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Isolationswiderstandsmessung

Verzicht auf die Wiederholungsprüfung?
Verzicht auf die Wiederholungsprüfung? (Bildquelle: Thinkstock)

14.03.2014
Frage aus der Praxis

In mehreren 400-V-Verteilungen mit TN-C-Einspeisung und TN-S-Abgängen wurden nach der Aufteilung des PEN in PE und N die drei Phasen- und der N-Leiter durch einen Summenstromwandler geführt. Am Ausgang des Wandlers ist ein Differenzstrom-Überwachungsgerät angeschlossen. Summenstromwandler und Differenzstrom-Überwachungsgerät sind von einem bekannten Hersteller. Bei Überschreitung eines einstellbaren Grenzwerts erfolgt eine Meldung an eine ständig besetzte Messwarte mit permanenter Aufzeichnung von Störmeldungen. Der fehlerhafte Stromkreis kann danach gesucht und repariert werden. Kann mit dieser Konfiguration auf die Isolationsmessung der einzelnen fest angeschlossenen Verbraucher bei der Wiederholungsprüfung verzichtet werden? Wenn ja, auf welcher rechtlichen Grundlage? Es handelt sich auch um Verbraucher in explosionsgefährdeten Bereichen.

Antwort des Experten

Die Differenzstromüberwachung erbringt nicht die gleichen Informationen über den Zustand einer Anlage und die zum Gewährleisten der Sicherheit nötigen Maßnahmen wie eine Wiederholungsprüfung nach DIN VDE 0105 Teil 100. Sie ist auch nicht dazu geeignet, auf deren Grundlage ihrer Aussagen die fehlerbedingten Gefährdungen so abwenden zu können, wie es erforderlich und nach einer Wiederholungsprüfung möglich ist.

Vergleicht man die Merkmale der Differenzstromüberwachung und der Wiederholungsprüfung, wird deutlich, dass sie völlig unterschiedlichen Zielen dienen und eigentlich gar nicht exakt vergleichbar sind.

Die Wiederholungsprüfung dient der Kontrolle des Zustands einer Anlage und soll die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen nachweisen. Bei ordnungsgemäßer Durchführung stellt sie weitgehend eine technische Sicherheitsmaßnahme zur Abwehr von Gefährdungen dar.

Mit der Differenzstromüberwachung wird der Betriebszustand der an einer Anlage angeschlossenen Betriebsmittel kontrolliert und dient dagegen nur der vorbeugenden Instandhaltung. Sie ist keine technische, aber eine weitgehend vom Verhalten von Personen abhängige Sicherheitsmaßnahme. Durch die erst ab etwa 10 mA beginnenden Möglichkeit des Erfassens der Ableitströme und der nicht schnell genug und sicheren Abschaltung, dient sie nicht bzw. nur eingeschränkt dem Nachweis der Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen.

Es ist deshalb grundsätzlich nicht zulässig, nach Einbau einer Differenzstromüberwachung auf das Durchführen der Wiederholungsprüfungen zu verzichten.

Die Antwort gab Udo Mathiae.

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Kommentare

Kommentar von Das Magazin |

Hallo

was ich in allen Beiträgen vermisse ist, wie mache ich es in der Praxis. Dies sollte mit Beispielen Bilder und Fakten mit Risiken beschrieben werden.
Ich und meine Berufskollegen haben großteils "Angst" die Spannungsprüfung an Maschinen durchzuführen. Zeigen Sie es uns wie ich Gefahren bei den Messungen vermeiden kann. Geben 'Sie uns Praxisbeispiele die mit Bilder untermauerert werden. Das ist was nicht nur ich suche. Paragraphen und Vorschriften sind leicht nachzulesen. Aber wie führe ich eine Messung eine Messung durch, was muss ich dabei beachten...... dies kommt doch oft zu kurz.

Mit freundlichen Grüßen

Josef Huck

Antwort von Christina Wernicke

Guten Morgen Herr Huck,

vielen Dank für Ihre Anmerkung.

Wir werden uns bemühen, unsere Beiträge künftig noch praxisorientierter und anschaulicher zu erstellen.

Freundliche Grüße

Christina Wernicke

Kommentar von Klaus Huber |

Bei uns in der Abteilung haben wir zwei Baureihen elektrotechnischer Geräte:
1. Ein ortsveränderliches elektronisches Vorschaltgerät für Tageslichtlampen
2. Einen ortsveränderlichen elektronischen Dimmer

Bei beiden Geräten gibt es bei der VDE 0701/0702 Messung das Problem, dass die interne Beschaltung der elektronischen Bauteile am PE die Isolationsprüfung unmöglich macht, da der Wert nur ~300 kOhm beträgt und somit das Gerät bei der Prüfung durchfällt.
Ich finde nirgends eine verbindliche Aussage, wie ich mich in so einem Fall verhalten soll. Kann man in so einem Fall anstatt der Insolationsmessung die Schutzleiter- bzw. Ersatzableitstrom Messung anwenden, und wenn ja, gehen beide und wie muss ich diesen Sonderfall dokumentarisch festhalten?

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Huber

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