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Prüfung geleaster elektrischer Bürogeräte

Geleaste elektrische Bürogeräte werden selten geprüft - Bild
Geleaste elektrische Bürogeräte werden selten geprüft

Frage aus der Praxis

Ich bin als Mitarbeiter in einem mittelständischen Unternehmen mit der Prüfung unserer Betriebsmittel beauftragt worden. In der Verwaltungsabteilung werden seit geraumer Zeit geleaste Bürogeräte verwendet. Mir fiel auf, dass diese auch nach den Wartungsterminen durch Servicetechniker oftmals abgelaufene Prüfplaketten tragen. Mein Chef wiegelt jedoch ab und sieht die Verantwortung bei dem Verleiher, schließlich habe man doch einen Wartungsvertrag geschlossen. Wer ist in diesem Fall nun für die Prüfung zuständig? Wir oder unser Vertragspartner?

Antwort des Experten

Leider kommt in der Praxis oftmals die Prüfung der Betriebsmittel zu kurz. Der Kunde meint, mit einem Wartungsvertrag dafür nicht mehr zuständig zu sein. Für den Anbieter ist die Prüfung hingegen ein vermeidbarer Kostenfaktor, ist doch der jeweils die Geräte einsetzende Unternehmer/Arbeitgeber und nicht der formale Eigentümer in der Pflicht.

Und bei den Serviceteams selbst handelt es sich nicht selten um rein nach Preis ausgewählte Subunternehmer, wo es meist an Motivation und Qualifikation der Mitarbeiter hapert. Im Ergebnis werden Prüfungen viel zu oft halbherzig oder gar nicht durchgeführt. Dennoch ist jede Seite davon überzeugt, dass ausgerechnet sie hier nicht zuständig sei.

Doch auch wenn die Geräte geprüft werden, weisen die Prüfungen häufig eklatante Mängel auf. Hier spielen mehrere Ursachen eine Rolle: zum einen der Kenntnisstand der Servicetechniker, bei denen das Thema der Wiederholungsprüfung nicht gerade im Mittelpunkt steht.

Aber auch der jeweilige Unternehmer/Arbeitgeber trägt dazu bei, kann und muss er doch seinen Technikern eine umfassende Qualifikation ermöglichen. Dass in diesem Bereich oftmals geschlampt wird, liegt aber auch (mit) an den Kunden, die unzulängliche Arbeiten akzeptieren. Handelt es sich beim Kunden um jemanden aus der Elektrobranche, wird man ihm sicher eine gewisse Mitverantwortung für die Umstände attestieren können. Einem fachfremden Unternehmer/Arbeitgeber hingegen kann man kaum vorwerfen, sich auf seinen Servicepartner zu verlassen.

Achtung!

Dies gilt nur, wenn der Auftraggeber die sogenannte im Straßenverkehr erforderliche Sorgfalt nach § 276 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) bei der Auswahl des Auftragnehmers hat walten lassen. Sich nur am Preis zu orientieren, ist da wohl eher fehl am Platz.

Bei Wartungsarbeiten besonders wichtig

Gerade im Rahmen von Wartungsarbeiten, die über ein simples Nachfüllen von Tonerkartuschen hinausgehen, kommt der abschließenden Prüfung eine wichtige Rolle zu. Die Wahrscheinlichkeit, beim teilweisen Auseinanderschrauben und ggf. Tauschen von Teilen einen elektrischen Defekt mit „einzubauen“, ist um ein Vielfaches höher, als dass sich im Normalbetrieb ein kritischer Zustand ohne äußeres Zutun herausbildet. Nicht ohne Grund existierte bis zur Zusammenführung zur DIN VDE 0701-0702 eine eigenständige Vorgabe, wie Prüfungen nach den Arbeiten an Geräten aussehen sollen.

Die tatsächlich in der Praxis anzutreffende Situation sieht leider anders aus, wie ein Beispiel aus dem Kollegenkreis zeigt.

Abb. 1: Prüfprotokoll: inhaltlich nicht gerade überzeugend!

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Ein Servicetechniker eines renommierten Kopiergeräteherstellers führt umfangreiche Wartungs- und Reparaturarbeiten an einem Multifunktionsgerät durch. Auf die ausstehende Prüfung angesprochen, wiegelt dieser zunächst ab, verschiebt den „sehr ungewöhnlichen“ Wunsch dann schließlich auf den Folgetag.

Am Ende hinterließ man uns ein Protokoll, das für so manche philosophische Betrachtung taugte: Ist ein Gerät mit einem Isolationswiderstand von 0 Ω als sicher zu betrachten, weil der implizierte Kurzschluss den Stromkreis freischalten und die Gefahr sich somit selbst beseitigen wird? Das ausgehändigte Protokoll mag zwar für manche amüsante Anekdote gut sein, zeigt in fachlicher Hinsicht aber, dass der Prüfer offenbar die Ergebnisse nicht versteht oder nicht hinterfragt.

Mitdenken ist unerlässlich

Ein wesentlicher Faktor mag hier sein, dass sich zu sehr auf das Messgerät verlassen wird. Viele Hersteller rühmen sich mit möglichst automatisierten Abläufen. Doch scheitern diese Kochrezepte oftmals an den Gegebenheiten der Praxis. Die Normvorgaben können immer nur verallgemeinerte Leitsätze sein.

Die Festlegung, was tatsächlich an Prüfumfang und Grenzwerten akzeptabel ist, erfordert hingegen die aktive Mitarbeit des Prüfers. Dies gelingt nur mit umfassendem Verständnis für die Tätigkeit und einer reichlichen Portion Erfahrung! Um das zu gewährleisten, stellt die Technische Regel für Betriebssicherheit TRBS 1203 „Befähigte Personen“ über einen elektrotechnischen Abschluss hinausgehende Anforderungen. So werden ferner explizit eine fachliche Fortbildung wie auch geraume praktische Erfahrung von der befähigten Person verlangt. Das gilt natürlich auch für den Servicetechniker, wenn er eigenverantwortlich Prüfungen durchführen soll.

Merke!

Der Auftragnehmer ist verantwortlich dafür, nur passend qualifiziertes Personal mit der Durchführung von Prüfungen elektrischer Arbeitsmittel zu betrauen. Ebenso muss der Auftraggeber kontrollieren, dass der eingesetzte Prüfer über die erforderliche Qualifikation nach TRBS 1203 verfügt. Sehr gut sind diese Forderungen aus den unterschiedlichsten Regelwerken in der DGUV Information 203-071 (BGI/GUV-I 5190) „Wiederkehrende Prüfungen ortsveränderlicher elektrischer Arbeitsmittel – Organisation durch den Unternehmer“ zusammengefasst.

Achtung!

Eine elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) darf keine eigenverantwortliche Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Arbeitsmittel durchführen. In der Praxis wird dieser Forderung in vielen Fällen leider keine Rechnung getragen.

„Dennoch ist es möglich, dass in einem Prüfteam die EuP im Rahmen der Wiederholungsprüfungen elektrotechnische Tätigkeiten übernimmt und damit die befähigte Person unterstützt. Die Verantwortung für die Sicherheit bei den durchzuführenden Arbeiten trägt dabei immer eine Elektrofachkraft. Die Auswertung der Prüfergebnisse unterliegt der Verantwortung der befähigten Person.“ (aus: DGUV Information 203-071 (BGI/GUV-I 5190) „Anforderungen an das Prüfpersonal“)

Auftraggeber hat immer zu kontrollieren

„Die Prüfungen sind durch eine befähigte Person nach TRBS 1203 (Teil 3) (Die Technische Regel für Betriebssicherheit TRBS 1203 Teil 3 wurde zurückgezogen und ist nun in der neuen TRBS 1203 (Ausgabe: Mai 2010) im Abschnitt 3.3 beinhaltet.) durchzuführen (Abschnitt 4 „Anforderungen an das Prüfpersonal“). Die Befähigung ist vom Auftragnehmer zu bestätigen.“ (aus: DGUV Information 203-071 (BGI/GUV-I 5190), Anhang 3 „Hinweis zur Auftragsvergabe“)

Unternehmer/Arbeitgeber steht in der Verantwortung

Wie auch immer nun die bisherige Prüfsituation im jeweiligen Fall aussehen mag – verantwortlich ist zunächst einmal der Unternehmer/Arbeitgeber, der seinen Mitarbeitern die betreffenden Arbeitsmittel zur Verfügung stellt. Er tut also gut daran, seinen Pflichten ausreichend nachzukommen und für eine entsprechende Prüfung zu sorgen.

Ob ein Wartungsvertrag auch das Übertragen der Prüfungen beinhaltet, hängt von der Vertragsausgestaltung ab. Es ist durchaus möglich, das Serviceunternehmen damit zu beauftragen. Jedoch bleibt die Verantwortung, dass tatsächlich geprüft wird, weiterhin beim Arbeitgeber. Dieser sollte daher stichprobenartig die Einhaltung kontrollieren und sich im Gegenzug zum Prüfauftrag die Aushändigung der Protokolle zusichern lassen – und diese dann natürlich auch auf Plausibilität hin überprüfen, womit solche Schnitzer wie „0 Ω Isolationswiderstand“ sofort auffallen. Ob nun im eigenen Haus oder vom Kundendienst geprüft werden soll – bei Leasinggeschäften sollte dieser Punkt immer unmissverständlich vereinbart werden.

Abb. 2: Prüfplakette: Erinnerung für den Nutzer, aber keine ausreichende Dokumentation
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Dokumentation ist unumgänglich

Dabei sind möglichst auch Art und Umfang der Dokumentation festzulegen. Gerade dieser Aspekt sorgt häufig für Unstimmigkeiten. Eine grobe Unsitte ist, Prüfungen durch Aufkleben einer Plakette zu dokumentieren. Für sich genommen ist dieser Aufkleber jedoch weitestgehend wertlos. Erst in Verbindung mit einem Protokoll, welches den Weg zum abschließenden Prüfurteil plausibel erkennen lässt, kann man die ausreichende Wahrnehmung der Unternehmerpflichten belegen.

Die Technische Regel für Betriebssicherheit TRBS 1201 „Prüfungen von Arbeitsmitteln“, DGUV Information 203-071 (BGI/GUV-I 5190) wie auch andere Regelwerke treffen dabei folgende Aussage bezüglich Mindestinformationen:

  • Identifikation des Betriebsmittels (Hersteller, Seriennummer etc.)
  • Standort
  • Datum und Umfang der Prüfung (Normengrundlage)
  • Prüfergebnis
  • Prüffrist
  • verantwortlicher Prüfer
  • verwendetes Prüf- bzw. Messgerät

Der Nachweis dazu lässt sich in unterschiedlicher Formen erbringen, z.B.:

  • Gerätekartei
  • Prüfprotokoll
  • Prüfbuch
  • Datenbank

Plakette kleben allein reicht nicht

Die Aussagekraft der Plakette selbst reicht jedoch in aller Regel nicht aus. Ihr Zweck ist vielmehr, dem Benutzer zu signalisieren, ob sich das jeweilige Betriebsmittel noch innerhalb der veranschlagten Prüffrist befindet oder diesbezüglicher Handlungsbedarf besteht.

Autor: Stefan Euler

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