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So setzen Sie Ihre EFKs und EuPs richtig ein

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Der richtige Einsatz von EFK und EuP.
Setzen Sie Ihre EFKs und EuPs richtig ein. (Bildquelle: Andrejs Pidjass/Hemera/Thinkstock)

Beitrag ist von 2008, aktualisiert am 28.06.2016

Jede elektrotechnische Tätigkeit fordert besondere Kenntnisse und Qualifikationen. Leider ist vielen Unternehmern nicht klar, dass sie für elektrotechnische Tätigkeiten eine Elektrofachkraft (EFK) bzw. eine elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) beauftragen müssen.

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet den Unternehmer ausdrücklich, nur geeignete Mitarbeiter mit einer Aufgabe zu betrauen.

§ 7 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)

„Bei der Übertragung von Aufgaben auf Beschäftigte hat der Arbeitgeber je nach Art der Tätigkeiten zu berücksichtigen, ob die Beschäftigten befähigt sind, die für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Aufgabenerfüllung zu beachtenden Bestimmungen und Maßnahmen einzuhalten.“

Was bedeutet das für den Bereich der Elektrotechnik?

Die Verantwortung liegt beim Unternehmer

Juristisch heißt das Auswahlverantwortung. Warum aber sollten wir das aus juristischer Sicht betrachten? Obwohl die Anzahl der tödlichen Stromunfälle mit der Einführung von Unfallverhütungsvorschriften abgenommen hat, müssen sich immer noch genügend Arbeitgeber nach einem Elektrounfall vor Gericht verantworten. Nicht selten liegt ein Organisationsverschulden des Unternehmers vor, da er seiner Auswahlverantwortung nicht gerecht wurde.

Speziell im Bereich der Elektrotechnik gibt es Regeln, an denen man sich orientieren muss. Die VDE 1000-10 wurde zum 1. Mai 1995 veröffentlicht und ab April 1996 als elektrotechnische Regel im Sinne der DGUV Vorschrift 3 (ehemals BGV A3) bezeichnet.

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VDE 1000-10 Elektrotechnische Qualifikationen

Die VDE 1000-10 gilt für die fachlichen Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen, die im Rahmen ihrer Aufgaben Tätigkeiten ausführen, die von Bedeutung für die elektrische Sicherheit sind.

Wer ist eine Elektrofachkraft (EFK)?

Elektrofachkraft (EFK) ist,

wer aufgrund seiner

  • fachlichen Ausbildung
  • Kenntnisse und Erfahrungen
  • Kenntnis der einschlägigen Normen

die ihm übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann.

Wer ist eine elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP)?

Elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) ist,

wer durch eine Elektrofachkraft über die ihr übertragenen Aufgaben und die möglichen Gefahren bei unsachgemäßem Verhalten unterrichtet und erforderlichenfalls angelernt sowie über die notwendigen Schutzeinrichtungen und Schutzmaßnahmen belehrt wurde.
Die elektrotechnisch unterwiesene Person arbeitet immer unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft.

Beispiele für elektrotechnische Aufgaben

a) Planen, Projektieren, Konstruieren
b) Einsetzen von Arbeitskräften

  • Organisieren der Arbeiten
  • Festlegen der Arbeitsverfahren
  • Auswählen der geeigneten Arbeits- und Aufsichtskräfte
  • Bekanntgeben und Erläutern der einschlägigen Sicherheitsfestlegungen
  • Hinweisen auf besondere Gefahren
  • Unterweisen über anzuwendende Schutzmaßnahmen
  • Festlegen der zu verwendenden Körperschutzmittel und Schutzvorrichtungen
  • Durchführen notwendiger Schulungsmaßnahmen

c) Errichten
d) Prüfen

  • Besichtigen
  • Erproben
  • Messen

e) Betreiben

  • Inbetriebsetzen
  • Betätigen (Bedienen) (ausgenommen die bestimmungsgemäße Verwendung von elektrischen Betriebsmitteln, die für Laienbenutzung vorgesehen sind)
  • Arbeiten
  • Instandhalten

f) Ändern

Diese Tätigkeiten dürfen grundsätzlich nur von Elektrofachkräften selbständig durchgeführt werden, von anderen Personen nur unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft, wobei den jeweiligen Tätigkeitsmerkmalen je nach Schwierigkeitsgrad entsprechend abgestufte Qualifikationsmerkmale zuzuordnen sind.

Arbeiten unter Leitung und Aufsicht einer EFK

Hierunter ist nicht zu verstehen, dass die Elektrofachkraft ständig zugegen sein muss; sie muss sich vielmehr in angemessenen Zeitabschnitten davon überzeugen, dass die erteilten Anweisungen beachtet werden und sicherheitsgerecht gearbeitet wird. Die Elektrofachkraft (EFK) ist insoweit für die übertragenen Tätigkeiten verantwortlich.

Ziel der Norm: Risikominimierung

Ziel der Norm ist eine Risikominimierung aufgrund der fachlichen Qualifikation der tätigen Personen. Eine persönliche Eignung wird ausdrücklich als wichtiges Kriterium, aber nicht als Gegenstand der Norm erwähnt.

Die Erkennung von Gefahren sollte für eine Elektrofachkraft mit fundierten Grundkenntnissen der Elektrotechnik und aus der Berufserfahrung heraus weitaus höhere Qualität haben als bei einer elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP). Diese wurde nur sensibilisiert über die Gefahren des elektrischen Stroms. Aufgrund fachlicher Defizite und mangelnder Berufspraxis in dem breiten Spektrum des Elektrobereichs ist eine Einstufung des Gefährdungspotenzials durch eine elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) fragwürdig. Die Minimierung von Gefahren, durch Orientierung am Stand der Technik, bzw. den elektrotechnischen Regeln erfordert gute Kenntnisse des Vorschriften- und Normenwerks sowie umfassende praktische Erfahrungen, welche nur der Elektrofachkraft zugesprochen werden kann.

Die Fachverantwortung trägt die Elektrofachkraft

Aus diesem Umstand heraus bleibt die Fachverantwortung bei der Elektrofachkraft. Die elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) kann nur die ihr speziell übertragenen Aufgaben beurteilen und zur Verfügung gestellte Schutzmaßnahmen anwenden.

Praktisch gesehen ist die Ausbildung zur elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) eine Erweiterung der Qualifikation eines elektrotechnischen Laien, um ein Mindestmaß an Arbeitssicherheit zu gewährleisten, wenn z.B. ein Schaltschrank zwecks Quittierung von Schutzeinrichtungen geöffnet werden muss, eine elektrische Anlage zu Reinigen ist oder nicht elektrotechnische Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile ausgeführt werden müssen.

Das Ausführen von Arbeiten, das elektrotechnischen Sachverstand, Kompetenz und Eigenverantwortung erfordert, muss den Elektrofachkräften vorbehalten bleiben.

Das Tätigkeitsfeld einer elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) kann der Unternehmer nur unter Berücksichtigung der persönlichen Eignung und der Ausbildungsmaßnahme der jeweiligen Person individuell festlegen.

Weiterbildung ist Pflicht

Das immer weitere Vordringen der Elektrotechnik in alle Bereiche macht es erforderlich, eine im besonderen Maße qualifizierte Elektrofachkraft oder elektrotechnisch unterwiesene Person einzusetzen. Die in der Ausbildung erworbenen Kenntnisse allein reichen für viele Tätigkeiten nicht aus. Meist ist eine spezielle Qualifikation notwendig, die nur durch Weiterbildungsmaßnahmen erreicht wird. Als Beispiel wären Spezialausbildungen für Schaltberechtigung von Hochspannungen, Arbeiten unter Spannung oder Prüfungen von elektrischen Arbeitsmitteln zu nennen.

Prüfungen: die "befähigte Person" ist gefordert

Die Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen können und dürfen nicht generell von jeder Elektrofachkraft durchgeführt werden. Hierzu ist eine befähigte Person gemäß Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) gefordert.

Analog zur Elektrofachkraft (EFK) muss die befähigte Person eine elektrotechnische Berufsausbildung abgeschlossen haben. Eine mindestens einjährige Berufserfahrung, erforderlichen Kenntnisse der Elektrotechnik sowie der relevanten technischen Regeln für die vorgesehenen Prüfaufgaben sind als Voraussetzung für die befähigte Person explizit gefordert. Die genauen Anforderungsmerkmale einer befähigten Person finden Sie in der Technischen Regel für Betriebssicherheit TRBS 1203.

Praxisnah betrachtet sind so manche als Prüfer beauftragte Personen trotz ihrer abgeschlossenen Ausbildung in einem Elektroberuf weder als befähigte Person noch als Elektrofachkraft zu bezeichnen. Mangelndes Wissen um den Stand der Technik, fehlende Kenntnisse der einschlägigen und relevanten Normen, keine Erfahrungen durch zeitnahen Einsatz beim Prüfen stellen ihnen dieses schlechte Zeugnis aus.

Hier stellt sich letztlich noch eine Frage: Welches Zeugnis könnte man einer elektrotechnisch unterwiesenen Person ausstellen, die mit Prüfungen beauftragt wurde und welche Qualität haben die von ihr durchgeführten Prüfungen?

Eine elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) gilt nicht als befähigte Person nach TRBS 1203 und darf nur unterstützend Prüftätigkeiten durchführen.

Autor: Mirko Engert

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