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Welche Prüfnorm gilt?

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Bei so vielen Prüfnormen verliert man leicht den Überblick.

Für Wiederholungsprüfungen elektrischer Geräte gilt nunmehr die DIN VDE 0701-0702. Wie aber ist es bei elektrischen Betriebsmitteln oder Maschinensteuerungen? Welche Norm ist bei Erstprüfungen von Geräten und Betriebsmitteln heranzuziehen?

Benennung elektrischer Betriebsmittel nicht eindeutig geregelt

Wissen müsste man auch, unter welchen Bedingungen die verschiedenen Bezeichnungen anzuwenden sind und welche technischen Unterschiede zwischen den genannten Erzeugnissen bestehen.

Es gibt keine allgemeingültige Regelung für das Benennen elektrischer Erzeugnisse und der ihnen zugeordneten Normen und auch keine sie gegeneinander eindeutig abgrenzenden Definitionen. Jeder Hersteller/Betreiber kann seine Erzeugnisse beliebig benennen.

Perfektes Durcheinander

Das Durcheinander ist perfekt. Eine Handbohr- oder Waschmaschine wird als Gerät eingeordnet, Reinigungs-, Schweiß- und andere Geräte haben mitunter bereits den Charakter einer Maschine und bei Schweiß- oder anderen Einrichtungen hat man freie Wahl: Eine große Maschine ist eine Anlage. Und nach DIN VDE 0105-100 sind Betriebsmittel nach der Gerätenorm DIN VDE 0701-0702 zu prüfen. Da dies alles elektrische Erzeugnisse (Betriebs-, Arbeitsmittel) sind und es bei allen um die gleiche Elektrosicherheit geht, ist es völlig egal, wie sie benannt werden. Alle müssen den gleichen EU-Richtlinien genügen und die gleichen Sicherheitsanforderungen erfüllen.

Ebenso bei den Prüfnormen. Unabhängig von ihrer Bezeichnung, kommt es immer zu Überschneidungen der Geltungsbereiche (Betriebsmittel – Gerät, Maschine – Anlagenteil) und alle enthalten sie gleiche Vorgaben (Prüfungen) zum Nachweis der gleichen Schutzmaßnahmen. Der Prüfer soll nun tun, was die Normensetzer nicht geschafft haben, die Prüflinge exakt den Normen zuzuordnen. Dies ist aber weder möglich noch nötig. Die Betriebssicherheitsverordnung verlangt, Sicherheit und Gesundheitsschutz zu gewährleisten und die Arbeitsmittel zu diesem Zweck zu prüfen, sie gibt aber nicht vor, nach welcher technischen Regel/Norm diese Prüfung erfolgen soll.

Prüfer muss entscheiden

Das heißt, der verantwortliche Prüfer (befähigte Person) hat zu klären, welche technischen Regeln für das Prüfen existieren und welche davon bei dem jeweiligen Erzeugnis anzuwenden sind. Die Bezeichnungen Geräte (DIN VDE 0701-0702) oder Anlagen (DIN VDE 0105-100/0100-610) sind für ihn dabei eine grobe Orientierung. Diese Situation zwingt den verantwortlichen Prüfer, alle Prüfnormen zu kennen und das für seinen Prüfling optimale Prüfprogramm festzulegen. Das kann die eine oder die andere Norm sein, eventuell sind mehrere Einzelprüfungen aus beiden Normen auszuwählen.

Die DIN VDE 0701-0702 als "universelle" Norm

Wer ihre Vorgaben vergleicht, wird feststellen, dass DIN VDE 0701-0702 den Anforderungen am besten entspricht. Problemlos können alle Arten der Betriebsmittel geprüft werden; ebenso auch Maschinensteuerungen, sofern diese nicht als Anlage einzuordnen sind. Mit wenigen Ergänzungen ist sie eine Anlagenprüfnorm. Jeder verantwortliche Prüfer sollte sich mit dieser „universellen“ Norm eingehend beschäftigen.

Autor: Dipl.-Ing. Karl-Heinz Philipp

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