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Prüfgrundlagen für baurechtliche Prüfungen

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Für die Prüfung technischer Anlagen werden in den Prüfverordnungen Grundsätze aufgestellt, die die Elektrofachkraft zu beachten hat. Dazu gehören u.a. das Feststellen von Wirksamkeit und Betriebssicherheit, die Berücksichtigung des Zeitpunkts der Errichtung der Anlage und die abschließende Dokumentation.

Im letzten Beitrag Prüfanlass für baurechtliche Prüfungen wurden u.a. der Anwendungsbereich und die Prüffristen von technischen Anlagen gemäß Prüfverordnung NRW sowie die Pflichten von Betreibern und Prüfsachverständigen vorgestellt. In diesem Artikel liegt der Schwerpunkt nun auf die allgemeinen Prüfgrundlagen für baurechtliche elektrotechnische Prüfungen.

Grundsätze für die Prüfung technischer Anlagen

entsprechend der Prüfverordnung durch Prüfsachverständige - Prüfgrundsätze NRW - Anhang zur Prüfverordnung

Zur Sicherstellung eines einheitlichen Qualitätsstandards für alle in Nordrhein-Westfalen tätigen Prüfsachverständigen wurde zusätzlich zur Prüfverordnung NRW ein Anhang erstellt. Dieser Anhang beinhaltet die Prüfgrundsätze zur Prüfverordnung NRW. Dabei handelt es sich um allgemeingültige Vorgaben, die bei den Prüfungen durch den Betreiber bzw. den Sachverständigen zu beachten sind. Diese Prüfgrundsätze gelten für alle Prüfungen von technischen Anlagen, die im Sinne der Prüfverordnung NRW durchgeführt werden. Um die Verbindlichkeit sicherzustellen müssen Prüfsachverständige deren Einhaltung im Prüfbericht schriftlich bestätigen.

Wirksamkeit und Betriebssicherheit im Sinne der Prüfgrundsätze

In den Prüfgrundsätzen NRW werden zunächst allgemeine Aussagen zur Prüfung getroffen. So hat der Prüfsachverständige als Ziel einer jeden Prüfung festzustellen, ob eine technische Anlage “wirksam” und “betriebssicher” ist.

  • Unter dem Begriff “wirksam” wird dabei im Allgemeinen die Funktion einer technischen Anlage verstanden. Ein Beispiel hierfür kann die Funktion einer Steckdose in einer elektrischen Anlage sein (Spannung seht an der Steckdose für den Verbraucher zur Verfügung).
  • Die Begrifflichkeit “betriebssicher” soll hingegen den anwendungssicheren Betrieb auch im Fehlerfall ausdrücken. So darf von der Steckdose bei bestimmungsgemäßem Gebrauch keine Gefahr für den Anwender ausgehen. Als Beispiel hierfür könnte das Ansprechen der Schutzmaßnahme einer Steckdose genannt werden (z.B. LS-Schalter oder RCD lösen im Fehlerfall aus, Spannung wird im Fehlerfall sicher abgeschaltet).

Zeitpunkt der Errichtung ist zu berücksichtigen

Der Sachverständige ist für die Art und den Umfang sowie die Durchführung der Prüfungen selbst verantwortlich. Er hat bei den Prüfungen gemäß der Prüfverordnung NRW die einschlägigen Vorschriften, Bestimmungen sowie die allgemein anerkannten Regeln der Technik (a.a.R.d.T.) zu berücksichtigen.

Diese Vorschriften, Bestimmungen und allgemein anerkannten Regeln der Technik beziehen sich immer auf den Zeitpunkt der Errichtung der technischen Anlagen. D.h. auch, dass z.B. bei einer Wiederholungsprüfung in einem größeren Gebäudekomplex mit verschiedenen Bauabschnitten und verschiedenen Errichtungsjahren, u.U. technische Bestimmungen aus verschiedenen Jahren zu berücksichtigen sind. So kann die technische Ausführung einer elektrischen Anlage in dem einen Gebäudeabschnitt betriebssicher und wirksam sein. Wohingegen die gleiche technische Ausführung einer elektrischen Anlage in einem anderen Gebäudeabschnitt diese Bedingungen aufgrund des Errichtungszeitpunkts nicht erfüllen.

Beispiel: Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen

Als ein einfaches Beispiel kann an dieser Stelle die Forderung der DIN VDE 0100-410:2007-06 nach RCDs (Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen) für Steckdosenstromkreise, die durch Laien genutzt werden, genannt werden. Fällt das Errichtungsjahr z.B. in das Jahr 2006 sind diese nicht grundsätzlich Pflicht. Liegt die Errichtung jedoch im Jahr 2010, so sieht es hier schon anders aus. Der Elektrofachkraft ist es also angeraten, sich ständig über die aktuelle Normenlage zu informieren. Insbesondere an die elektrotechnischen Berufsgruppen werden hier erhöhte Anforderungen an eine ständige Weiterbildung gestellt.

Stichprobenprüfungen sind möglich

Laut den Prüfgrundsätzen sind zunächst einmal alle Anlagenteile zu prüfen, es sei denn eine Stichprobenprüfung ist ausdrücklich gestattet. Dazu sind im Anhang einzelne Prüftätigkeiten mit einem “(S)” für Stichprobenprüfung bei Erstabnahme oder mit “(SW)” für Stichprobenprüfung bei wiederkehrender Prüfung gekennzeichnet.

Insbesondere bei den Prüfungen von elektrischen Anlagen führt dieser Punkt immer wieder zu Unsicherheiten bei der Elektrofachkraft, dem Bauherrn oder Betreiber. Da alle Anlagenteile der elektrischen Anlage zu prüfen sind, gilt dieses selbstverständlich auch für die elektrischen Anlagen der Klima-, Sanitär-Heizungs-, Lüftungs- oder Gebäudeleittechnik. Der Elektrosachverständige prüft zwar nicht die Lüftungstechnik, sehr wohl aber die elektrische Anlage der selbigen.

Jede Prüfung schließt mit einem Prüfbericht ab

Weiterhin legen die Prüfgrundsätze fest, dass für jede Prüfung ein Prüfbericht zu erstellen ist. Die Zusammenfassung von mehreren Prüfungen in einem einzigen Bericht (z.B. elektrische Anlage und Sicherheitsbeleuchtung) ist somit nicht mehr zulässig. Ebenso ist nach Abschluss der Prüfung im Prüfbericht durch den Sachverständigen eine Bewertung in Bezug auf die Wirksamkeit und Betriebsicherheit sowie den Weiterbetrieb der technischen Anlage vorzunehmen.

Teile A-I der Prüfgrundsätze

Insgesamt gibt es 9 Teile (A - I), in denen die einzelnen Prüfungen von technischen Anlagen beschrieben werden. Bei den Teilen A bis E handelt es sich um nicht elektrotechnische Gewerke der Gebäudetechnik, die durch Sachverständige für Lüftung- bzw. Gebäudetechnik zu prüfen sind. Für die Elektrofachkraft sind im Rahmen dieses Beitrags nur die elektrotechnischen Prüfungen interessant. Deshalb geht dieser Beitrag auch nur auf die Teile F bis I ein. Diese sind im Einzelnen:

  • F (Sicherheitsstromversorgung bzw. Sicherheitsbeleuchtung)
  • G (Alarmierungsanlagen)
  • H (Brandmeldeanlagen)
  • I (elektrische Anlagen)

Jeder Abschnitt F bis I befasst sich somit mit einem eigenständigen elektrotechnischen Gewerk (technische Anlage) für das durch den Sachverständigen ein eigenständiger Prüfbericht zu erstellen ist. Für jede technische Anlage werden in den Abschnitten F bis I die folgenden Rubriken im Detail erläutert:

  • Prüfgrundlagen, die berücksichtigt werden müssen (z.B. Verordnungen, Richtlinien, allgemein anerkannte Regeln der Technik wie DIN und VDE-Vorschriften)
  • Bereitzustellende Unterlagen (Unterlagen, die der Betreiber oder Errichter der Anlage für den Sachverständigen zur Verfügung stellen soll, damit sich dieser ein umfassendes Bild der Anlage machen kann)
  • Detaillierte Beschreibung der durch den Sachverständigen durchzuführenden Prüfungen bzw. des Prüfumfangs (teilweise auch mittels Stichproben)
  • Aufbau bzw. Inhalt des durch den Sachverständigen zu erstellenden Prüfberichts

Ausblick

In diesem Fachartikel wurde auf die allgemeinen Anforderungen an die Prüfungen von technischen Anlagen durch Prüfsachverständige eingegangen. In einem weiteren folgenden Fachartikel werden der Prüfumfang und die -tätigkeiten von Prüfsachverständigen in elektrotechnischen Anlagen näher erläutert. Für die Elektrofachkraft können sich dabei Einblicke ergeben, die auf zukünftige Prüfungen oder Abnahmen durch Sachverständige vorbereiten bzw. dabei helfen können.

Quellenangaben:

BRD (2014a): Bezirkregierung Düsseldorf - Grundsätze für die Prüfung technischer Anlagen entsprechend der Prüfverordnung durch Prüfsachverständige - Prüfgrundsätze NRW - (Anhang zur PrüfVO NRW),
Stand: 24.11.2009, URL http://www.brd.nrw.de/planen_bauen/pdf/Pruefgrundsaetze.pdf, (23.08.2014).

Autor: Dipl.-Ing. (FH) Christoph Schneppe, B.A.

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