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Kann der Status "Elektrofachkraft" verjähren?

Wie lange gilt der Status "Elektrofachkraft"?
Wie lange gilt der Status "Elektrofachkraft"?

Frage aus der Praxis

Gilt eine Elektrofachkraft, die diesen Beruf ordnungsgemäß erlernt hat, aber schon seit mehr als fünf Jahren nicht mehr ausübt, als „ungelernt“? Diese Frage, die einen Leser beschäftigte, beantwortet Dipl.-Ing. Walter Kathrein (VDI, VDE, VDSI).

Antwort des Experten

Der Sachverständige erklärt, warum eine Beschränkung von fünf Jahren aus der Luft gegriffen ist: Es gibt keine Bestimmung oder sonstige relevante Schriften, die einen derartigen Zeitraum festlegen. Anhand relevanter VDE-Normen führt Kathrein aus, warum das auch gar nicht möglich wäre.

Definitionen des Berufsbilds

Zu beachten sind zunächst die Normen und Richtlinien, die das Berufsbild der Elektrofachkraft  festlegen, vor allem die DIN VDE 1000-10 mit dem Titel „Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen“. Diese Bestimmung wurde erstmals im Mai 1995 veröffentlicht und ist im Januar 2009 mit geringfügigen Änderungen in neuer Fassung erschienen.
Die DIN VDE 1000-10 definiert eine Elektrofachkraft, als eine Person, die „aufgrund ihrer fachlichen Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrungen sowie Kenntnis der einschlägigen Normen die ihr übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann“.

Die Bedeutung der Ausbildung

Mit „fachlicher Ausbildung“ ist hier die Ausbildung für ein bestimmtes Arbeitsgebiet der Elektrotechnik gemeint: Als Elektrofachkraft darf sich nur bezeichnen, wer die speziellen Anforderungen erfüllt. Bei der fachlichen Qualifikation für bestimmte elektrotechnische Tätigkeiten ist das in der Regel der Abschluss einer anerkannten Ausbildung in dem jeweiligen Arbeitsgebiet, zum Beispiel als Geselle oder Facharbeiter. Eine Schlüsselfunktion hat die verantwortliche Elektrofachkraft, denn ihre Aufgabe ist es, die für den Einsatz geeigneten Personen auszuwählen.

DIE Elektrofachkraft gibt es nicht

Konkreter wird der Anhang A der Bestimmung. Hier finden sich informative Erläuterungen zu den einzelnen Punkten. Die Definition der Elektrofachkraft aus der geltenden Norm DIN VDE 0105-100 „Betrieb von elektrischen Anlagen“ wurde unverändert übernommen. Sie bezieht sich nach wie vor auf die Faktoren Ausbildung und Erfahrung, wobei zur Beurteilung der fachlichen Ausbildung auch eine mehrjährige Tätigkeit auf dem betreffenden Arbeitsgebiet herangezogen werden kann. Die vorliegende Norm gilt für alle Bereiche der Elektrotechnik.

Eine Elektrofachkraft, die umfassend für alle elektrotechnischen Arbeitsgebiete ausgebildet und qualifiziert ist, gibt es nicht. Auch das geht eindeutig aus den Erläuterungen zur DIN VDE 1000-10 hervor. So kann nicht ohne weiteres eine ElFa für Elektromaschinenbau im Arbeitsgebiet von Hochspannungsanlagen oder eine Fernmeldefachkraft bei der Niederspannungsinstallation tätig werden, weil dafür andere Kenntnisse und Erfahrungen erforderlich sind.

Erlöschen bei berufsfremder Tätigkeit

Die Qualifikation einer Elektrofachkraft kann der zitierten VDE-Norm zufolge auch erlöschen, wenn eine Person längere Zeit in einem berufsfremden Arbeitsgebiet tätig war, weil durch Fortschritte in der Technik sowie neue Vorschriften und Normen die aktuellen Kenntnisse und Erfahrungen dann nicht mehr vorliegen. Die fachliche Ausbildung oder neuerliche Erfahrungen ermöglichen es aber, den Titel wieder zu erwerben.

Die Bestimmung spricht von „längerer Zeit“, macht also keine konkreten Angaben. Aus gutem Grund: In fünf Jahren können sich die für die vorgesehenen Arbeiten relevanten Bestimmungen geändert haben oder auch nicht, der eine Mitarbeiter vergisst schneller seine Kenntnisse als Elektrofachkraft, während der Andere sofort wieder „in der Sache drin ist“.

Die Bedeutung der verantwortlichen EFK

Wer aber entscheidet darüber, ob ein Mitarbeiter, der längere Zeit in einem berufsfremden Arbeitsgebiet tätig war, wieder elektrotechnische Aufgaben übernehmen kann und in welchem Umfang? Dies ist nach der Einschätzung von Kathrein eindeutig eine Sache der verantwortlichen Elektrofachkraft. Wie bereits in den Erläuterungen zur DIN VDE 1000-10 ersichtlich ist, hat sie die besondere Verantwortung, geeignete Personen auszuwählen.

Verantwortliche Elektrofachkraft ist nach Definition der Norm eine Person, die als Elektrofachkraft (gemäß Abschnitt 3.2) die Fach- und Aufsichtsverantwortung übernimmt und vom Unternehmer dafür beauftragt wurde. In den Erläuterungen dazu heißt es: Dem Unternehmer kommt eine hohe Verantwortung bei der Auswahl einer verantwortlichen Elektrofachkraft zu. Maßgeblich sind hier auch die Grundsätze der Prävention DGUV Vorschrift 3 (BGV A 3) („Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“).

In größeren Betrieben kann es Praxis sein, sowohl für die einzelnen elektrotechnischen Arbeitsgebiete (Niederspannung, Hochspannung, MSR-Technik) jeweils verantwortliche Fachkräfte zu beauftragen als auch in den verschiedenen Ebenen ‒ etwas als verantwortliche Fachkraft „vor Ort“ oder als verantwortliche Fachkraft auf Meister-, Techniker- oder Ingenieurebene.

Autorin: Christine Lendt (nach der Vorlage von Walter Kathrein)

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