TRBS 1203 und ihre Bedeutung für Elektrofachkräfte

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TRBS 1203: Die befähigte Person kann den arbeitssicheren Zustand von Arbeitsmitteln beurteilen.
TRBS 1203: Die befähigte Person kann den arbeitssicheren Zustand von Arbeitsmitteln beurteilen. (Bildquelle: Comstock/Stockbyte/Thinkstock)

Inhalt der TRBS 1203 „Befähigte Personen“

1 Anwendungsbereich

2 Allgemeine Anforderungen an befähigte Personen

2.1 Berufsausbildung

2.2 Berufserfahrung

2.3 Zeitnahe berufliche Tätigkeit

3 Zusätzliche Anforderungen an befähigte Personen zur Prüfung bestimmter Gefährdungen

3.1 Explosionsgefährdungen

3.2 Gefährdungen durch Druck

3.3 Elektrische Gefährdungen

Anforderungen an befähigte Personen

Aufgrund der Fachkenntnisse aus Berufsausbildung, Berufserfahrung und zeitnaher beruflicher Tätigkeit muss ein zuverlässiges Verständnis sicherheitstechnischer Belange gegeben sein, damit Prüfungen ordnungsgemäß durchgeführt werden können. In Abhängigkeit von der Komplexität der Prüfaufgabe (Prüfumfang, Prüfart, Nutzung bestimmter Messgeräte) können die erforderlichen Fachkenntnisse einer befähigten Person variieren.

Laut TRBS 1203 muss die befähigte Person über Fachkenntnisse und ein sicherheitstechnisches Verständnis verfügen
Laut TRBS 1203 muss die befähigte Person über Fachkenntnisse und ein sicherheitstechnisches Verständnis verfügen (Bildquelle: AndreyPopov/iStock/Thinkstock)

Berufsausbildung

Die befähigte Person muss eine Berufsausbildung abgeschlossen haben, die es ermöglicht, ihre beruflichen Kenntnisse nachvollziehbar festzustellen. Als abgeschlossene Berufsausbildung gilt auch ein abgeschlossenes Studium. Die Feststellung soll auf Berufsabschlüssen oder vergleichbaren Qualifikationsnachweisen beruhen.

Berufserfahrung

Berufserfahrung setzt voraus, dass die befähigte Person eine nachgewiesene Zeit im Berufsleben praktisch mit den zu prüfenden vergleichbaren Arbeitsmitteln umgegangen ist und deren Funktions- und Betriebsweise im notwendigen Umfang kennt. Dabei hat sie genügend Anlässe kennengelernt, die Prüfungen auslösen, z.B. im Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung und aus arbeitstäglicher Beobachtung.

Durch Teilnahme an Prüfungen von Arbeitsmitteln hat sie Erfahrungen mit der Durchführung der anstehenden Prüfung oder vergleichbarer Prüfungen gesammelt und die erforderlichen Kenntnisse im Umgang mit Prüfmitteln sowie hinsichtlich der Bewertung von Prüfergebnissen erworben.

Berufserfahrung schließt ein, beurteilen zu können, ob ein vorgeschlagenes Prüfverfahren für die durchzuführende Prüfung des Arbeitsmittels geeignet ist. Hierzu gehört auch, dass die Gefährdungen durch die Prüftätigkeit und das zu prüfende Arbeitsmittel erkannt werden können.

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Zeitnahe berufliche Tätigkeit

Eine zeitnahe berufliche Tätigkeit umfasst eine Tätigkeit im Umfeld der anstehenden Prüfung des Prüfgegenstands sowie eine angemessene Weiterbildung. Zur zeitnahen beruflichen Tätigkeit gehört auch die Durchführung von mehreren Prüfungen pro Jahr (Erhalt der Prüfpraxis).

Bei längerer Unterbrechung der Prüftätigkeit müssen durch die Teilnahme an Prüfungen Dritter erneut Erfahrungen mit Prüfungen gesammelt und die notwendigen fachlichen Kenntnisse erneuert werden.

Die befähigte Person muss über Kenntnisse zum Stand der Technik hinsichtlich des zu prüfenden Arbeitsmittels und der zu betrachtenden Gefährdungen verfügen und diese aufrechterhalten.

Sie muss mit

  • staatlichen Arbeitsschutzvorschriften (z.B. Arbeitsschutzgesetz, Betriebssicherheitsverordnung),
  • Anforderungen an die Beschaffenheit (z.B. Produktsicherheitsgesetz, einschlägige Verordnungen zum Produktsicherheitsgesetz),
  • Regelungen der Unfallversicherungsträger und anderen Regelungen (Technische Regeln, DGUV-Vorschriften, DIN-Normen usw.)

so weit vertraut sein, dass sie den arbeitssicheren Zustand des Arbeitsmittels beurteilen kann.

Elektrische Gefährdungen

Berufsausbildung für elektrische Gefährdungen

Ergänzend zu Ziffer 2.1 der TRBS 1203 muss die befähigte Person für die Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen eine elektrotechnische Berufsausbildung (Elektroniker der Fachrichtungen Energie- und Gebäudetechnik, Automatisierungstechnik oder Informations- und Telekommunikationstechnik, Systemelektroniker, Informationselektroniker, Schwerpunkt Bürosystemtechnik oder Geräte- und Systemtechnik, Elektroniker für Maschinen- und Antriebstechnik sowie vergleichbare industrielle Ausbildungen) abgeschlossen haben, ein abgeschlossenes Studium der Elektrotechnik oder eine andere für die vorgesehenen Prüfaufgaben vergleichbare elektrotechnische Qualifikation besitzen.

Bezogen auf ihre Berufserfahrung muss die befähigte Person für die Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen eine mindestens einjährige Erfahrung mit der Errichtung, dem Zusammenbau oder der Instandhaltung von elektrischen Arbeitsmitteln und/oder Anlagen besitzen.

Personen mit der o.g. elektrotechnischen Ausbildung weisen die erforderliche Berufserfahrung für befähigte Personen für die Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen im jeweiligen Tätigkeitsfeld auf.

Zeitnahe berufliche Tätigkeit für elektrische Gefährdungen

Die befähigte Person für die Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen muss ihre Kenntnisse der Elektrotechnik z.B. durch Teilnahme an Schulungen oder an einem einschlägigen Erfahrungsaustausch aktualisieren.

Thema Weiterbildung … ungeliebt, aber: extrem wichtig!
Thema Weiterbildung … ungeliebt, aber: extrem wichtig! (Bildquelle: monkeybusinessimages/iStock/Thinkstock)

Geeignete zeitnahe berufliche Tätigkeiten von befähigten Personen für die Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen können z.B. sein:

  • Reparatur-, Service- und Wartungsarbeiten und abschließende Prüfung an elektrischen Geräten
  • Prüfung elektrischer Betriebsmittel in der Industrie, z.B. in Laboratorien, an Prüfplätzen
  • Instandsetzung und Prüfung von elektrischen Geräten unter Leitung und Aufsicht einer befähigten Person

Zu TRBSen

  • Die Technische Regel konkretisiert die Betriebssicherheitsverordnung hinsichtlich der Ermittlung und Bewertung von Gefährdungen sowie der Ableitung von geeigneten Maßnahmen.
  • Bei Anwendung der beispielhaft genannten Maßnahmen kann der Arbeitgeber insoweit die Vermutung der Einhaltung der Vorschriften der Betriebssicherheitsverordnung für sich geltend machen.
  • Wählt der Arbeitgeber eine andere Lösung, hat er die gleichwertige Erfüllung der Verordnung schriftlich nachzuweisen.
  • Autor:

    Dr. Friedhelm Kring

    freier Lektor und Redakteur

    Kring, Friedhelm

    Dr. Friedhelm Kring ist freier Lektor, Redakteur und Fachjournalist mit den Schwerpunkten Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.

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Kommentare

Kommentar von Frank Dreesen |

Hallo Herr W. Bruck,
der minimale anzuwendende Prüfstrom liegt bei 200 mA und nicht 200 µA. Ich vermute, dass sie 200mA meinten, sollten die allerdings korrigieren um Irritationen anderer Leser zu vermeiden.
Ich kann ohne weitere Informationen nicht das Fachwissen von ihrem Vorgesetzten und Ihnen sowie die beurteilen.
Ich hoffe, dass Sie die Problematik fachlich diskutiert haben.
Wie Ihnen bekannt sein dürfte, können mit den unterschiedlichen Prüfströmen auch unterschiedliche
Fehler und Auffälligkeiten erkannt werde.
Es spricht auch nichts gegen eine Prüfung mit erst 200 mA und anschließenden 10 A.
Ansonsten möchte ich Sie an die §14 Abs. 6 der BetrSichV erinnern.

(6) Zur Prüfung befähigte Personen nach § 2 Absatz 6 unterliegen bei der Durchführung der nach dieser Verordnung vorgeschriebenen Prüfungen keinen fachlichen Weisungen durch den Arbeitgeber. Zur Prüfung befähigte Personen dürfen vom Arbeitgeber wegen ihrer Prüftätigkeit nicht benachteiligt werden.

Ich hoffe, dass Ihnen die Antwort weiterhilft und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Frank Dreesen

Kommentar von W. Bruck |

Hallo, alles super bis jetzt aber wie soll sich der Prüfer entscheiden wenn er von manche Vorgesetzte gezwungen ist mit 10 A die Prüfung zu führen um alle gut zu haben, den bei 0,200 mA sind die Werte sehr schlecht und versucht man diese zu verbessern in dem man die Prüfung betrügt oder verfälscht ? Wie soll der Prüfer sich entscheiden jetzt ? Soll er das akzeptieren oder nicht ? Was ist wenn jemand dadurch stirbt ? Gibt es Ich würde mich bitte über eine Antwort freuen. Herzlichen Dank.
MfG
W. Bruck

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