3/5 Sterne (1 Stimme)
VDE-Studie: Dezentrale Energieversorgung 2020 3 5 1

VDE-Studie: Dezentrale Energieversorgung 2020

(Kommentare: 0)

2020: Dezentrale Energieversorgung - Bild
2020: Dezentrale Energieversorgung

Hoher Investitionsbedarf in Stromnetze: Die Kombination von dezentraler und zentraler Energieversorgung wird in Deutschland Primärenergie wie Kohle und Öl einsparen, CO2-Emissionen reduzieren sowie die Abhängigkeit von Energieimporten verringern. Diese innovative Kombination setzt auf die stärkere Nutzung erneuerbarer Energien sowie die Kraft-Wärme-Kopplung und verringert außerdem die Netzverluste beim Transport von Strom.

Wichtigste Ergebnisse der Studie

Der VDE geht von einem Versorgungspotenzial dezentraler Systeme von 10-20 Prozent des Stromabsatzes bis zum Jahre 2020 aus. Darüber hinaus wird sich der Wirkungsgrad der Kraftwerke um weitere 10 Prozent verbessern. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse der VDE-Studie „Dezentrale Energieversorgung 2020".

Allerdings macht die Studie den Erfolg des Konzepts von einem hocheffizienten Energiemanagement sowie Investitionen in die Stromnetze abhängig. Die Studie sieht einen hohen Investitionsbedarf in die Netze, in „virtuelle Kraftwerke" sowie in die Aufrüstung der gesamten Stromversorgung mit Informationstechnik. Intelligentes Energiemanagement kann, so der VDE, zu einem Exportschlager „Made in Germany" werden.
Berechnungen des VDE zeigen, dass sich der CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 % senken lässt. Kernpunkte dieses Szenarios sind:

  • ein deutlich geringerer Einsatz fossiler Brennstoffe,
  • der signifikante Ausbau regenerativer Energien und der dezentralen Energieversorgung auf einen Anteil von 25 %
  • sowie die Nutzung der Kernenergie auf heutigem Niveau.

Prognose für 2020: sinkender Wärmebedarf, höhere Stromnachfrage

Die von Experten der Energietechnischen Gesellschaft im VDE ausgearbeitete Studie prognostiziert für das Jahr 2020 einen gegenüber 2006 deutlich veränderten Energiebedarf. Hierbei ist unterstellt, dass aufgrund von Energiesparmaßnahmen, aber auch einer abnehmenden Bevölkerung der Wärmebedarf um bis zu 50% sinken, die Nachfrage nach Strom um 10% - bei um 30% höheren Strompreisen - ansteigen wird. Zwar werden die einzelnen Verbrauchsgeräte aufgrund immer verbesserter Technik immer weniger Strom benötigen, aber deren absolute Menge wird bis zum Jahr 2020 zunehmen. So wird der Stromverbrauch in der Industrie (- 0,85%) und bei Beleuchtungskörpern (- 0,8%) leicht sinken. Durch die Informations- und Telekommunikationstechnik (+ 3,0%), Gewerbe/Handel/Dienstleistung (+ 1,8%), den Verkehr (+ 0,8%), den Haushalt (+ 1,4%), aber auch durch die zunehmende Klimatisierung von Räumen (+ 2%) wird dieser Effekt wieder aufgezehrt.

Voraussetzungen für das Nebeneinander von zentralen und dezentralen Versorgungssystemen

Das künftige Nebeneinander von zentralen und dezentralen Versorgungssystemen verlangt nach Ansicht der VDE-Experten unter anderem Folgendes:

  • Insbesondere der verstärkte Einsatz regenerativer Energien benötigt über alle Spannungsebenen gut ausgebaute Stromnetze, die den dezentral erzeugten Energiezufluss bewältigen können. Da zum Beispiel Strom aus Windkraft bisher nicht gespeichert werden kann, müssen Kraftwerke und Netze so flexibel ausgelegt sein, dass sie zu jeder Zeit einen Ausgleich zwischen Erzeugung und Verbrauch sicherstellen können. Außerdem werden sich die künftig aufgrund der Windenergieeinspeisung von Nord nach Süd sowie die wegen des internationalen Stromhandels von Ost nach West gehenden Lastflüsse überlagern und ganz neue Anforderungen an die Netze stellen. Die Forschung muss insbesondere im Bereich der Energiespeicherung intensiviert werden.
  • Durch den steigenden Anteil verteilter und erneuerbarer Erzeugung werden sich die Leistungsflüsse teilweise umkehren: Floss der Strom bisher aus den Übertragungsnetzen in die Verteilungsnetze, wird künftig - durch die zunehmende Einspeisung von Kleinerzeugern - der Strom auch in die andere Richtung fließen. Um künftig kritische Netzsituationen meistern zu können, empfiehlt der VDE die Einführung von großräumigen Automatisierungs- und Schutzsystemen sowie ein Echtzeit-Sicherheitsmanagement, das in kritischen Situationen für die Stabilität des Netzes sorgt.

Nach Ansicht des VDE lassen sich die Ziele der EU, den Anteil erneuerbarer Energien auf 22 Prozent und die Energie aus Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen auf 18 Prozent zu steigern, nur mit dem Mix aus zentraler und dezentraler Energieversorgung erreichen. Dies muss - angesichts der aktuellen Diskussion um den Klimawandel - ein originäres Interesse der Politik sein.

Konsequenzen

Als Konsequenz aus den Erkenntnissen der Studie fordert der VDE als ersten Schritt die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes für die Energieversorgung mit der Einbettung dezentraler Erzeuger, um die Leistung dezentraler Systeme für die Gesamtversorgung optimal einzubringen. Darüber hinaus müssen Kraft-Wärme-Kopplungssysteme mit höheren Stromkennziffern, also einem höheren Strom/Wärmeverhältnis entwickelt werden. In der Leittechnik sind Standards für die Schnittstellen, einheitliche Übertragungsprotokolle und neue Regelungskonzepte zu entwickeln, um das einwandfreie Zusammenspiel aller leittechnischen Komponenten zur Steuerung des Lastflusses zu gewährleisten. Und schließlich regt der VDE eine staatliche Anschubfinanzierung zur Einbindung dezentraler Versorgungsstrukturen in das Gesamtsystem an.

Zurück

Kommentare

Diskutieren Sie mit

* Pflichtfeld