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Überprüfung von Anschlussschrauben und -klemmen

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Lose Anschlussschrauben an Stromschienen-Verbindungen - Bild
Lose Anschlussschrauben an Stromschienen-Verbindungen

Unsachgemäß ausgeführte Schraub- bzw. Klemmverbindungen gehören zu den typischen Schwachstellen in Niederspannungsanlagen. Hier erfahren Sie, was beim Errichten von Schaltanlagen zu beachten ist, wenn Schäden in den elektrischen Anlagen vermieden werden sollen.

Anschlussschrauben und -klemmen "richtig" anziehen

Keinesfalls sollten die Anschlussschrauben und Anschlussklemmen an Stromschienen, Schaltgeräten und sonstigen Betriebsmitteln weder bei der Herstellung noch nach dem Transport und nach dem Errichten (Aufstellen u. Anschließen) „bis zum Anschlag“ mit dem Schraubendreher oder Schraubenschlüssel angezogen werden.

Lose bzw. unsachgemäß (zu fest!) ausgeführte Schraub-, Klemm- und Quetschverbindungen gehören zu den typischen Schwachstellen in Niederspannungs-Schaltanlagen.

Beispiel aus der Praxis

Nach dem Transport und dem Errichten wurden sämtliche Anschlussschrauben und Anschlussklemmen der Schaltgerätekombination auf der Baustelle durch den Installateur „bis zum Anschlag“ nachgezogen; eine durch Federelement vorhandene Federwirkung wurde damit wirkungslos. Während des Betriebs erwärmten sich die Kupferschienen, nach abendlicher Abschaltung kühlten sie sich entsprechend ab; bei den Kupferschienen trat ein Materialfluss ein, die Federwirkung war nicht ausreichend und somit war an dieser Stelle ein ordentlicher Kontaktübergang nicht mehr gewährleistet; ein Ausglühen war die Folge.

Der Schlüssel ist das Drehmoment

Sämtliche Anschlussschrauben und Anschlussklemmen mit einem Drehmomentschlüssel unter Berücksichtigung der empfohlenen Anschlussdrehmomente für Anschlussschrauben und Anschlussklemmen an Stromschienen und Schaltgeräten nach DIN 43673 Teil 1 befestigen.
Damit wird die Aufrechterhaltung einer genügenden Vorspannkraft gewährleistet und ein Selbstlockern der Schraubverbindungen verhindert.

Damit kann sich eine Überprüfung nach dem Transport und nach dem Errichten in Bezug auf die Lockerung von Schrauben auf eine optische und gegebenenfalls auf eine Stichprobenkontrolle beschränken, das gilt ebenso für die Gründlichkeit anlässlich der Wartung.

Was muss also beachtet werden und wo kann man das nachlesen?

  1. Zunächst einmal muss herausgestellt werden, dass einzelne DIN-Normen – so auch die vorgenannte - entsprechende „Empfehlungen“ und keine Bestimmungen oder Vorschriften bzw. Gesetze darstellen.
  2. In diversen Veröffentlichungen des TÜV sowie in Berichten von Sachverständigen wird immer wieder auf die „Typischen Schwachstellen in Niederspannungsschaltanlagen“ hingewiesen, hier speziell auf lose Schraubverbindungen, welche durch ein unsachgemäß ausgeführtes Drehmoment (zu fest angezogen und nicht etwa durch zu wenig oder durch vergessenes Anziehen) verursacht werden. Das führt eben zu den geschilderten Überhitzungen etc.
  3. Die angeführte DIN 43673, Teil 1 gibt hier Anhaltswerte als Empfehlungen, speziell als empfohlene Anschlussdrehmomente für Anschlussschrauben und Anschlussklemmen an Stromschienen und Schaltgeräten (andere Industriebereiche, wie Automobil etc. kennen ähnliche Empfehlungsdaten).
  4. Anders verhält es sich bei typgeprüften Schaltgeräten und Schaltgerätekombinationen; hier wird das für dieses Schaltgerät bzw. SK erforderliche Drehmoment für die Anschlüsse vom Hersteller des Betriebsmittels festgelegt und gesamthaft typgeprüft. Diese Konfiguration muss anschließend vom Anwender/Verwender eingehalten werden, d.h. sowohl die Bauteile zur Schraubverbindung als auch das notwendige Drehmoment müssen eingehalten und gegebenenfalls nachgewiesen werden! Natürlich können die hier festgelegten (nicht empfohlenen!) Drehmomente wesentlich höher angesetzt sein, je nach festgelegter und typgeprüfter (!) Verbindungstechnik, z. B. bei „wartungsfreier Anschlusstechnik“ mit teflonbeschichteter Schraube oder Mutter etc..
    Maßgebend sind die durch den Hersteller des Betriebsmittels (oder der Kombination) typgeprüften Verschraubungen mit den dabei anzuwendenden Schraubensicherungen und Anziehdrehmomenten; siehe hierzu den Wortlaut der „Erläuterungen zu EN 60439-1 (VDE 0660-500) Bd. 28 / 4. Auflage 2005 VDE“, Seite 179 ff.
  5. Ergänzend möchte ich zusätzlich hinweisen auf die VDE-Schriftenreihe zur „Schadenverhütung in elektrischen Anlagen: Rechtliche Regelungen, Brandgefahren, Schadenursachen, Schutzmaßnahmen, Anforderungen an die Errichtung und Erhaltung des ordnungsgemäßen Zustands". Band 85 / 2. Auflage 2002 VDE“, Seite174 – 193: Elektrische Anschlüsse und Verbindungen.

Fazit

Ergebnis und Empfehlung zu Anschlussdrehmomenten an Stromschienen und Schaltgeräten

  • Bei typgeprüften Schaltgeräten und Schaltgerätekombinationen unbedingt die Angaben des Herstellers beachten; diese sind den zugehörenden Bauanweisungen oder auch teilweise den Angaben auf den Betriebsmitteln zu entnehmen.
  • Niemals die elektrischen Verbindungen „von Hand“ anziehen, sondern gewissenhaft mit einem zu definierenden Drehmoment.
  • Bei nicht definierten Drehmomenten sind die „Empfehlungen“ nach DIN 43673, Teil 1 zu beachten!

Autor: Dipl.-Ing. Hans J. Rübsam, beratender Ingenieur

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