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Die neue VDE 0100-420

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Mit der VDE 0100-420 wurde eine der wichtigsten Schutznormen der 400er-Reihe novelliert.
Mit der VDE 0100-420 wurde eine der wichtigsten Schutznormen der 400er-Reihe novelliert. (Bildquelle: bee32/iStock/Thinkstock)

Eine der wichtigsten Schutznormen der 400er-Reihe für die Elektrotechnik ist in diesem Jahr novelliert worden: die VDE 0100-420 "Errichten von Niederspannungsanlagen Teil 4-42: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen thermische Auswirkungen". Der Anwendungsbeginn wurde auf den 01.02.2016 gelegt, bis spätestens 17.02.2017 müssen alle entgegenstehenden Normen zurückgezogen werden.

Für die Norm ist das nationale Arbeitsgremium UK 221.2 „Schutz gegen thermische Auswirkungen/Sachschutz“ der DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE zuständig.

Wichtige Änderungen der neuen VDE 0100-420

Gegenüber der letzten überarbeiteten Normfassung vom Februar 2013 wurden laut deutschem Vorwort 2016 die nachfolgenden wesentlichen Änderungen durchgeführt:

  • Aufnahme von zusätzlichen Anforderungen zur automatischen Abschaltung bei gefährlichen Lichtbögen mit Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (AFDDs)
  • Aufnahme eines informativen Anhangs A zu Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (AFDDs)
  • Aufnahme von Hinweisen im Nationalen Vorwort zur vorgesehenen Anpassung der besonderen nationalen Bedingungen, A-Abweichungen und B-Abweichungen für Deutschland
  • Aufnahme eines informativen Nationalen Anhangs „Information zu den Euroklassen von Kabeln und Leitungen nach VERORDNUNG (EU) Nr. 305/2011 (Bauproduktenverordnung)“

Wichtige Inhalte der neuen VDE 0100-420

Elektrische Anlagen

Die VDE 0100-420:2016-02 gilt für elektrische Anlagen in Bezug auf Maßnahmen zum Schutz von Personen, Nutztieren und Sachen (Unterabschnitt 420.1). Dieser Schutz bezieht sich auf Vorkehrungen gegen:

  • thermische Einflüsse, Verbrennung oder Zersetzung von Materialien sowie Brandgefahr, ausgehend von elektrischen Betriebsmitteln
  • die Verbreitung von Flammen und Rauch (Brandfall) von elektrischen Anlagen in benachbarten Brandabschnitten und
  • die Beeinträchtigung der sicheren Funktion elektrischer Einrichtungen einschließlich der Funktionen für Sicherheitszwecke

Keine Brandgefahr durch Wärme

Allgemein wird festgehalten, dass die Wärme, die von elektrischen Betriebsmitteln erzeugt wird, keine Gefahr oder schädlichen Auswirkungen hervorufen darf auf benachbartes festes Material oder Material, das sich vorhersehbar in der Nähe dieser Betriebsmittel befinden kann. Zudem darf von den verwendeten elektrischen Betriebsmitteln keine Brandgefahr für benachbartes Material ausgehen. In einer informativen Anmerkung verweist die Norm darauf, dass Schädigungen, Verletzungen oder Entzündungen insbesondere durch

  • Wärmestau, Wärmestrahlung oder heiße Teile,
  • eine Beeinträchtigung der sicheren Funktion elektrischer Betriebsmittel, z.B. Schutzeinrichtungen wie Schutzschalter, Thermostate, Temperaturbegrenzer, Kabelabschottungen und Kabel- und Leitungsanlagen,
  • Überstrom,
  • Isolationsfehler und/oder Störlichtbögen,
  • Oberschwingungsströme,
  • Einschlag von Blitzen (siehe Normenreihe DIN EN 62305 (VDE 0185-3059)),
  • Überspannungen (siehe DIN VDE 0100-443 (VDE 0100-443)) oder
  • eine ungeeignete Auswahl oder Errichtung von Betriebsmitteln

verursacht werden können.

Angaben des Herstellers berücksichtigen

Ergänzend wird angemerkt, dass zu den Anforderungen der Normen der Reihe VDE 0100 auch die für die Errichtung relevanten Hinweise des Herstellers der elektrischen Betriebsmittel berücksichtigt werden müssen.

Lichtbögen oder Funken

Wenn bei bestimmungsgemäßem Betrieb Lichtbögen oder Funken aus fest angebrachten Betriebsmitteln austreten können, müssen diese laut Abschnitt 421.3 entweder

  • völlig in lichtbogenbeständigen Werk- oder Baustoffen eingeschlossen sein oder
  • durch lichtbogenbeständige Werk- oder Baustoffe von Materialien abgetrennt werden, auf welche die Lichtbögen schädigende Einwirkungen haben können, oder
  • so errichtet werden, dass eine sichere Löschung von Lichtbögen und Funken in einem ausreichenden Abstand von den Materialien möglich ist, ohne dass schädigende Einwirkungen entstehen.
Achten Sie auf Brandschutz
Achten Sie auf Brandschutz (Bildquelle: SKunevski/iStock/Thinkstock)

Anforderungen an Schalt- und Steuergeräte

Laut Abschnitt 422.2.2 dürfen bei Evakuierungsmaßnahmen unter den genannten Personendichtebedingungen Schalt- und Steuergeräte (mit Ausnahme solcher Geräte, die die Flucht und Rettung erleichtern) nur den dafür zugelassenen Personen zugänglich sein. Wenn Schalt- und Steuergeräte in Durchgängen angeordnet sind, müssen diese grundsätzlich in Schränken oder Gehäusen aus nicht brennbarem oder schwer entflammbarem Material untergebracht sein. Die Verwendung elektrischer Betriebsmittel, die entzündliche Flüssigkeiten enthalten, ist laut Abschnitt 422.2.3 untersagt – dies gilt allerdings nicht für einzelne in Betriebsmittel eingebaute Kondensatoren (u.a. Entladungsleuchten und Kondensatoren für den Motoranlauf).

Kabel- und Leitungsanlagen

Außer in den Fällen, in denen Kabel/Leitungen und Kabel- und Leitungsanlagen in nicht brennbarem Material eingebettet sind, dürfen laut Abschnitt 422.3.4 ausschließlich nicht flammenausbreitende Kabel- und Leitungsanlagen verwendet werden. Entsprechende Betriebsmittel müssen mit den nachfolgenden Prüfungsanforderungen konform sein:

  1. Kabel/Leitungen müssen die Prüfung unter Brandbedingungen nach DIN EN 60332 (VDE 0482-332) bestehen.
  2. Elektroinstallationsrohrsysteme müssen die Prüfung zum Widerstand gegen Flammenausbreitung nach DIN EN 61386 (VDE 0605) bestehen.
  3. Zu öffnende Elektroinstallationskanalsysteme und geschlossene Elektroinstallationskanalsysteme müssen die Prüfung zum Widerstand gegen Flammenausbreitung, nach DIN EN 50085 (VDE 0604) bestehen.
  4. Kabelwannensysteme und Kabelpritschensysteme müssen die Prüfung zum Widerstand gegen Flammenausbreitung nach DIN EN 61537 (VDE 0639) bestehen und
  5. Stromschienensysteme müssen die Prüfung zum Widerstand gegen Flammenausbreitung nach DIN EN 61534 (VDE 0604) bestehen.
Beachten Sie die Anforderungen an Kabel- und Leitungen
Beachten Sie die Anforderungen an Kabel- und Leitungen (Bildquelle: Ingram Publishing/Ingram Publishing/Thinkstock)

Empfohlene Kabel und Leitungen

Laut der für Deutschland geltenden Anmerkung 1 erfüllen Bauarten nach Tabelle 1 der VDE 0100-420 die Normanforderungen. PVC-ummantelte Kabel und Leitungen, z.B. NYM und NYY, erfüllen die Anforderungen an die vertikale Flammausbreitung nach DIN EN 60332-1-2 (VDE 0482-332-1-2). Die Empfehlung, Kabel und Leitungen mit verbessertem Verhalten im Brandfall auszuwählen, ist laut der für Deutschland geltenden Anmerkung 2 grundsätzlich erfüllt, wenn die Bauarten nach Tabelle 1 angewendet werden. Diese Kabel- und Leitungsbauarten besitzen auch einen verbesserten Schutz vor Korrosionsschäden durch Halogene und vor Rauchschäden.

Anhang A: Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (AFDDs)

Im neuen informativen Anhang A enthält die Norm verschiedene Angaben zum Thema Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (AFDDs). Danach haben Brände, die durch elektrische Anlagen verursacht werden, ihren Ursprung häufig in Fehlerlichtbögen. Parallele und serielle Lichtbögen entstehen:

  • durch fehlerhafte Isolierung aktiver Leiter oder
  • durch lose elektrische Verbindungen
Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) schützen Ihre Anlagen
Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) schützen Ihre Anlagen (Bildquelle: DMacLeod/iStock/Thinkstock)

Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass bei einem seriellen Lichtbogen kein Ableitstrom zur Erde vorhanden ist und die klassischen Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) diese Fehler deshalb nicht erkennen. Zudem reduziert die Impedanz des seriellen Lichtbogens den Laststrom, wodurch der Strom grundsätzlich unter dem Auslösegrenzwert von Leitungsschutzschaltern, Leistungsschaltern oder Sicherungen bleibt. Bei parallelen Lichtbögen (Lichtbögen zwischen zwei Außenleitern oder Außenleiter und Neutralleiter) ist der Strom durch die Impedanz der Installation und durch den Lichtbogen selbst begrenzt. Deshalb kann der resultierende Strom auch hier unter dem Auslösegrenzwert von Leitungsschutzschaltern, Leistungsschaltern oder Sicherungen liegen. Diese Fehlerzustände werden durch Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (AFDDs) erkannt.

Autor: Ernst Schneider

Tipp der Redaktion
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