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Fragen- und Antwortenkatalog zur VDE 0701-0702

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Wie gut kennen Sie die VDE 0701-0702?

Beitrag ist aus dem Jahr 2008, aktualisiert am 03.06.2016
Die Prüfung nach Instandsetzung und Änderung elektrischer Geräte gehört zur regelmäßigen Aufgabe einer Elektrofachkraft. Diese Aufgabe erfolgt nach den Anforderungen der VDE 0701-0702 „Prüfung nach Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte – Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte“. Wie gut kennen Sie sich mit der Norm aus?

Mit unserem Fragenkatalog zur Norm VDE 0701-0702 können Sie überprüfen, ob Sie die Bestimmungen umsetzen oder wo Sie noch Lücken haben.

Fragen zur VDE 0701-0702

  1. Besteht in Ihrem Unternehmen eine funktionierende Prüforganisation?
  2. Sind die von Ihnen beauftragten Prüfer „Befähigte Personen“ nach TRBS 1203?
  3. Prüft für Sie ein externer Dienstleister, besitzt der vor Ort Prüfende einen Befähigungsnachweis?
  4. Ist Ihnen bekannt, dass Sie für Ihren Verrichtungsgehilfen verantwortlich sind?
  5. Überblicken Sie die Kriterien für die Festlegung der erforderlichen Prüfgänge der Prüflinge?
  6. Werden Art, Umfang, Frist und die notwendige Befähigung des Prüfers anhand einer Gefährdungsbeurteilung ermittelt?
  7. Verfügen Sie über das Wissen einer „normkonformen“ Prüfung von Geräten mit einem Nennstrom > 16A?
  8. Haben Sie Kenntnis wie bei diesen Geräten der Grenzwert des Schutzleiterwiderstands bestimmt wird?
  9. Bewältigen Sie die Prüfung auf Einhaltung der Grenzwerte einer im Gerät erzeugten und nach außen geführten Schutzkleinspannung?
  10. Kennen Sie die maximalen Grenzwerte bei Geräten mit Heizelementen und einer Leistung > 3,5 kW?
  11. Beherrschen Sie die Problematik des Ersatzableitstrommessverfahrens?
  12. Protokollieren Sie Ihre Prüfungen gemäß dem Stand der Technik?
  13. Gibt es bei Ihnen eine klare Regelung für Geräte, die die Prüfung nicht bestanden haben?
  14. Sind Sie in der Lage Schweißgeräte nach Norm zu prüfen?
  15. Vermögen Sie mit Ihren Messmitteln, Arbeitsmittel zu prüfen, in denen ein RCD (Fehlerstrom-Schutzeinrichtung) integriert ist (Auslösezeit tA ≤ 300 ms und Auslösestrom IA ≤ IΔN)?

Antworten zur VDE 0701-0702

1. Verantwortung für die Organisation der Prüfungen im Unternehmen
Jeder Arbeitgeber hat nach der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) für die Sicherheit der in seinem Unternehmen anwesenden Personen (Mitarbeiter, Besucher, Fremdhandwerker usw.) zu sorgen. Dies bedeutet, dass

  • für diese Personen (Beschäftigten) nur Arbeitsmittel bereitgestellt werden, bei deren bestimmungsgemäßer Verwendung Sicherheit und Gesundheitsschutz gewährleistet sind und
  • diese nur verwendet werden, wenn sie für die vorgesehene Verwendung geeignet sind.

Verantwortlich dafür, dass diese Verpflichtung erkannt wird, und dass alle zu ihrer Umsetzung erforderlichen Maßnahmen festgestellt und umgesetzt werden, ist der Unternehmer bzw. die diesem entsprechende, als Verantwortlicher oder Führungskraft eingesetzte Person.
Alle Maßnahmen, die notwendig sind, um die Ziele zu erreichen, hat der Unternehmer zu organisieren und durchzusetzen. Daraus ergibt sich auch die Pflicht zum Prüfen der Arbeitsmittel einschließlich der elektrischen Geräte, in dem zur Gewährleistung von Sicherheit und Gesundheitsschutz erforderlichen Art, Umfang und Frist.

2. Prüfen darf nach Betriebssicherheitsverordnung eine befähigte Person. Die konkretisierende Aussage zur befähigten Person finden Sie in der TRBS 1203.

3. Hier sehen sich viele Auftraggeber komplett aus der Verantwortung sobald eine externe Dienstleistung (hier das Prüfen ortsveränderlicher Geräte) eingekauft wird. Die Gesetzeslage sagt da jedoch etwas ganz anderes: siehe BGB §§ 278 und 831.

4. Die passende Antwort finden Sie im BGB §§ 278 und 831.

5. Ausgangspunkt der Prüfgänge sind nicht nur die Schutzklassen der Prüflinge. Bei der Festlegung der durchzuführenden Prüfgänge liegt ein besonderes Augenmerk auf der zur Anwendung gelangten Schutzmaßnahme am Prüfling!

6. Die Betriebssicherheitsverordnung trifft im § 3 Abs. 6 folgende Aussage:
"Der Arbeitgeber hat Art und Umfang erforderlicher Prüfungen von Arbeitsmitteln sowie die Fristen von wiederkehrenden Prüfungen nach den §§ 14 und 16 zu ermitteln und festzulegen,... Ferner hat der Arbeitgeber zu ermitteln und festzulegen, welche Voraussetzungen die zur Prüfung befähigten Personen erfüllen müssen, die von ihm mit den Prüfungen von Arbeitsmitteln nach den §§ 14, 15 und 16 zu beauftragen sind."

7. Für Leitungen mit einem Bemessungsstrom > 16 A gilt als Grenzwert der errechnete Widerstandswert!

8. Bei der Bewertung des Messwerts sind auch der entsprechend Länge und Querschnitt des Schutzleiters zu erwartende Widerstandswert, sowie die Übergangswiderstände an den Steckkontakten zu beachten.

9. Bei Geräten, die durch einen Sicherheitstransformator oder ein Schaltnetzteil eine SELV oder PELV Spannung erzeugen, ist deren Wirksamkeit bzw. Schutzwirkung nachzuweisen

10. Geräte mit eingeschalteten Heizelementen und einer Gesamtleistung über 3,5 kW zählt als Grenzwert 1 mA/kW bis zu einem Höchstwert von 10 mA.

11. Anwendung des Ersatz- Ableitstrommessverfahren
Diese Messmethode ist nicht geeignet, um bei den in steigender Anzahl vorhandenen Geräten mit netzspannungsabhängigen Schaltelementen ein ordnungsgemäßes Prüfergebnis zu erbringen.
Da sie trotzdem unwissentlich oder versehentlich oder aus Gewohnheit vielfach angewandt wurde, kam es in der Praxis oftmals zu einer falschen Bewertung des Messergebnisses (Schutzleiterstrom/Berührungsstrom).
Dieses Ersatz-Ableitstrommessverfahren darf jedoch unter der Verantwortung einer Elektrofachkraft weiterhin angewandt werden, wenn ihre Prüfergebnisse die gleiche Aussagekraft haben wie die der anderen beiden Verfahren.

12. Hiermit sind Prüfprotokolle mit der Aufzeichnung von Messwerten gemeint
Stand der Technik sind heute Messgeräte mit Messwertspeicher und einer passenden Software. Dadurch werden die Effizienz und die erforderliche Transparenz beim Prüfen von Arbeitsmitteln erhöht.

13. Wird die Prüfung nicht bestanden, ist das Gerät deutlich als unsicher zu kennzeichnen, einer weiteren Benutzung zu entziehen und der Betreiber ist zu informieren.

14. Die Norm VDE 0544-4 muss hier zur Anwendung gelangen

15. Nachweis der Wirksamkeit weiterer Schutzeinrichtungen z.B. RCD
Eine Fehlerstromschutzeinrichtung mit einem Bemessungsdifferenzstrom von max. 30 mA hat z.B. die Schutzmaßnahme „Zusatzschutz" zu realisieren; demzufolge muss messtechnisch nachgewiesen werden, dass die Auslösung bei einem Differenzstrom von 30 mA spätestens nach 0,3 s erfolgt.

Autor: Stefan Euler, BDSH geprüfter Sachverständiger für das Prüfen elektrischer Arbeitsmittel

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