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Ganzheitliches Prüfkonzept

Mit einem guten Prüfmanagement Un- und Ausfälle vermeiden. - Bild
Mit einem guten Prüfmanagement Un- und Ausfälle vermeiden.

Frage aus der Praxis

In unserem Unternehmen sind wir bestrebt, alle gesetzlichen, behördlichen und normativ geforderten Prüfpflichten zu erfüllen. Dabei haben wir als verantwortliche Elektrofachkräfte immer wieder mit einer mangelnden Akzeptanz in Bezug auf die geforderten Prüfungen seitens unserer fachfremden Vorgesetzten zu kämpfen. Wie können wir hier am besten argumentieren, um unsere Vorgesetzten von der erforderlichen Elektrosicherheit zu überzeugen?

Antwort des Experten

Das Erstellen eines ganzheitlichen Prüfkonzepts für den Bereich der Elektrotechnik ist eine wichtige Maßnahme, um die Anlagenverfügbarkeit zu erhöhen und Elektrosicherheit im Betrieb zu gewährleisten. Leider wird dies in vielen Unternehmen vernachlässigt.

Professionelles Management der Elektrosicherheit schützt Ihr Unternehmen und birgt meist noch gewinnbringende Potenziale in sich.

Moderne Managementmethoden gehören heute in den Unternehmen zur Normalität. Die wichtige und normativ geforderte Elektrosicherheit wird bei diesen Managementmethoden leider oftmals vernachlässigt. Dabei lauern gerade hier existenzielle Risiken, die in Schadensszenarien ausgehend von nicht fachgerecht geprüften und instand gehaltenen elektrischen Anlagen begründet liegen und somit unter anderem die Produktionssicherheit des Unternehmens gefährden können. Durch den Aufbau eines rechtssicheren Prüfmanagements kann man diese Risiken minimieren und unter Umständen auch noch Kosten, z.B. Instandhaltungskosten aufgrund der vorbeugenden Prüfkonzepte, senken. Solcheganzheitlichen Prüfkonzepte“ (GP-Konzept) fehlen jedoch sehr oft in der Praxis.

Qualitativ hochwertige Prüfung notwendig

Ein gutes Prüfmanagement zeichnet sich durch qualitativ hochwertige Prüfungen aus, bei denen ausschließlich befähigte Prüfer zum Einsatz kommen. Die oftmals günstig eingekaufte schnelle Prüfdienstleistung, nur um gesetzliche, behördliche oder normative Prüfpflichten rasch und kostengünstig zu erledigen, ist dabei kein gutes Prüfmanagement. Auch wird durch eine solche Vorgehensweise keine nachhaltige Verbesserung der Anlagenverfügbarkeit erreicht, wie sie bei qualitativ hochwertigen Prüfungen erreicht würde.

Abb. 1: Ganzheitliches Prüfkonzept (GP-Konzept)

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Ein GP-Konzept soll die Pflicht erfüllen, jedoch keine Kür darstellen.
Durch das Prüfen der Elektrosicherheit sollen nicht nur gesetzliche, behördliche und normative Prüfpflichten erfüllt werden, sondern vielmehr muss damit auch eine bessere Wertschöpfung durch eine höhere Verfügbarkeit der Geräte, Maschinen und Anlagen einhergehen.

Es müssen sich also durch ein funktionierendes ganzheitliches Prüfkonzept nachhaltige Verbesserungen für das Unternehmen ergeben, wie z.B.

  • Gewährleistung der Elektrosicherheit
  • Erhöhen der Verfügbarkeit von Geräten, Maschinen und Anlagen
  • Reduzierung ungeplanter Ausfälle
  • Verringerung von Folgeschäden
  • praxisgerechte Prüfinhalte und Fristen
  • Umsetzung der gesetzlichen Forderungen unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit
  • Kosteneinsparung
  • Erhöhung der Sicherheit der Mitarbeiter

Erfüllung der Pflicht, jedoch keine Kür!

Die Wichtigkeit eines solchen ganzheitlichen Prüfkonzepts ist sowohl dem Gesetzgeber als auch der Berufsgenossenschaft und den Normenkomitees bekannt.
Nicht ohne Grund empfehlen sie den Aufbau einer ständigen Überwachung bzw. eines wirksamen Managementsystem für die vorbeugende Unterhaltung und Wartung elektrischer Anlagen.

Um ein wirksames ganzheitliches Prüfkonzept im Unternehmen zu installieren, werden kompetente und das Prüfmanagement koordinierende Elektrofachkräfte benötigt und nicht permanent wechselnde Prüfer. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob betriebsinterne Prüfer oder externe Dienstleister als Prüfer zum Einsatz kommen. Der Notwendigkeit, kompetente Elektrofachkräfte im Bereich der Elektrosicherheit einzusetzen, wird meist aus Kostengründen nicht entsprochen. Die letzte Entscheidung, wer den Prüfauftrag bekommt, trifft oft ein Einkäufer. Hier besteht leider in den entscheidenden Abteilungen der Unternehmen häufig kein Verständnis bezüglich der erforderlichen Befähigung der zum Einsatz gelangenden Prüfer. Des Weiteren wird auch auf eine gerichtsverwertbare Dokumentation kaum ein Augenmerk gelegt. Das Engagement für die Elektrosicherheit fällt in vielen Betrieben sehr stiefmütterlich aus. Die Elektrosicherheit fristet häufig nur ein „Schattendasein“. Meist muss erst etwas passieren, damit eine gewisse Aufmerksamkeit zum Tragen kommt.

Dabei muss an dieser Stelle deutlich hervorgehoben werden, dass die meisten betrieblichen Elektrofachkräfte täglich hervorragende Arbeit leisten. Aus Rückmeldungen vieler Elektrofachkräfte ist bekannt, dass die Umsetzung einer fachgerechten Elektrosicherheit im Betrieb oftmals an der Akzeptanz seitens der Unternehmensführung scheitert. Häufig wird die Meinung vertreten: „Der Strom kommt doch von ganz alleine aus der Steckdose …“

Was jedoch alles dafür notwendig ist, wird meist nicht deutlich genug dargestellt bzw. erhält keine Aufmerksamkeit. Teilweise wird die traditionelle Elektrotechnik sogar auf die leichte Schulter genommen.
Ein konsequentes Modernisieren der elektrischen Anlagen ist für eine hohe Verfügbarkeit der elektrischen Anlagen unabdingbar. Die Infrastruktur der elektrischen Energieverteilung in einem Unternehmen muss aber mitwachsen. Dies ist kein Selbstläufer und kann auch nicht durch das permanente Austeilen von Mehrfachsteckdosenleisten bewerkstelligt werden.

Abb. 2: Unzulässiger Einsatz von ortsveränderlichen Mehrfachsteckdosen

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Achtung, fertig, Strom!

Die Zukunftsfähigkeit der vorhandenen elektrischen Anlagen ist zu hinterfragen und Maßnahmen wie z.B. die Umrüstung von einem TN-C-System auf ein TN-S-System oder die Anschaffung einer verdrosselten Kompensationsanlage sind sukzessive umzusetzen. Dabei müssen die möglichen technischen Schwierigkeiten, um die Energieverteilung im Betrieb stabil zu halten, eine angemessene Berücksichtigung finden. Viele Unternehmen wiegen sich hier in einer nicht vorhandenen Sicherheit.

Abb. 3: Schematische Darstellung der Stromübertragung vom Kraftwerk zum Verbraucher (Quelle: Leuschner Energie-Wissen)

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In Abbildung 3 wird deutlich, was alles notwendig ist, damit die elektrische Energie am Verbrauchsort zur Verfügung steht. Natürlich funktioniert vieles auf Knopfdruck. Jedoch nur dann, wenn auch die Hilfsenergie – der elektrische Strom – zur Verfügung steht.
Hieraus ergibt sich eine große Herausforderung. Nur wenn wir jetzt die Kompetenzen – Fachkräfte im Bereich der Elektrotechnik – ausbilden, die wir morgen benötigen, können wir die Zukunft richtig gestalten und beherrschen.

Fazit

Das Erstellen eines ganzheitlichen Prüfkonzepts für den Bereich der Elektrotechnik ist eine wesentliche Maßnahme, um die Anlagenverfügbarkeit zu erhöhen und gleichzeitig Elektrosicherheit im Betrieb zu erlangen.
Die Basis eines guten Prüfmanagements ist dabei die Durchführung qualitativ hochwertiger Prüfungen durch befähigte Prüfer.
Ein gutes Prüfmanagement innerhalb eines ganzheitlichen Prüfkonzepts erhöht die Anlagenverfügbarkeit nachhaltig und erzielt die in letzter Konsequenz vom Gesetzgeber geforderte Elektrosicherheit.

Autor: Stefan Euler

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