
Eine pauschale Grobaussage, ob Instandhaltungstätigkeiten mit oder ohne Trenntrafo durchzuführen sind, kann man nicht treffen. Hier kommt es neben der Frage „Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) und/oder Trenntrafo?“ ebenso auf eine genaue Gefährdungsbeurteilung, die passenden Arbeits- und Handlungsanweisungen sowie die passenden technischen und persönlichen Voraussetzungen des Instandhaltungspersonales an, um diese Tätigkeiten sicher durchführen zu können.

Autor: Jens Weber

Diese Praxisfrage sowie weitere zum Thema finden Sie in dem Produkt Die Elektrofachkraft in der betrieblichen Praxis.

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