Wiederholungsprüfungen richtig durchführen

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Betreiber und verantwortliche Elektrofachkraft entscheiden nach welcher Norm geprüft werden soll.
Betreiber und verantwortliche Elektrofachkraft entscheiden nach welcher Norm geprüft werden soll. (Bildquelle: AndreyPopov/iStock/Thinkstock)

Zum Betreiben elektrischer Betriebsmittel/Geräte gehört die Wiederholungsprüfung, auch wiederkehrende Prüfung genannt. Mit ihr ist nachzuweisen, dass sich die Betriebsmittel/Geräte trotz der bisher beim Betreiben aufgetretenen Beanspruchungen immer noch in einem ordnungsgemäßen und sicheren Zustand befinden.

Unterschiedliche Prüfregelungen

Die Prüfung kann auf der Grundlage verschiedener Normen erfolgen:

  • Ortsveränderliche, d.h. steckbare Betriebsmittel/Geräte sind nach DIN VDE 0701-0702 zu prüfen.
  • Betriebsmittel/Geräte, die für eine feste Verbindung mit der Anlage vorgesehen und mit ihr verbunden sind, können
    • gemeinsam mit dem sie versorgenden Anlagenteil nach DIN VDE 0105-100 oder nach DIN VDE 0701-0702 oder auch
    • getrennt von der Anlage nach DIN VDE 0701-0702

geprüft werden.

Entscheidung über die Prüfnorm

Nach welcher Norm zweckmäßigerweise geprüft werden soll, entscheidet der Betreiber in Abstimmung mit der verantwortlichen Elektrofachkraft. Beide Normen können für das Prüfen aller Arten der Betriebsmittel angewandt werden, unabhängig davon, ob diese als Gerät, Einrichtung oder Maschine bezeichnet werden. Im folgenden Text wird für sie alle immer die Bezeichnung "Gerät" verwendet.

Die Vorgaben der Norm VDE 0105-100 "Betrieb von elektrischen Anlagen" betreffen das Prüfen einer Anlage bzw. eines Anlagenteils. Wird nach dieser Norm geprüft, so kommt es zu einer globalen Aussage über den Zustand eines Anlagenteils/Stromkreises einschließlich aller angeschlossener Geräte. Das heißt,

  • in welchem Zustand sich die einzelnen mit diesem Stromkreis verbundenen Geräte befinden und
  • ob sie im Einzelfall möglicherweise Schwachstellen, Alterungen o. Ä. aufweisen,

wird dann nicht erkannt. Dies ist zweifellos ein Nachteil, dessen sich der Prüfer bewusst sein muss.

Es gilt daher folgender Grundsatz:

  • Es ist zulässig, aber nicht empfehlenswert, die mit der Anlage verbundenen Gebrauchsgeräte gemeinsam mit der Anlage nach VDE 0105-100 zu prüfen, und
  • es ist besser, aber nicht vorgeschrieben, elektrische Gebrauchsgeräte, also auch diejenigen, die fest mit der Anlage verbunden sind, immer elektrisch von ihrem Stromkreis zu trennen und einer Prüfung nach VDE 0701-0702 zu unterziehen.

Ziel und Zweck der Prüfung

Durch die Wiederholungsprüfung nach den genannten Normen sind

  • der ordnungsgemäße Zustand sowie
  • die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen gegen
    • elektrischen Schlag und
    • weitere durch die Elektroenergie oder
    • durch die Funktion des Geräts entstehende Gefährdungen

nachzuweisen. Auch mechanische Mängel/Gefährdungen, die beim Besichtigen oder Erproben erkannt werden, sind mit dem Prüfergebnis anzugeben und bei der Bewertung zu berücksichtigen.

Umfang der Prüfung

Der Umfang der Prüfung bezüglich der nachzuweisenden elektrischen Sicherheit ergibt sich aus den Vorgaben in der Norm VDE 0701-0702.

Die vorgegebenen Prüfgänge zeigt Abbildung 1.

Abb. 1: Prüfablauf, Arbeits- und Prüfschritte der Wiederholungsprüfung für elektrische Geräte mit
- einer Schutzleiterschutzmaßnahme (mit Schutzkontaktstecker) oder
- der Schutzmaßnahme "doppelte oder verstärkte Isolierung" (mit Euro- und Eurokonturenstecker) oder
- der Schutzmaßnahme "Kleinspannung" (SELV, PELV; mit Sonderstecker)

Klicken Sie auf die Abbildung, um sie zu vergrößern.

Prüfablauf

Besonders zu beachten ist, dass - im Gegensatz zur bisherigen Verfahrensweise - in der Ausgabe 06/2008 der Norm VDE 0701-0702 der Prüfablauf

  • nicht mehr durch die Schutzklasse des Geräts,
  • sondern durch die am Körper des Geräts wirksame Schutzmaßnahme bestimmt wird. Für den Praktiker noch konkreter gesagt: es ist damit an der Art des Anschlusssteckers zu erkennen, welcher Prüfablauf (siehe Abb. 1) durchzuführen ist.

Das bisher oft nötige Rätselraten hinsichtlich der Schutzklasse oder das lästige Suchen nach der entsprechenden Angabe auf dem Gerät können somit entfallen.

Abweichungen von den Vorgaben sind möglich

Abweichungen von den in den Erläuterungen aufgeführten Vorgaben zum Feststellen des Isolationswiderstands oder des Ableitstroms

  • sind in den Normen für einige Sonderfälle, z.B. für Geräte mit elektrisch zu betätigenden Schalteinrichtungen, zugelassen oder
  • können vom verantwortlichen Prüfer entschieden werden, wenn die erforderliche Sicherheit dennoch oder auf andere Weise gewährleistet wird.

Zusätzliche Prüfungen können nötig sein

Vom Prüfer ist auch zu entscheiden, ob über die Vorgaben aus der VDE 0701-0702 zum Nachweis der elektrischen Sicherheit hinaus weitere Prüfungen vorzunehmen sind, deren Notwendigkeit sich aus den Besonderheiten des zu prüfenden Geräts ergibt oder die zum Nachweis der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen gegenüber nicht elektrischen Gefährdungen erforderlich sind. Zur Prüfung gehört auch, dass der ordnungsgemäße und sichere Ablauf der Grundfunktionen des Geräts nachgewiesen wird.

Besonderheiten des Einsatzorts und der -bedingungen

Der Umfang der Prüfung wird auch durch den Einsatzort des Prüflings bestimmt. Die besonderen Beanspruchungen - z.B. auf Baustellen - können besondere Prüfgänge und ein häufigeres, mitunter sogar tägliches Kontrollieren/Prüfen erforderlich machen. Die erschwerte Zugänglichkeit oder die Anforderungen des Betriebsablaufs können hingegen zu Einschränkungen der Prüfmöglichkeiten und der Prüfverfahren führen.

Wenn sich dadurch Einschränkungen bezüglich der Beurteilung der Sicherheit des zu prüfenden Geräts ergeben, sind diese in der Dokumentation der Prüfung anzugeben.

Abb. 2a-c: Geräte, die keine berührbaren leitenden Teile aufweisen, sodass der Nachweis der Wirksamkeit einer Schutzmaßnahme nicht erforderlich ist. Es muss und kann auch keine der für diese Nachweise üblichen Messungen vorgenommen werden.

Geräte, die keine berührbaren leitenden Teile aufweisen

Hier geht es weiter mit: Messung des Schutzleiterwiderstands

Autoren: Dipl.-Ing. Klaus Bödeker, Stefan Euler

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