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VDE-Institut wird Prüfstelle für Elektrizitätsmessgeräte

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VDE-Institut ist nun auch Prüfstelle für Messgeräte für Elektrizität
(Bildquelle: Jupiterimages/liquidlibrary/Thinkstock)

Der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) gab kürzlich bekannt, dass das VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut in Offenbach staatlich anerkannte Prüfstelle für Messgeräte für Elektrizität (EHE9) geworden ist. Damit erhält das Institut nun die Befugnis, Eichungen und Befundprüfungen von Versorgungsmessgeräten durchzuführen.

Doch was bedeutet Befundprüfung und wofür stehen die Kürzel? Die Redaktion nimmt die Meldung zum Anlass für eine kurze Übersicht zum Eich- und Messwesen.

Grenzen der Genauigkeit

Physikalische Messungen sind niemals zu 100 Prozent genau. Zu jeder Messung gehört eine Messabweichung, die physikalisch und technisch nicht zu verhindern ist. Jeder kennt dies aus dem behördlichen Schreiben, nachdem man mit seinem Fahrzeug geblitzt wurde. Hier ist bei der Berechnung der Geschwindigkeitsüberschreitung zum Festlegen der Höhe des Verwarnungeldes von einem Toleranzabzug die Rede.

Umgangssprachlich werden solche unvermeidbaren Messungenauigkeiten oft als Messfehler bezeichnet. Der Begriff ist jedoch irreführend, weil es sich weder um einen Fehler des Messgeräts noch um einen Fehler der Person handelt, die das Gerät bedient oder auswertet. Es handelt sich dabei um eine Eigenheit jedes Messvorgangs.

Davon unabhängig können weitere Messungenauigkeiten dazukommen, wenn Messgeräte z.B.

  • nicht fachmännisch bedient oder gewartet werden,
  • durch Abnutzung oder Beschädigungen verschleißen,
  • für andere als die vom Hersteller vorgesehenen Zwecke eingesetzt oder
  • unter nicht für sie geeigneten Umgebungsbedingungen eingesetzt werden.

Alle Messgeräte, deren Messgenauigkeit im öffentlichen Interesse liegt, fallen unter die Eichpflicht. Ob Zapfsäule oder Wasserzähler, Taxameter oder Gemüsewaage, die technischen Geräte, mit denen solche Werte erfasst werden, müssen korrekt und möglichst exakt funktionieren. Dies gilt auch für Messgeräte für Elektrizität. So unterscheidet man z.B. Erst- und Nacheichungen von Stromzählern, wobei die Ersteichungen im Rahmen der Konformitätsbewertung vom Hersteller vorgenommen werden.

Staatlich anerkannte Prüfstellen im Eichwesen

Die gesetzlichen Vorschriften zum Eich- und Messwesen schaffen die Grundlage für saubere und korrekte Messwerte. Dies soll Verbraucher und nicht zuletzt auch Unternehmen immer dann schützen, wenn Dienstleistungen und Güter messbar erworben und abgerechnet werden. Details regeln das Mess- und Eichgesetz (MessEG), die Mess- und Eichverordnung (MessEV) und die Mess- und Eichgebührenverordnung (MessEGebV).

Über das Einhalten der Vorschriften zum Eichwesen gemäß Eichverordnung wachen die Eichämter der Länder. Auf Bundesebene hat die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) die Aufgabe, Qualität und Einheitlichkeit im Messwesen zu überwachen. Ziel der staatlichen Eich- und Messvorgaben ist das Sicherstellen von Messgenauigkeit und Messqualität auf hohem Niveau.

Messgeräte für Elektrizität werden in der Regel von staatlich anerkannten Prüfstellen geeicht. Das Gleiche gilt auch für technische Geräte zur Messung der Flüsse bzw. Verbräuche von Gas, Wasser oder Wärme. Indem Unternehmen solche Aufgaben übernehmen, entlasten sie den Staat beim Vollzug des Eichgesetzes. Diese Unternehmen werden dann als sogenannte beliehene Unternehmen bezeichnet.

Stromzähler für Abrechnungszwecke müssen geeicht sein
Stromzähler für Abrechnungszwecke müssen geeicht sein (Bildquelle: EdnaM/iStock/Thinkstock)

Auch jede Prüfstelle für Elektrizitätsmessgeräte muss vor Aufnahme Ihrer Arbeit von einer zuständigen Eichbehörde anerkannt werden. Der Prüfstelle – in diesem Beispiel dem VDE-Institut – werden mit der Anerkennung hoheitliche Aufgaben übertragen. Das Institut arbeitet damit im staatlichen Auftrag und unter staatlicher Überwachung. Die Eichbehörde bleibt nach wie vor für die Kontrolle und Aufsicht zuständig, der auch das beliehene Unternehmen/Institut unterliegt.

Jede staatlich anerkannte Prüfstelle für Messgeräte für Elektrizität erhält eine Kennung, hier EHE9. Mit einer solchen Kombination aus Buchstaben und Ziffern werden Prüfstellen offiziell charakterisiert. Der erste Buchstabe kennzeichnet die Art des Messgeräts.

  • E: Messgeräte für Elektrizität
  • G: Messgeräte für Gas
  • K: Messgeräte für Wärme
  • W: Messgeräte für Wasser

Die weiteren Buchstaben verweisen auf das Bundesland und damit die zuständige Behörde. (HE steht für Hessen). Diese Behörde legt eine Ordnungsnummer für jede Prüfstelle fest, die an die Buchstabenkombination angehängt wird. Damit ist jede anerkannte Prüfstelle bundesweit stets eindeutig identifizierbar.

Eichung oder Befundprüfung?

Eichungen werden durch eine Kennzeichnung (Eichstempel, Eichplakette o.Ä.) deutlich gemacht. Eichungen sind grundsätzlich befristet.

Befundprüfungen finden statt, wenn Zweifel an der Messgenauigkeit eines Messgeräts bestehen. Genau wie Eichungen dürfen Befundprüfungen nur durch eine staatlich anerkannte Prüfstelle vorgenommen werden. Jeder, der „ein begründetes Interesse an der Messrichtigkeit darlegt“ – so heißt es in § 39 des MessEG –, kann bei der zuständigen Eichbehörde beantragen, zu prüfen, ob das Messgerät die vorgeschriebenen Anforderungen erfüllt und seine Eichfehlergrenzen einhält. Eichfehlergrenzen sind als maximal zulässige Abweichungen („Fehler“) für eichpflichtige Messgeräte festgesetzt.

Sicherheitstechnische und messtechnische Prüfvorgänge unterscheiden

Der Vorgang der Eichung oder Befundprüfung darf nicht mit der Prüfung als elektrisches Betriebsmittel nach DGUV Vorschrift 3 bzw. VDE 0701-0702 verwechselt werden. Ebenso sagt eine Eichplakette nichts über das Erfüllen von Prüfvorschriften und eine Prüfplakette ist kein Nachweis einer Eichung.

Die sicherheitstechnische Prüfung wird von einer Elektrofachkraft oder unter Aufsicht einer Elektrofachkraft vorgenommen. Eine Eichung als messtechnische Prüfung (messtechnische Kontrolle laut Medizinproduktegesetz) darf jedoch nur vornehmen, wer bei der zuständigen Eichbehörde offiziell angezeigt ist. Auch langjährige und hoch qualifizierte Elektrofachkräfte mit umfassenden Kenntnissen und Erfahrungen im Messwesen dürfen niemals eigenständig Eichaufgaben übernehmen.

Wer als Elektrofachkraft eines Energieversorgers oder Elektrohandwerkbetriebs den Verdacht hat, dass ein Messgerät für Elektrizität fehlerhaft misst oder gar manipuliert wurde, sollte sich für eine Befundprüfung an die zuständige Eichbehörde wenden. Welches Amt hinsichtlich von Fragen rund um Messung und Eichung für Sie zuständig ist, können Sie online unter www.eichamt.de nachschlagen.

Autor: Dr. Friedhelm Kring

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