3,8/5 Sterne (14 Stimmen)
Unterweisung: Erste Hilfe bei Elektrounfällen 3.8 5 14

Unterweisung: Erste Hilfe bei Elektrounfällen

(Kommentare: 0)

Erste Hilfe bei Elektrounfällen birgt besondere Gefahren
Erste Hilfe bei Elektrounfällen birgt besondere Gefahren (Bildquelle: Comstock/Stockbyte/Thinkstock)

In vielen Branchen und Betrieben sind durch den elektrischen Strom ausgelöste Arbeitsunfälle eher selten. Der Anteil der Unfälle, die tödlich ausgehen, ist bei Elektrounfällen jedoch besonders hoch. Dazu bestehen bei Stromunfällen oft Elektrogefahren auch für die Ersthelfer und Rettungskräfte. Gute Gründe, das Verhalten bei Stromunfällen auf die Liste der Sicherheitsunterweisungen zu setzen.

Die Zahl der tödlichen Stromunfälle hat in Deutschland seit den 1970er Jahren mit geringen Schwankungen fast kontinuierlich abgenommen. Der Anteil der Stromunfälle an den Arbeitsunfällen insgesamt pendelt seit Jahren um 1,5 Prozent. Das heißt, bei etwa jedem 65. Arbeitsunfall spielt der Umgang mit Elektrizität eine entscheidende Rolle. Arbeitgeber, Betriebsärzte und betriebliche Arbeitsschützer sollten daher beim Unterweisen zu Erster Hilfe stets auch auf die besonderen Aspekte eines Stromunfalls eingehen.

Diese Akteure im betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz sind gut beraten, in eine Unterweisung zur Ersten Hilfe die Elektrofachkraft einzubinden. Nachfolgend einige wichtige Aspekte zur Ersten Hilfe aus der Sicht der Elektrofachkraft.

Tipp der Redaktion
Wiederholungsschulung zur EuP

Unterweisen Sie Ihre elektrotechnisch unterwiesenen Personen mit der Wiederholungsschulung 2016 einfach und ohne viel Aufwand.

Ziel ist es, die elektrotechnisch unterwiesene Person für die Gefahren und Auswirkungen durch elektrischen Strom zu sensibilisieren und ihr richtige Verhaltensregeln und Maßnahmen im Fall eines Stromunfalls an die Hand zu geben.

Drei Fakten, die jeder zur Ersten Hilfe wissen sollte

1. Erste Hilfe ist eine gesetzliche Pflicht!
Wer einem Kollegen bei einem Notfall nicht zu Hilfe kommt, macht sich wegen „unterlassener Hilfeleistung“ gemäß § 323c Strafgesetzbuch strafbar. Die Hilfeleistung muss jedoch zumutbar sein und möglich, ohne sich selbst in erhebliche Gefahr zu bringen.

Räumen Sie mit dem Missverständnis auf, diese Pflicht zur Ersten Hilfe sei am Arbeitsplatz weniger bedeutsam als etwa in der Fußgängerzone, da im Betrieb ja Ersthelfer vorhanden seien. Richtig ist, dass in Unternehmen in Abhängigkeit von Branche und Größe eine bestimmte Zahl von Ersthelfern vorgegeben ist. Richtig ist auch, dass diese Mitarbeiter bei einem Arbeitsunfall sofort gerufen werden sollten. Falsch ist jedoch, dass ein Ersthelfer in der Nähe die eigene Pflicht zur Ersten Hilfe vermindert.

2. Erste Hilfe ohne falsche Scheu!
Niemand muss nach einer Erste-Hilfe-Leistung befürchten, für einen evtl. entstandenen Schaden haften zu müssen oder gar für einen Fehler bestraft zu werden. Dafür wäre grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz nachzuweisen.

Machen Sie diesen Punkt stets ganz deutlich: Das Schlimmste, was man tun kann, ist nichts zu tun. Denn aus Angst, etwas falsch zu machen, die Erste Hilfe zu verweigern, hat für das Unfallopfer meist weitaus schwerwiegendere Folgen als eine vielleicht nicht lehrbuchgerechte Erste-Hilfe-Maßnahme, wie etwa eine angeknackste Rippe durch einen Wiederbelebungsversuch.

3. Erste Hilfe umfasst mehr als Reanimation oder Verbandkasten!
Viele Menschen denken bei Erster Hilfe zum einen an das Verbinden von Wunden, zum anderen an vermeintlich komplizierte Reanimationsmaßnahmen. Daher sind Scheu und Verunsicherung groß.

Stellen Sie in Ihrer Unterweisung klar: Zur Ersten Hilfe gehören

  • das Absichern der Unfallstelle, um weiteren Unfällen vorzubeugen und sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. Bei Elektrounfällen ist oft das Abschalten der Spannung bzw. die Unterbrechung des Stroms der erste Schritt.
  • das Einleiten der Rettungskette durch einen Notruf (112 an Rettungsdienst, intern an Leitwarte, Ersthelfer, Betriebsarzt …)
  • die Erstversorgung des Unfallopfers

Abb. 1: Achten Sie bei der Ersten Hilfe immer auf Ihre eigene Sicherheit (Bildquelle: KatarzynaBialasiewicz/iStock/Thinkstock)

Achten Sie bei der Ersten Hilfe immer auf Ihre eigene Sicherheit

Abb. 2: Arbeitsanweisung: Verhalten nach einer Körperdurchströmung (Ausschnitt, Bildquelle: WEKA MEDIA, Elektrocheck, René Brünn)

Arbeitsanweisung: Verhalten nach einer Körperdurchströmung

Drei Besonderheiten zu Elektrounfällen

1. Strom ist eine „unsichtbare“ Gefahr!
Im Gegensatz zu anderen Arbeitsunfällen wie Verätzung durch eine Chemikalie oder mechanische Verletzung durch ein Maschinenteil ist der unmittelbare Unfallauslöser bei einem Elektrounfall oft nicht sofort klar. Für den zu Hilfe eilenden Kollegen ist oft nicht ersichtlich, ob und wo eine Spannung anliegt, die ihn selbst vielleicht genauso gefährdet wie das Unfallopfer.

2. Selbstschutz ist oberstes Gebot!
Risikofaktoren, die wir nicht direkt über Augen, Ohr oder Nase wahrnehmen, sind meist besonders tückisch. Ähnlich wie bei Erstickungsunfällen durch unsichtbare Gase in geschlossenen Räumen wie Silos oder Jauchegruben kommt es daher auch bei Elektrounfällen immer wieder zu tragischen Situationen, wo es nicht bei einem Todesopfer bleibt, weil sich Kollegen in bester Rettungsabsicht selbst in Gefahr bringen.

Für Unfallsituationen mit Niederspannung bedeutet das:

  • Stromquelle unterbrechen, Stecker ziehen, Sicherung raus, Hauptschalter aus
  • Falls Strom nicht sicher unterbrochen die verunfallte Person durch einen nicht leitenden Gegenstand (Holzbesen o.a.) von den unter Spannung stehenden Teilen trennen. Dabei selbst isoliert stehen (trockenes Holzbrett, Zeitungsstapel o.a.) und keine weiteren Personen berühren.

Bei Hochspannung bedeutet das:

  • sofort Notruf absetzen und Fachpersonal zum Freischalten anfordern
  • unbedingt Sicherheitsabstand einhalten, selbst mit isolierenden Hilfsmitteln besteht Lebensgefahr!

3. Nach einem Elektrounfall stets zum Arzt!
Die medizinischen Folgen von Elektrounfällen sind nicht vorhersehbar! Auch wenn derjenige sich nach einem Stromschlag wieder gut fühlt und keine Verbrennungen der Haut o.Ä. erkennbar sind, sollte sich ein Stromunfallopfer stets ärztlich untersuchen lassen. Mindestens der Betriebsarzt sollte sich den Kollegen nach einem Stromunfall anschauen: Ist dies nicht möglich, ist er zur Untersuchung ins Krankenhaus zu bringen. Denn es besteht stets die Gefahr von Herzrhythmusstörungen oder anderen unerkannten medizinischen Folgen.

Alles Weitere zur Ersten Hilfe, wie man z.B. Verbrennungen versorgt oder eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführt, sollte einer Elektrofachkraft selbstverständlich auch bekannt sein. Die eher medizinischen Aspekte zur Ersten Hilfe in einer Sicherheitsunterweisung zu vermitteln, dürfte in den meisten Betrieben jedoch eher Aufgabe von Gesundheitsschützern und Betriebsärzten sein.

Autor: Dr. Friedhelm Kring

Zurück

Kommentare

Diskutieren Sie mit

* Pflichtfeld