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Bin ich eine Elektrofachkraft (EFK)?

Eine elektrotechnische Ausbildung und praktische Erfahrungen: zwei Anforderungen an die Elektrofachkraft (EFK). Aber es gibt noch mehr.
Eine elektrotechnische Ausbildung und praktische Erfahrungen: zwei Anforderungen an die Elektrofachkraft (EFK). Aber es gibt noch mehr. (Bildquelle: BrianAJackson/iStock/Thinkstock)

Frage aus der Praxis

Wer ist eine Elektrofachkraft und wer kann Elektrofachkraft werden?

Antwort des Experten

Stefan Euler

Elektrofachkraft ist, wer aufgrund

  • seiner fachlichen Ausbildung,
  • seiner kenntnisse und Erfahrungen sowie
  • seiner Kenntnis der einschlägigigen Normen

die ihm übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann.

In der folgenden Grafik wird deutlich, dass die Qualifikation einer Elektrofachkraft über das Maß einer normalen Berufausbildung hinausgeht. Auf jeden Fall, wenn die Berufsausbildung wie bisher üblich, sich nur beiläufig mit Normen, Verordnungen und Gesetzen beschäftigt.

Qualifikationsstufen bis zur verantwortlichen Elektrofachkraft
Qualifikationsstufen bis zur verantwortlichen Elektrofachkraft

Aus Sicht unserer Rechtsgelehrten (der DGUV Vorschriften, Unfallverhütungsvorschriften, TRBSen): Der Vorgesetzte benötigt einen im juristischen Sprachgebrauch sogenannten „Erfüllungsgehilfen“, der Verantwortung für die „Elektrizität“ wahrnehmen kann.
Dieser „Erfüllungsgehilfe“ muss gemäß Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) und Arbeitschutzgesetz (ArbSchG) so ausgestattet sein, dass er seinen Job vernünftig wahrnehmen kann (siehe dazu auch BGB §§ 278, 831).

Die Elektrofachkraft in der Praxis

Jeder Mensch weiß, dass ein Berufsneuling nicht alles wissen kann. Denn das ist Stand der Technik!
So weiß auch ein frisch ausgelernter Mitarbeiter aus dem Bereich der Elektrotechnik (Geselle, Facharbeiter) selbst, dass er nicht alles von den Aufgaben einer Elektrofachkraft (EFK) weiß.

Damit der Vorgesetzte seinen neuen „Erfüllungsgehilfen“ sicher einsetzen kann, muss er zu einer Elektrofachkraft heranreifen:

  • durch das Sammeln von Erfahrung in der Praxis und
  • dem Kennenlernen der für ihn wichtigen Gesetze, Vorschriften und Normen etc.

Ein besonders sorgfältiger Vorgesetzte organisiert zusätzlich eine Person, die der künftigen Elektrofachkraft (EFK) ab und zu fachlich über die Schultern sieht (siehe dazu Arbeitsschutzgesetz und §§ 276, 823 BGB). Am Anfang mehr, nachher weniger.

Schulung befähigter Personen

In der heutigen Zeit, mit dem schnellen Wechsel von Techniken, Erkenntnissen und Gesetzen, ist niemand mehr nur mit einer Berufsausbildung per se als Elektrofachkraft (EFK) geeignet. Deswegen hat auch die TRBS 1203 „Befähigte Personen“ explizit die regelmäßige Schulung der befähigten Personen erwähnt. Diese wird übrigens ebenfalls gemäß DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ (ehemals BGV A1) mindestens jährlich gefordert! Also will auch unsere Berufsgenossenschaft als Versicherer, dass Menschen mit hoher Verantwortung wie die Elektrofachkraft (EFK), sich regelmäßig weiterbilden.

Verantwortliche berufen sich immer wieder darauf, dass das mit der Elektrofachkraft (EFK) angeblich anders geregelt ist. Bei der ordentlichen Lektüre der DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ (ehemals BGV A3) oder der VDE 0105-100 „Betrieb von elektrischen Anlagen“ bzw. der VDE 1000-10 „Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen“ kommt man immer wieder zum Schluss, dass Leute die so etwas behaupten, mit dem Lesen zu früh aufgehört haben. Nochmals: eine Weiterbildung und Erfahrung ist immer explizit gefordert!

Textauszüge

VDE 1000-10 „Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen“

Elektrofachkraft
Elektrofachkraft ist, wer aufgrund seiner fachlichen Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrungen sowie Kenntnis der einschlägigen Normen*) die ihm übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann.

*) Hier ist unter dem Begriff der „einschlägigen Normen“ nicht nur der enge Begriff der DIN Normen oder DIN VDE Normen zu verstehen, sondern auch Vorschriften und Bestimmungen anderer Regelsetzer, z.B. die Betriebssicherheitsverordnung und die dazugehörigen TRBSen, Verordnung über elektrische Anlagen in explosionsgefährdeten Räumen, Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften, Bergverordnung.

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)

§ 7 Übertragung von Aufgaben
Bei der Übertragung von Aufgaben auf Beschäftigte hat der Arbeitgeber je nach Art der Tätigkeiten zu berücksichtigen, ob die Beschäftigten befähigt sind, die für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Aufgabenerfüllung zu beachtenden Bestimmungen und Maßnahmen einzuhalten.

§ 9 Besondere Gefahren
(1) Der Arbeitgeber hat Maßnahmen zu treffen, damit nur Beschäftigte Zugang zu besonders gefährlichen Arbeitsbereichen haben, die zuvor geeignete Anweisungen erhalten haben.

(2) Der Arbeitgeber hat Vorkehrungen zu treffen, dass alle Beschäftigten, die einer unmittelbaren erheblichen Gefahr ausgesetzt sind oder sein können, möglichst frühzeitig über diese Gefahr und die getroffenen oder zu treffenden Schutzmaßnahmen unterrichtet sind. Bei unmittelbarer erheblicher Gefahr für die eigene Sicherheit oder die Sicherheit anderer Personen müssen die Beschäftigten die geeigneten Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und Schadensbegrenzung selbst treffen können, wenn der zuständige Vorgesetzte nicht erreichbar ist; dabei sind die Kenntnisse der Beschäftigten und die vorhandenen technischen Mittel zu berücksichtigen. Den Beschäftigten dürfen aus ihrem Handeln keine Nachteile entstehen, es sei denn, sie haben vorsätzlich oder grob fahrlässig ungeeignete Maßnahmen getroffen.

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