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Prüfung elektrischer Anlagen von Einsatzfahrzeugen

Besonderheiten bei der Prüfung von Einsatzfahrzeugen.
Besonderheiten bei der Prüfung von Einsatzfahrzeugen.

11.04.2014
Frage aus der Praxis

Wie werden Einsatzfahrzeuge der Polizei, Feuerwehr etc. rechtssicher geprüft? Welche Prüfschritte müssen durchgeführt werden? Welchem Prüfturnus unterliegen die Fahrzeuge?
Diese Fragen eines Users erreichten uns vor einigen Tagen. Unser Autor Daniel Kronenberg hat eine Antwort formuliert.


Antwort des Experten

Bei der gesamten Fragestellung beziehe ich mich ausschließlich auf Fahrzeuge der Feuerwehr, Polizei, Technisches Hilfswerk, Krankentransport/Rettungsfahrzeuge. Die Norm trifft ebenfalls auf Einsatzfahrzeuge im Sinne von Abschleppfahrzeugen, Kranwagen, Hubarbeitsfahrzeugen und Übertragungswagen für TV und Rundfunk zu. Hier müssen jedoch noch weitere für unseren Fall nicht zutreffende Normen bzw. DGUVen angewandt werden. Gleiches gilt für Motorcaravans und Fahrzeuge innerhalb Marinas.

Abb. 1: Einsatzfahrzeuge müssen vom Unternehmer rechtssicher geprüft werden.

files/content/grafiken/Pruefung der elektrischen Anlage von Einsatzfahrzeugen/Feuerwehrwagen.jpg

Wie werden Einsatzfahrzeuge rechtssicher geprüft?

Um Einsatzfahrzeuge rechtssicher zu prüfen, muss der Unternehmer, welcher in diesem Fall nicht Fahrzeughalter sein muss, eine Gefährdungsbeurteilung für den Einsatz des Fahrzeugs und aller darauf mitgeführten Betriebsmittel gemäß Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) durchführen. Hierbei muss er sich nicht nur auf den elektrotechnischen Teil beschränken, sondern das ganzheitliche Konzept betrachten. Hierzu finden die TRBS 1111 „Gefährdungsbeurteilung/Sicherheitstechnische Bewertung“, die TRBS 1112 „Instandhaltung“, GefStoffV „Gefahrstoffverordnung“, ArbSchG „Arbeitsschutzgesetz“ sowie weitere Gesetzgebungen Anwendung. Dabei sollte er sich von Sachkundigen wie z.B. dem Betriebsarzt, der Fachkraft für Arbeitssicherheit (FaSi) bzw. der Sicherheitsfachkraft (SiFa) und der verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK) unterstützen lassen.

Abb. 2: Bei der Prüfung sind die Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art zu berücksichtigen.

files/content/grafiken/Pruefung der elektrischen Anlage von Einsatzfahrzeugen/Polizeiauto.jpg

Welche Prüfschritte müssen durchgeführt werden?

Im konkreten Fall findet die VDE 0100 Teil 717-10:2010 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 7-717 Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – ortsveränderliche oder transportable Baueinheiten Anwendung. Hierbei bezieht sich der Normentext lediglich auf die im Einsatzfahrzeug fest installierte elektrotechnische Anlage.

Ebenfalls Anwendung findet die VDE 0105 Teil 100 10:2009 Betrieb von elektrischen Anlagen. Hier ist unter Punkt 5.3.101.0.2 zu entnehmen:

„Die wiederkehrende Prüfung, die aus einer ausführlichen Überprüfung der Anlage besteht, muss je nach Anforderung entweder ohne Demontage oder mit Teildemontage durchgeführt werden, ergänzt durch geeignete Prüfungen nach DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600), Abschnitt 61, einschließlich der Prüfung der Einhaltung der nach DIN VDE 0100 410 (VDE 0100-410) geforderten Abschaltzeiten von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD), und durch Messungen, um Folgendes zu erreichen…..“

Es ist also nach den grundliegenden Anforderungen zu verfahren, so als ob es sich um eine übliche Elektroinstallation handelt.

An die Prüf- und Messgeräte werden keine gesonderten Bedingungen gestellt. Hier reichen die Arbeitsmittel, welche die Norm DIN VDE 0413 erfüllen, aus.

Bei der Prüfung der ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmittel wird nach VDE 0701/0702 bzw. bei medizinisch genutzten Geräten nach DIN VDE 0751 verfahren.

Anmerkung zum Prüfer

Abb. 3: Die BetrSichV fordert eine befähigte Person.

files/content/grafiken/Pruefung der elektrischen Anlage von Einsatzfahrzeugen/vEFK.jpg

Da es vermehrt dazu kommt, dass elektrotechnisch unterwiesene Personen (EuPs) zum Prüfen elektrischer Betriebsmittel eingesetzt werden, sei dazu Folgendes gesagt:

Die BetrSichV fordert eine befähigte Person zum Prüfen überwachungsbedürftiger Anlagen. In ihrer Konkretisierung TRBS 1203 wird unter Abschnitt 3.3 die befähigte Person genau definiert. Hier heißt es:

  • Die befähigte Person muss eine elektrotechnische Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen haben,
  • eine mindestens einjährige Berufserfahrung im elektrotechnischen Bereich sowie
  • die zeitnahe berufliche Tätigkeit ausüben.

Mit dieser Forderung ist der Einsatz einer EuP nicht vertretbar.

Abb. 4: Prüfliste für die sicherheitstechnische Prüfung elektrischer Ausrüstung von Maschinen: zum kostenlosen Download

files/content/doc/Prueflisten/Sicherheitstechnische Pruefung_Netz-Trenneinrichtungen.png

Welchem Prüfturnus unterliegen die Fahrzeuge?

Oftmals werden die „Empfehlungen“ der DGUV Vorschrift 3 (BGV A3) oder Abdrucke davon, welche den meisten Prüfgeräten beiliegen, als das Maß der Dinge angesehen. Dies sind jedoch nur Ansatzpunkte. Wie eingangs erwähnt, hat der Unternehmer/Betreiber eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Dabei werden auch die Prüffristen festgelegt. Eine Verkürzung der Prüffristen ist in jedem Fall unproblematisch. Eine Verlängerung der Fristen ist nur unter entsprechender Begründung zulässig und muss ebenso wie die Prüfschritte und deren Ergebnisse rechtssicher dokumentiert werden.

Die VDE 0701/0702 schreibt für nicht ortsfeste Betriebsmittel der Feuerwehren/Technische Hilfeleistung (für Betriebsmittel, die bei Übung und Einsatz benutzt worden sind) eine Prüffrist von 12 Monaten vor. Diese Frist findet sich auch in der BGG 9102 der DGUV wieder. Die DGUV Vorschrift 3 (BGV A3) fordert für das Prüfen gemäß DIN VDE 0100 Teil 600 elektrische Anlagen und ortsfeste elektrische Betriebsmittel in „Betriebsstätten, Räumen und Anlagen, besonderer Art“ (VDE 0100 Gruppe 700) ebenfalls eine Prüffrist von 12 Monaten. Für Arbeitsmittel, welche über eine Ex-Zulassung verfügen, gelten wiederum gesonderte Anforderungen an Prüf- bzw. Messgerät sowie auch an den Prüfer.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass die Fragestellung sehr allgemein gehalten wurde. Somit ist auch die Antwort unter Umständen nicht auf alle Eventualitäten anzuwenden.

Diese Antwort gab Daniel Kronenberg.

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