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Elektrofachkraft für erneuerbare Energien

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Solarpanels müssen fachgerecht installiert und gewartet werden
Solarpanels müssen fachgerecht installiert und gewartet werden (Bildquelle: moodboard/moodboard/Thinkstock)

Der Anteil des so genannten Öko- oder Grünstroms in Deutschland wächst. Im vergangenen Jahr 2017 haben die vor einigen Jahren noch vielfach belächelten Erneuerbaren Energien bereits mit 36,1 Prozent zur Stromversorgung in Deutschland beigetragen. Mit der Zahl der Photovoltaikanlagen und Windräder, Geothermie- und Biogasanlagen wächst auch der Bedarf an qualifiziertem Personal für Installation und Wartung.

Unterschiedliche private Träger, Akademien, Bildungszentren und andere Fortbildungsveranstalter bieten spezielle Ausbildungsgänge für eine Qualifizierung im Bereich der Erneuerbare Energien an. Die Titel und ihre Abschlüsse sind nicht genormt oder anders festgelegt, jeder Anbieter kann eigene Lehrgänge, Kurse, Seminare usw. entwickeln. Diese tragen Bezeichnungen wie z.B.

  • Weiterqualifizierung zur Elektrofachkraft für Erneuerbare Energien
  • Weiterbildung als Elektrofachkraft für Biogasanlagen
  • Qualifizierung zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten im Tätigkeitsfeld Biogasanlagen/Landwirtschaft
  • Seminar Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten Photovoltaik
  • Weiterbildung zur Geprüften Elektrofachkraft für Windenergieanlagen

Dieser Weiterbildungsmarkt wirkt zwar etwas unübersichtlich, spiegelt aber den Bedarf an derartigen Qualifikationen wider. Denn jedes Solarzellensystem, ob auf dem Scheunendach oder einer Freifläche, ist eine elektrische Anlage, die gewartet und geprüft werden muss. Das Betreiben von Biogasanlagen ist mit Elektroinstallationen verbunden und auch Windkraftanlagen müssen elektrotechnisch betreut werden. Dies gilt zwar auch für Wasserkraftanlagen, doch ist eine Schulung zur Elektrofachkraft für Wasserkraftwerke o.ä. bisher nicht zu finden.

Der für solche Weiterbildungen von den Veranstaltern angegebene Zeitaufwand liegt zwischen einer und vier Wochen. Daher sind die Lehrgänge in ihrer inhaltlichen Tiefe vermutlich kaum vergleichbar. Vor der Auswahl eines Anbieters sollte man sich genauer erkundigen und die Entscheidung am eigenen Schulungsbedarf ausrichten. Geringe Kosten und möglichst kurze Dauer eines Lehrgangs sind nicht unbedingt die besten Kriterien. Es geht nicht darum, auf die Schnelle einen Titel zu erhalten, sondern darum, alle Kenntnisse zu erwerben, die man für anstehende Aufgaben benötigt.

Theorie und Praxis für einen festgelegten Aufgabenbereich

In aller Regel umfassen die Kurse und Lehrgänge einen theoretischen und einen praktischen Teil. Die Teilnehmer lernen neben den Grundlagen der Elektrotechnik und den elementaren Schutzmaßnahmen die jeweils relevanten Vorschriften, VDE-Bestimmungen, Prüffristen usw. kennen. Sie erfahren, was eine fach- und normgerechte Installation ausmacht, was bei Wartungsarbeiten zu beachten ist und wie man Fehler sucht und findet. Anschließend sollten die Teilnehmer z.B. in der Lage sein, Elektrokomponenten aus dem jeweiligen Tätigkeitsfeld zu prüfen und ggf. auszutauschen. Die erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen müssen in einer abschließenden Prüfung nachgewiesen werden. Meist werden die Weiterbildungen mit einem Zertifikat der IHK, der Handwerkskammer oder eines anderen Ausstellers beworben.

Wichtig zur Einordnung der oben beispielhaft genannten Qualifizierungsangebote ist: Es geht dabei stets um die Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten (EFKffT oder EFT), nicht etwa um die Elektrofachkraft im engeren Sinne. Diese Lehrgänge, Kurse und Seminare stellen keinesfalls eine vollständige Ausbildung zur Elektrofachkraft dar. Es geht lediglich um eine zusätzliche Qualifikation für einen bestimmten Teilbereich der Elektrotechnik. Dieser Teilbereich ist jeweils an einer der Erneuerbaren Energien ausgerichtet. Als festgelegte Tätigkeiten gelten stets gleichartige, sich wiederholende Arbeiten, z.B. in der Instandhaltung, bei Inspektion und Wartung.

Auch die Windenergiebranche benötigt ausgebildete Fachkräfte
Auch die Windenergiebranche benötigt ausgebildete Fachkräfte (Bildquelle: francescomoufotografo/iStock/Thinkstock)

Mit dieser Zusatz-Qualifikation kann und darf eine Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten (EFKffT) Aufgaben aus dem jeweils festgelegten Tätigkeitsfeld übernehmen, ohne vollständig ausgebildete Elektrofachkraft zu sein. Daher wählen Angehörige von Nicht-Elektro-Berufen eine Weiterbildung zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten, um ihre Berufs- und Arbeitsmarktchancen zu erhöhen. In anderen Fällen werden sie von ihrem Arbeitgeber zu einer solchen Fortbildung geschickt, damit auch bei begrenzter Mitarbeiterzahl bestimmte Aufgaben selbst übernommen werden können.

Daraus folgt, dass es keine Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten als solche geben kann. Denn diese Qualifizierung gilt immer nur in Verbindung mit einem festgelegten Tätigkeitsfeld. Das bedeutet, dass eine Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten nur die Tätigkeiten ausführen darf, für die sie eine Ausbildung nachweisen kann. Eine Elektrofachkraft für Biogasanlagen darf z.B. nicht automatisch auch als Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten in der Abwassertechnik oder im Facility Management agieren.

Hinweis: Zum Teil sind die oben genannten Fortbildungen zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten vom VDSI (Verband Deutscher Sicherheitsingenieure e.V.) als geeignete Weiterbildung im Sinne von § 5 des Arbeitssicherheitsgesetzes anerkannt. Fachkräfte für Arbeitssicherheit können mit einer Teilnahme daher ggf. ihren Fortbildungsverpflichtungen nachkommen.

Weitere Details zu den Rechtsgrundlagen von Elektrofachkräften und Elektrofachkräften für festgelegte Tätigkeiten können im berufsgenossenschaftlichen Regelwerk nachgelesen werden:

  • DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“
  • DGUV Grundsatz 303-001 „Ausbildungskriterien für festgelegte Tätigkeiten im Sinne der Durchführungsanweisungen zur BG-Vorschrift Elektrische Anlagen und Betriebsmittel”

Autor: Dr. Friedhelm Kring

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