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Wiederholungsprüfungen elektrischer Arbeitsmittel 4 5 4

Wiederholungsprüfungen elektrischer Arbeitsmittel

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DGUV Information 203-071: Wiederkehrende Prüfungen ortsveränderlicher elektrischer Arbeitsmittel
DGUV Information 203-071: Wiederkehrende Prüfungen ortsveränderlicher elektrischer Arbeitsmittel

Zu den Unternehmerpflichten gehört die Bereitstellung sicherer Arbeitsmittel. Die DGUV-I 203-071 (ehemals BGI 5190) informiert über die Organisation der geforderten Wiederholungsprüfung von ortsveränderlichen elektrischen Arbeitsmitteln gemäß Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV).

Sie konkretisiert die Informationen aus TRBS 1201, 1203 und berücksichtigt die Aussagen der DGUV Vorschrift 3 (BGV A3). Zusätzlich gibt die DGUV-I 203-071 Hinweise zu

  • angemessenen Prüffristen
  • sachgerechter Dokumentation und
  • sachgerechter Kennzeichnung der Arbeitsmittel
  • der Auftragsvergabe und Vertragsinhalten für die Vergabe von Prüfungsaufträgen an Fremdfirmen

DGUV-I: Anforderungen an das Prüfpersonal

Die DGUV-I 203-071 fordert eine hohe Qualifikation des Prüfpersonals. Neben der reinen elektrischen Sicherheit müssen u.a. auch die mechanischen Komponenten der Arbeitsmittel bewertet werden. Kann dies ein Prüfer fachlich nicht allein abdecken, so kann die Prüfung auf mehrere Prüfer verteilt werden. Wichtig ist außerdem, dass die Prüfer die Gefährdungen während der Wiederholungsprüfung sicher erkennen und die entsprechenden Schutzmaßnahmen ergreifen. Hierzu ist die Befähigung der Prüfer erforderlich, wie sie in der TRBS 1203 beschrieben ist.

BetrSichV: Auswahlverantwortung liegt beim Unternehmer

Die Auswahlverantwortung für das Prüfpersonal trägt gemäß Betriebsicherheitsverordnung (BetrSichV) der Unternehmer. Als Auswahlkriterien gelten dabei (vgl. TRBS 1203)

  • Berufsausbildung,
  • Berufserfahrung und
  • zeitnahe berufliche Tätigkeit.

Die EuP arbeitet unter Leitung und Aufsicht

Früher durften elektrotechnisch unterwiesene Personen (EuPs) nach der Durchführungsanweisung (DA) zu DGUV Vorschrift 3 (BGV A3) § 5 noch die Prüfungen unter Verwendung von Prüfgeräten mit eindeutiger Aussage eigenverantwortlich durchführen. Die auch damals schon erforderliche Leitung und Aufsichtsführung durch eine Elektrofachkraft wurde schlichtweg unterschlagen.

Heute ist dies gemäß Betriebssicherheitsverordnung nicht mehr zulässig (siehe auch Abschnitt 4 DGUV-I 203-071). Die elektrotechnisch unterwiesene Person darf nur noch „unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft/befähigten Person nach TRBS 1203“ elektrotechnische Prüfaufgaben ausführen.

Die EuP kann bei der Wiederholungsprüfung unterstützen

Die elektrotechnisch unterwiesene Person kann in einem Prüfteam aktiv werden und die befähigte Person unterstützen. Die Auswertung der Prüfergebnisse ist jedoch der befähigten Person vorbehalten. Damit trägt auch die befähigte Person die Verantwortung für die korrekte Prüfung und Auswertung.
Damit wurde der reinen Technikgläubigkeit ein Riegel vorgeschoben und das Fachwissen in den Vordergrund gebracht.

Abb. 1: Prüfen Sie auf Sicherheit und nicht nur nach in der Norm festgelegten Grenzwerten!
Prüfen Sie auf Sicherheit

Die Wiederholungsprüfung auf Sicherheit statt auf reines Einhalten von Werten ist auch letztlich das Einzige, was der Unternehmerpflicht „Schutz von menschlicher Gesundheit und Umwelt“ gerecht werden kann.

Elektrofachkraft: Erfahrung zahlt sich aus

Laut Prüfung liegt ein Messwert noch innerhalb der Toleranzen, hat sich jedoch gegenüber der letzten Messung massiv verschlechtert. Das Prüfgerät und der wenig erfahrene Prüfer würden also ein OK geben... der erfahrende fachlich gut qualifizierte Prüfer erkennt jedoch, dass bald ein Fehler auftreten wird. Er kann rechtzeitig mit Instandhaltung reagieren und so teuere Stillstandzeiten der Betriebsmittel oder noch größere Schäden verhindern.
Insofern zeigt sich „Prüfung mit Hirn“ auch als wirtschaftlich interessante Komponente für den Unternehmer.

Abb. 2: Prüfhistorie eines Plotters. Grenzwert des Schutzleiterstroms gemäß VDE 0701-0702: 3,5 mA

Prüfhistorie eines Plotters.

Im Bild oben zeigt der Wert in 2007 mit 1,5 mA noch die Einhaltung des Grenzwerts an.

ABER: Wie kommt es zum extremen Anstieg des Messwerts binnen eines Jahres? Der Faktor 75 sollte dem Prüfer auffallen und zur genaueren Prüfung des Hintergrunds veranlassen. Wer hier nur nach Messwerteinhaltung schaut, geht der Veränderung vermutlich nicht nach und riskiert so einen baldigen Ausfall des Geräts.

Der Hintergrund für die Erhöhung des Schutzleiterstroms waren Ablagerungen von leitfähigem Tonerstaub auf den elektrischen Bauteilen des Geräts.

Abb 3: Geöffneter Plotter mit Tonerablagerungen

Geöffneter Plotter mit Tonerablagerungen

Abb. 4: Geöffneter Plotter nach der Entfernung der Tonerablagerungen

Geöffneter Plotter nach der Entfernung der Tonerablagerungen

So könnte mit wenig Aufwand ein Ausfall oder ein Brand des Geräts vermieden werden.

Der Unternehmer veranlasst Wiederholungsprüfungen

Der Unternehmer wird im Regelfall nicht selbst die Qualifikation zur Prüfung haben. Seine Pflicht besteht darin, die Prüfungen zu veranlassen und die Qualifikation des eingesetzten Prüfers zu überprüfen.

Folgende Fragen sind zu beantworten:

  • Sind die elektrotechnischen und die darüber hinaus notwendigen Kenntnisse ausreichend, um die durchzuführenden Arbeiten zu beurteilen und die entstehenden Gefahren zu erkennen?
  • Liegt ein Dokument vor, das die relevanten Inhalte der Qualifikation wiedergibt?

Ist eine geeignete befähigte Person festgelegt worden (egal ob intern oder extern), so führt diese im Auftrag des Unternehmers mit der fachlichen Verantwortung die Wiederholungsprüfungen aus.

Verantwortung der befähigten Person

Die befähigte Person ist dafür verantwortlich, dass

  • die Prüfung fachgerecht durchgeführt wird
  • bei der Prüfung jederzeit der Schutz gegen gefährliche Berührungsspannungen gewährleistet ist
  • für die Prüfung das geeignete Messverfahren gewählt wird
  • die Prüfgeräte und deren Zubehör für die Prüfung geeignet sind
  • alle für die Prüfung relevanten elektrotechnischen Bestimmungen eingehalten werden. Erfolgen Abweichungen, so sind diese zu dokumentieren und zu begründen. Aus der Dokumentation muss auch die Gleichwertigkeit der Schutzzielerfüllung erkennbar sein.

Gefährdungsbeurteilung, Prüffristen und Etikettengläubigkeit

Für jedes elektrische Arbeitsmittel ist vor dem ersten Einsatz eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen (ArbSchG § 5, BetrSichV § 3, DGUV Vorschrift 1 § 3). Diese muss die vom Gerät ausgehenden Gefährdungen, das Umfeld und die Wechselwirkungen zwischen beiden betrachten.

Je nach Beanspruchung und Gefährdungen ist dann das Prüfintervall für das elektrische Arbeitsmittel festzulegen. So werden Prüfintervalle für Geräte, die ausschließlich in einer Werkstatt zum Einsatz kommen, ohne besondere äußere Einflüsse und häufig wechselnde Benutzer, länger sein. Kommt das gleiche Arbeitsmittel auf einer Baustelle mit vielen verschiedenen Gewerken, Dreck, herabfallendem Bauschutt, Chemikalieneinsatz, belastender Atmosphäre, etc. zum Einsatz, so verkürzt sich die Prüffrist erheblich. Auch die bisherige Prüfhistorie hat Einfluss auf die Festlegung der Prüffristen.

ACHTUNG! Nur weil ein Gerät neu ist, oder eine CE-Kennzeichnung trägt, darf man sich nicht auf den einwandfreien Zustand verlassen. Transportschäden – auch nicht sofort sichtbare – können immer zur Beeinträchtigung der Funktionssicherheit führen.

Also müssen auch diese elektrischen Arbeitsmittel einer Erstprüfung unterzogen werden. Die dabei erforderliche Prüftiefe hat wiederum der Unternehmer anhand einer Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln. Erst mit erfolgreicher Erstprüfung und Aufbringung der entsprechenden Prüfplakette darf das elektrische Arbeitsmittel dem Anwender zur Verfügung gestellt werden.

Feststellung der Prüffrist

Hierzu können folgende Dokumente, Erfahrungen und Rahmenbedingungen zu Rate gezogen werden:

  • Herstellerhinweise
  • Betriebliche Erfahrungen inkl. Prüfhistorien
  • Benutzungsdauer und –häufigkeit
  • mechanische, chemische und thermische Beanspruchungen
  • Witterungs- und Umwelteinflüsse
  • Verschleiß und Schädigung des Arbeitsmittels
  • Ausfallverhalten des Arbeitsmittels
  • Unfallgeschehen vergleichbarer Arbeitsmittel
  • Qualifikation und Erfahrung der Benutzer
  • weitere Einflüsse

Haben Sie die Prüfung durchgeführt, so ist diese mit ihren Ergebnissen zu dokumentieren.

Dokumentation der Prüfergebnisse

„Wer schreibt der bleibt“, sagt der Volksmund. Dieses alte Sprichwort gilt auch vor Gericht, wenn im Falle eines Unfalls die Funktionstüchtigkeit und der einwandfreie Zustand des Arbeitsmittels vor dem Unfall nachzuweisen sind.

So sollten folgende Elemente in Ihrer Dokumentation nicht fehlen:

  • Gerätekartei mit der Liste der Geräte, inkl. Hersteller, Typ, Inventarnummer etc.
  • Prüfprotokolle, die den Nachweis der regelmäßigen Prüfungen inklusive Messwerte und Messverfahren der elektrischen Arbeitsmittel und deren Ergebnisse und den daraus folgenden Maßnahmen (OK, Reparatur, Entsorgung, ...) darstellen
  • nächster Prüftermin, der aus der Gefährdungsbeurteilung und den aktuellen Prüfergebnissen ermittelt wurde.

Am einfachsten führen Sie die Gerätekartei mit den Prüfinformationen in elektronischer Form. Auf dem Arbeitsmittel muss zzgl. immer eine Prüfplakette existent sein.

Abb. 5: Beispiel einer Prüfplakette

Beispiel einer Prüfplakette

Autor: Stefan Euler, Team MEBEDO

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Kommentare

Kommentar von Thorsten Wünnenberg |

Darf eine Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten (EFKffT)
Prüfungen an Ortsveränderlichen Geräten durchführen ?

Kommentar von Heck |

in welchem Intervall muss eine Schulung der Elektrofachkraft wiederholt werden?

Kommentar von Manfred Hößle |

Darf ein Auszubildender, nach entsprechender Unterweisung, diese Prüfung durchführen?

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