Elektrische Betriebsmittel richtig prüfen, sicher arbeiten

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Beachten Sie die gesetzlichen Grundlagen für elektrotechnische Prüfungen
Beachten Sie die gesetzlichen Grundlagen für elektrotechnische Prüfungen. (Bildquelle: spates/iStock/Thinkstock)

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Prüfungen an elektrischen Geräten, Anlagen und Maschinen zählen zu den wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen in jedem Unternehmen. Denn nichts weniger als die Gesundheit der eigenen Belegschaft steht auf dem Spiel, wenn ein defektes Gerät – sei es Bohrmaschine, Drucker, Wasserkocher oder Förderbandanlage – weiterhin zum Einsatz kommt. Zudem wird im Schadensfall der Unternehmer sowohl ethisch als auch finanziell in die Pflicht genommen. Denn er ist oberster Verantwortlicher für die Sicherheit der Mitarbeiter.

Aber wer ist für die Prüfung der elektrischen Arbeits- und Betriebsmittel im Unternehmen konkret zuständig? Wie prüft man elektrische Anlagen und Maschinen richtig? Welche Arbeitsabläufe müssen eingehalten werden und wie kennzeichnet und dokumentiert man eine erfolgreich durchgeführte Prüfung? In diesem Artikel haben wir Ihnen die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die elektrische Betriebsmittelprüfung zusammengetragen.

Der Prüfgegenstand: Was wird geprüft?

Jedes Gerät, das einen Stecker, einen Akku, ein Kabel oder einen eigenen Stromkreis hat, muss im Unternehmen einer elektrotechnischen Prüfung unterzogen werden. Dies gilt nicht nur für betriebsinterne Anlagen und Maschinen sondern auch für privat betriebene Geräte der Mitarbeiter, sofern diese im Unternehmen eingesetzt werden. Wer als Arbeitgeber nicht für den Gebrauch privater Elektrogeräte der Belegschaft haften will, sollte daher ein Verbot der Verwendung aussprechen sowie dieses schriftlich festhalten.

In welcher Form elektrische Arbeitsmittel gewartet und geprüft werden müssen, hängt laut Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und DGUV Vorschrift 3 ("Elektrische Anlagen und Betriebsmittel") vom Prüfgegenstand selbst ab. Hierbei unterscheidet man zwischen ortsfesten und ortsveränderlichen Betriebsmitteln.

Der Prüfer: Wer ist für die elektrische Prüfung zuständig?

Laut Gesetzgebung und der Norm DIN VDE 0701-0702 ("Prüfung nach Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte – Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte") muss die Prüfung der elektrischen Arbeits- und Betriebsmittel durch eine Elektrofachkraft durchgeführt werden. Unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft kann die Prüfung auch von einer elektrotechnisch unterwiesenen Person ausgeführrt werden. Nur so ist die Sicherheit jederzeit für alle Beteiligten gewährleistet.

Elektrofachkräfte besitzen eine abgeschlossene Ausbildung und sollten mindestens ein Jahr einschlägige Berufserfahrung im elektrotechnischen Bereich mitbringen. Erfahrungswerte sind für die elektrische Prüfung sehr wichtig, um eventuelle Gefahren und Risiken richtig einschätzen und vermeiden zu können.

Elektrotechnisch unterwiesene Personen erhalten vor der Prüfung eine umfangreiche Unterweisung zum Umgang mit dem elektrischen Betriebsmittel. Die Unterweisung erfolgt theoretisch und praktisch durch eine Elektrofachkraft und sollte schriftlich dokumentiert werden. Besonderes Augenmerk ist hierbei auf die möglichen Gefahren und die richtige Verwendung der Prüfutensilien zu legen. Nur so kann gewährleistet werden, dass die elektrotechnisch unterwiesene Person keine Risiken bei der Durchführung von Wiederholungsprüfungen eingeht oder falsch gewartete Prüfgegenstände zur Gefahr im Unternehmen werden.

Der Zeitraum: In welchen Intervallen finden elektrische Prüfungen statt?

Grundsätzlich ist jedes elektrische Gerät, ob ortsfest oder orstveränderlich, bei Erstinbetriebnahme zu prüfen. Die anschließende Wiederholungsprüfung muss laut Gesetzgeber in regelmäßigen Abständen erfolgen und richtet sich nach Art des Prüfgegenstands. Dies bedeutet: Je nachdem, ob Sie eine Kaffeemaschine, einen Drucker, ein Telefon oder eine feststehende Förderbandanlage vor sich haben, kann nach der Betriebssicherheitsverordnung eine andere Frist bis zur nächsten Wiederholungsprüfung vorgeschrieben sein.

Die Elektrofachkraft legt die Prüffristen fest.
Die Elektrofachkraft legt die Prüffristen fest. (Bildquelle: BrianAJackson/iStock/Thinkstock)

Der fachkundige Prüfer handelt entsprechend dieser gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie nach eigenen Erfahrungswerten. Er berücksichtigt zudem die Bedienungsanleitung des Herstellers sowie die betriebsinterne Gefahrenbeurteilung. Anhand all dieser Aspekte legen Unternehmer sowie Prüfer den Termin der nächsten Prüfung fest.

Wir empfehlen: Um die Sicherheit der eigenen Mitarbeiter optimal zu gewährleisten, lassen Sie elektrische Geräte, Maschinen und Anlagen lieber in kürzeren Intervallen testen als bis zum letzten Tag nach gesetzlicher Vorgabe zu warten. Je häufiger ein elektrisches Betriebsmittel unter anspruchsvollen Bedingungen zum Einsatz kommt, desto wahrscheinlicher treten Mängel und Verschleißerscheinungen auf. Dies gilt im speziellen für Geräte, die in feuchten Umgebungen, im Außeneinsatz oder unter anderen besonders anspruchsvollen Bedingungen verwendet werden.

Der Ablauf: Was passiert bei der elektrischen Prüfung?

Ganz gleich, ob es sich um die Wiederholungsprüfung von Wasserkocher, Druckmaschine, PC oder Ventilator handelt, eine elektrische Betriebsmittelprüfung wird im Groben immer nach dem gleichen Schema durchgeführt. Es erfolgen:

  • Sichtprüfung
  • messtechnische Prüfung
  • Auswertung der Messergebnisse
  • Funktionsprüfung
  • Dokumentation der Prüfergebnisse

Während der Sichtprüfung untersucht die Elektrofachkraft oder die elektrotechnisch unterwiesene Person den Prüfgegenstand auf äußere Mängel:

  • Ist das Gehäuse beschädigt, sodass Flüssigkeiten ins Innere eintreten können?
  • Weisen die Anschlüsse oder das Kabel Gebrauchsspuren, Verschmutzungen oder Schäden auf?
  • Gibt es Bruchstellen oder Kratzer am Prüfgegenstand?

Die genaue Sichtprüfung ist ein wichtiger Faktor bei der Wartung Ihrer Betriebsmittel. Denn sie beeinflusst das weitere Vorgehen beim Testen des Geräts maßgeblich: Wer bei der Sichtprüfung einen Mangel übersieht, läuft Gefahr, sich im weiteren Vorgehen ernsthafte Verletzungen zuzuziehen. Die Messung des Stromflusses erfolgt im Anschluss und wird dann durch den Prüfer ausgewertet. Ein Funktionstest bei dem das Gerät oder die Maschine einige Zeit in Betrieb genommen und genauestens beobachtet wird, bildet das Schlusslicht beim Prüfvorgang.

Nur ein Prüfgegenstand, der keinerlei Mängel aufweist, die die sichere Verwendung gefährden, gilt als erfolgreich geprüft. Zudem müssen sämtliche Messwerte im gesetzlich vorgegebenen Toleranzbereich liegen, um auch zukünftig keine Gefahr für Mitarbeiter des Unternehmens darzustellen. Die Prüfergebnisse müssen abschließend von der Elektrofachkraft dokumentiert werden. Hierbei hat die Elektrofachkraft verschiedene Möglichkeiten, wie im Absatz „Die Dokumentation: Wie weisen Sie die elektrische Prüfung korrekt nach?“ ausführlich erklärt wird.

Grundsätzlich sind alle relevanten Werte in einem Prüfbericht niederzuschreiben, der Prüfling wird mit einer Prüfplakette versehen. Die Prüfplakette auf dem Prüfgegenstand zeigt jederzeit sichtbar an, wann die nächste Prüfung erfolgen muss.

Schutzklassen elektrischer Betriebsmittel

Zwar ist der allgemeine Aufbau einer elektrotechnischen Prüfung nach DIN VDE 0701-0702 immer gleich, doch je nach Prüfgegenstand und der Einteilung in seine entsprechende Schutzklasse, gibt es kleine aber feine Unterschiede, die Sie beachten müssen. Schutzklassen geben an, wie ein elektrisches Gerät gegen Spannungen schutzisoliert ist. Welche Schutzklasse Sie vor sich haben, erkennen Sie am Netzstecker des Prüfgegenstands sowie am entsprechenden Schutzklassen-Symbol, das sich meist auf dem Gehäuse befindet.

Schutzklasse 1

Betriebsmittel der Schutzklasse 1 sind im Bereich der Großgeräte (Spül- und Waschmaschinen, größere elektrische Anlagen etc.) zu finden. Sie besitzen drei Kontakte am Netzstecker-Anschluss. Während die ersten beiden Kontakte für die Stromzufuhr zuständig sind, dient der dritte Kontakt als so genannter Schutzleiter. Dieser sorgt dafür, dass bei einem defekten Gerät die elektrische Spannung nicht auf berührbare Teile, wie das Gehäuse oder Ähnliches, übergehen kann. Der Schutzleiter ruft hierbei einen Kurzschluss hervor und verhindert somit das Risiko eines elektrischen Stromschlags.

Der Aufbau der Betriebsmittelprüfung gestaltet sich bei Anlagen, Maschinen und Geräten der Schutzklasse 1 wie folgt:

  • Sichtprüfung
  • Überprüfung des Schutzleiters
  • Messung des Isolationswiderstands
  • Messung des Schutzleiterstroms
  • Messung des Berührungsstroms
  • Nachweis der sicheren Trennung
  • Funktionsprüfung
  • Beurteilung und Dokumentation

Schutzklasse 2

Betriebsmittel der Schutzklasse 2 können zum Beispiel Bohrmaschinen, Akkuschrauber und andere elektrisch betriebene Werkzeuge sein. Diese Geräte besitzen nur zwei Kontakte am Netzstecker-Anschluss und sollten daher immer eine doppelte oder verstärkte Schutzisolation gegen Spannungen aufweisen. Dies ist für den Prüfer ein wichtiger Punkt bei der Sichtprüfung und Auswertung der Messergebnisse.

Im Einzelnen erfolgen:

  • Sichtprüfung
  • Messung des Isolationswiderstands
  • Messung des Berührungsstroms
  • Nachweis der sicheren Trennung
  • Funktionsprüfung
  • Beurteilung und Dokumentation

Schutzklasse 3

Zu den Geräten der Schutzklasse 3 zählen vor allem Kleingeräte, die über einen Adapter an das Stromnetz angeschlossen werden und eine so genannte Sicherheitskleinspannung (SELV) oder Schutzkleinspannung (PELV) besitzen. Die Wechselspannung darf hierbei maximal 50 Volt und die Gleichspannung höchstens 120 Volt betragen. Eine verstärkte oder doppelte Isolierung ist für den Prüfer auch bei diesen Betriebsmitteln zu beachten. Zudem ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass Betriebsmittel der Schutzklasse 3 über einen Sicherheitstransformator verfügen, welcher die Stromspannung, wenn nötig, erhöht oder vermindert.

Der Prüfungsablauf besagt:

  • Sichtprüfung
  • Messung des Isolationswiderstands
  • Nachweis der sicheren Trennung
  • Funktionsprüfung
  • Beurteilung und Dokumentation

Die Dokumentation: Wie weisen Sie die elektrische Prüfung korrekt nach?

Die Dokumentation der elektrischen Betriebsmittelprüfung kann auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen, denn die Regelungen der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und DGUV geben hierfür keine konkreten Regeln vor. Nutzen Sie zum Beispiel ein Prüfungsbuch oder einen Ordner, in welchem Sie ausgefüllte Prüfprotokolle sauber abheften. Im Zeitalter der Digitalisierung ist zudem auch die EDV-basierte Erfassung eine gängige Methode der Dokumentation. Zu diesem Zweck gibt es unterschiedliche Prüfungssoftware am Markt, welche dank Datenbankanbindung und der Möglichkeit zur digitalen Datenerfassung ein minimales Fehlerpotenzial bei der Dokumentation garantieren.

Beispiel für eine Prüfplakette
Beispiel für eine Prüfplakette

Das Anbringen einer Prüfplakette direkt am Prüfgegenstand ist zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, wird von Fachleuten jedoch dringend empfohlen. Denn eine deutlich angebrachte Plakette gewährleistet, dass jederzeit sichtbar ist, wann die letzte elektrische Prüfung erfolgte bzw. wann der nächste Prüftermin ansteht. Kleben Sie die Prüfplakette zum Beispiel am Gehäuse des Prüfgegenstands, in der Nähe des Schutzklassen-Symbols bzw. des Netzsteckers, oder (in Form einer Kabelprüfplakette aus Vinyl) um das Kabel des Prüfgegenstands.

Allgemeine Prüfaufkleber mit Aufdrucken wie „Letzte Prüfung“, „Nächste Prüfung“ oder „Geprüft am …“ sind ebenso gängig wie spezielle Elektroplaketten, die auf die Art der elektrischen Prüfung aufmerksam machen z.B. „Geprüft gemäß VDE“, „Geprüft nach DGUV Vorschrift 3“ etc..

Der mit einer Lochzange markierte Monats- und Jahreszahlenkranz gibt an, wann die Geräteprüfung erfolgt ist bzw. wann die nächste Prüfung ansteht. Zudem nutzen viele Elektrofachkräfte auch gerne bereits individualisierte Prüfplaketten inkl. Logo oder Telefonnummer-Aufdruck. Mit Ihnen kann jeder Beteiligte nicht nur das entsprechende Datum sehen, sondern auch die nächste Prüfung direkt veranlassen. Welche Art Prüfplakette genutzt wird, bleibt jedem Prüfer selbst überlassen.

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Kommentare

Kommentar von Sandra |

Hallo, ich bin für die Kalibrierung & Prüfung aller Geräte bei uns im Unternehmen verantwortlich. Hauptsächlich prüfe ich Messtechnik, Laborgeräte und Eigenbauten. Das ist eine nette Zusammenfassung, jedoch ist folgende Textstelle leider nicht mit der Realität vereinbar.
"Welche Schutzklasse Sie vor sich haben, erkennen Sie am Netzstecker des Prüfgegenstands sowie am entsprechenden Schutzklassen-Symbol, das sich meist auf dem Gehäuse befindet."
Zum Beispiel haben alle PC-Bildschirme bei uns in der Firma Schuko-Stecker, sind aber Schutzklasse 2.
Da viele Geräte heutzutage Mischformen sind findet man an vielen Geräten keine Schutzklassen-Symbole mehr. Ich bin aktuell auf dem Wissensstand dass der Prüfer bei jedem Gerät individuell entscheiden muss welche Prüfungen sinnvoll sind um die Sicherheit nachzuweisen.

Wer nur anhand von Steckern und Symbolen entscheidet welche Werte zu prüfen sind ist meiner Meinung nach in der Praxis verloren.

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