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Durchführung von Prüfungen durch Auszubildende

Welche Arbeiten darf ein Auszubildender übernehmen?
Welche Arbeiten darf ein Auszubildender übernehmen? (Bildquelle: AndreyPopov/iStock/Thinkstock)

Frage aus der Praxis

Darf ein auszubildender Elektroniker nach Abschluss der Teil-1-Prüfung, wiederkehrende Prüfungen an ortsveränderlichen elektrischen Arbeitsmitteln durchführen?

Antwort des Experten

Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH) Markus Klar, LL.B.

Der Auszubildende hat einen besonderen Arbeitnehmerstatus

Nach § 1 Berufsbildungsgesetz (BBiG) wird er zu seiner Berufsausbildung beschäftigt, die zur Vermittlung von Grundlagen für den Erwerb beruflicher Handlungsfähigkeit dient. Im Rahmen dieser Berufsausbildung spricht unter Beachtung des § 14 Abs. 1 BBiG nichts dagegen, wenn der Auszubildende Prüftätigkeiten ausführt, sofern diese zum Berufsbild gehören und dem Ausbildungszweck dienen.

Prüfungen müssen von einer EFK durchgeführt werden

Prüfungen sind jedoch durch Elektrofachkräfte (DGUV Vorschrift 3/BGV A3) bzw. befähigte Personen (BetrSichV) durchzuführen. Der Auszubildende ist allerdings weder Elektrofachkraft noch befähigte Person. Je nach erworbenen Kenntnisstand kann er vielleicht als elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) im Sinne des Kap. 3.2.4 der VDE 0105-100 bzw. Kap. 3.3 der VDE 1000-10 angesehen werden. Insoweit kann auf die Ausführungen im Kapitel 4 der DGUV Information 203-071 (BGI 5190) verwiesen werden.

Bewertung der Prüfergebnisse durch die befähigte Person

Die nach TRBS 1201 notwendige Bewertung des Prüfergebnisses obliegt immer einer befähigten Person. Zur befähigten Person gehören nach Kap. 3.3 der TRBS 1203

  • eine abgeschlossene elektrotechnische Berufsausbildung,
  • eine mindestens einjährige Berufserfahrung bei der Instandhaltung elektrischer Arbeitsmittel sowie
  • eine zeitnahe berufliche Tätigkeit.

Beim auszubildenden Elektroniker mangelt es hier bereits an der abgeschlossenen elektrotechnischen Berufsausbildung.

Betrachtet man weiterhin die nach § 2 Abs. 7 der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) erforderliche Weisungsfreistellung, so wird klar, dass man eine solche einem Auszubildenden nicht aussprechen kann. Der Auszubildende soll Fehler machen dürfen, daraus lernen und muss zu diesem Zweck Hinweise des Ausbilders entgegennehmen. Die Weisungsfreistellung widerspricht damit auch nach § 13 Satz 2 Nr. 3 BBiG dem Wesen und Kern des Berufsausbildungsverhältnisses.

Hinsichtlich der Durchführung von Prüfungen sollte beachtet werden, dass diese keine lästige Pflicht darstellen (sollten), die man demjenigen zuweist, der gerade nichts anderes zu tun hat. Prüfungen sind das elementare Mittel zur Gewährleistung einer hohen Sicherheit der den Arbeitnehmern überlassenen Arbeitsmittel und diese Gewährleistung ist nach §§ 3 Abs. 1 Satz, 4 Nr. 1 des Arbeitsschutzgesetzes sowie § 4 der Betriebssicherheitsverordnung eine bedeutende Arbeitgeberpflicht. Also sollte nur der am besten geeignete Prüfer solche Prüfungen durchführen.

Das Prüfen im Prüfteam ist möglich

Der Auszubildende kann aber durchaus unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft bzw. befähigten Person Prüftätigkeiten z.B. in einem Prüfteam ausführen. Dies beinhaltet auch gern die Durchführung von Prüfungen, wenn jedoch eine Elektrofachkraft diese begleitet und auch als befähigte Person die Verantwortung für das Prüfergebnis übernimmt – es also mit unterzeichnet. Mit dem alleinigen Prüfen der Arbeitsmittel durch Auszubildende wird man als Arbeitgeber seiner Verpflichtung aus dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) mit der gebotenen Sorgfalt nicht erfüllen können.

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