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Unterweisungen in der Elektrotechnik

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Auch Auszubildende müssen die Grundlagen der Elektrosicherheit lernen
Auszubildende sind mind. halbjährlich zu unterweisen (Bildquelle: monkeybusinessimages/iStock/Thinkstock)

Der größte Risikofaktor für Arbeitsunfälle in Unternehmen liegt nicht im technischen Bereich, es ist der Faktor Mensch. Der Gesetzgeber sieht daher Unterweisungen für Beschäftigte vor. Dies betrifft auch die Elektrosicherheit. Jeder Mitarbeiter, der elektrotechnische Arbeiten übernimmt, ob als Elektrofachkraft oder elektrotechnisch unterwiesene Person, muss zuvor über die Gefährdungen, Verhaltensregeln und Schutzmaßnahmen unterwiesen worden sein.

Eine Unterweisungspflicht wird an vielen Stellen gesetzlich gefordert. Schon im Arbeitsschutzgesetz heißt es

§ 12 Arbeitsschutzgesetz

„Der Arbeitgeber hat die Beschäftigten über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit während ihrer Arbeitszeit ausreichend und angemessen zu unterweisen.“

Ähnliche Formulierungen finden sich im Jugendarbeitsschutzgesetz, im Betriebsverfassungsgesetz, in der Betriebssicherheitsverordnung, der Baustellenverordnung und vielen anderen Stellen im Technischen (staatlichen) wie auch im berufsgenossenschaftlichen Regelwerk.

Die Unterweisungspflicht liegt beim Arbeitgeber

Wichtig aus Sicht der Elektrofachkraft ist: Die gesetzliche Unterweisungspflicht richtet sich nicht direkt an die Elektrofachkraft, sondern an den Arbeitgeber bzw. bei Anlagen laut Störfallverordnung an den Betreiber, also i. d. R. den Unternehmer. De facto dürfte in vielen Betrieben jedoch eine Elektrofachkraft Unterweisungen in Sachen Elektrosicherheit durchführen. Allein schon deshalb, weil der Betriebsleiter oder Geschäftsführer in vielen Fällen nicht über die erforderliche Qualifikation und Fachkompetenz verfügt. Im Arbeitsschutzrecht ist für diese Fälle vorgesehen, dass der Arbeitgeber seine Unterweisungspflicht an eine dafür geeignete Person delegieren darf. Unbedingt zu empfehlen ist, dass Sie für dieses Delegieren von Unterweisungspflichten die Schriftform wählen.

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Jeder muss unterwiesen werden

Die Unterweisungspflicht betrifft jeden. Es spielt dabei keine Rolle, ob jemand als fester Mitarbeiter und vollzeitbeschäftigt ist oder nur vorübergehend im Betrieb arbeitet. Daher müssen auch Teilzeitkräfte, Saisonarbeitskräfte, Aushilfen, Praktikanten, Werkstudenten, 400-Euro-Jobber usw. unterwiesen werden, und zwar bevor diese Mitarbeiter mit ihrer Tätigkeit beginnen.

Solche Nicht-Vollzeit-Mitarbeiter dürften zwar im Betrieb eher selten als elektrotechnisch unterwiesene Personen qualifiziert werden. Dennoch sollten je nach Tätigkeit auch hier Aspekte der Elektrosicherheit in die notwendigen Sicherheitsunterweisungen einfließen, etwa der sicherheitsgerechte Umgang mit elektrischen Betriebsmitteln oder für wen welche Zugangsbeschränkungen zu elektrischen Anlagen gelten usw.

Wird das Unterweisen versäumt, und es kommt zu einem Unfall oder Störfall, so dürften die Arbeitsschutzbehörden, die Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse und ggf. auch der Staatsanwalt dem betroffenen Unternehmen viele Fragen stellen. Dabei wird es auch darum gehen, ob die Beschäftigten zu Schutzmaßnahmen und Sicherheitsregeln unterwiesen wurden und wie dies dokumentiert wurde.

Eine jährliche Unterweisung reicht nicht

Abb. 1: Bei der Übernahme einer neuen Aufgabe ist eine Unterweisung notwendig (Bildquelle: monkeybusinessimages/iStock/Thinkstock)

praktische Unterweisung der Mitarbeiter

In vielen Veröffentlichungen und auf Onlineportalen liest man meist, dass einmal jährlich unterwiesen werden muss. Das ist zwar richtig und steht so in der DGUV Vorschrift 1 "Grundsätze der Prävention", doch es ist nur die halbe Wahrheit. Denn eine einmal jährliche Unterweisung erfüllt lediglich die Minimalforderung. Im realen betrieblichen Alltag können deutlich häufigere Unterweisungsintervalle notwendig sein.

Immer, wenn eine der folgenden Situationen zutrifft oder eintrifft, sollte der Unterweisungsplan überarbeitet und ggf. weitere Termine angesetzt werden:

  • Es wurden neue Mitarbeiter eingestellt. (Hier ist die Erstunterweisung stets VOR Aufnahme einer Tätigkeit vorgeschrieben.)
  • Mitarbeiter wechseln den Arbeitsplatz und erhalten neue Aufgaben.
  • Ein Mitarbeiter kommt nach einer längeren Pause, z.B. wegen Elternzeit oder nach Krankheit, wieder zurück in den Betrieb.
  • Eine neue Maschine oder Anlage wurde in Betrieb genommen.
  • Neue Methoden, Arbeitsverfahren, Materialien oder Betriebsstoffe usw. wurden eingeführt.
  • Der Gefährdungsgrad einer Tätigkeit hat sich erhöht, z.B. durch neue Randbedingungen und Einflussfaktoren.
  • Wiederholt werden sicherheitsrelevante Verhaltensregeln und festgelegte Schutzmaßnahmen von Beschäftigten missachtet.
  • Es hat einen Arbeitsunfall oder Beinahe-Unfall gegeben.
  • Sicherheitsvorgaben haben sich geändert, z.B. im Technischen Regelwerk oder den Vorgaben des Unfallversicherungsträgers.
  • Ein erhöhter Krankenstand in einer bestimmten Abteilung oder bei Mitarbeitern mit bestimmten Aufgaben wird verzeichnet.

Darüber hinaus gilt, dass Auszubildende mindestens halbjährlich unterwiesen werden müssen. Und auch diese Frist ist eine Mindestforderung. Wenn es z.B. mit Auszubildenden zu sicherheitsrelevanten Zwischenfällen kommt, müssen sie ggf. öfter unterwiesen werden.

Autor: Dr. Friedhelm Kring

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