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Bau- und Montagestellen mit Strom versorgen

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Anforderungen an mobile Stromerzeuger auf Baustellen
Beachten Sie die neue DGUV Information 203-032 (Bildquelle: Zoran Skaljac/iStock/Thinkstock)

Wenn Baustellen nicht aus dem öffentlichen Stromnetz mit elektrischer Energie versorgt werden können, muss auf mobile Stromerzeuger zurückgegriffen werden. Für deren Kennzeichnung, Aufstellort und Betrieb bestehen diverse Vorschriften, Regeln und Normen. Eine Informationsschrift aus dem Berufsgenossenschaftlichen Regelwerk stellt diese Vorgaben zusammen und erläutert sie für den Anwender.

Die neue DGUV Information 203-032 "Auswahl und Betrieb von Stromerzeugern auf Bau- und Montagestellen“ ist vielen Praktikern noch als die frühere BGI 867 bekannt. Im Mai diesen Jahres wurde das Dokument nach einer Überarbeitung neu vorgelegt. Herausgeber ist das Sachgebiet „Elektrotechnik und Feinmechanik“ des Fachbereichs „Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse“ der DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung).

Drei neue Anhänge für den Praktiker

Zunächst wird der Anwendungsbereich der DGUV Information geklärt. Neben Bau- und Montagestellen gelten die Empfehlungen auch für die Auswahl und den Betrieb von Stromerzeugern in vergleichbaren Situationen wie z.B. im Garten- und Landschaftsbau, bei Veranstaltungen oder TV- und Filmproduktionen.

Mit nur 16 Textseiten sind die zentralen Informationen für den Betreiber eines Stromerzeugers auf Bau- oder Montagestellen erfreulich kompakt zusammengestellt. Den Rest der insgesamt 36 Seiten füllen acht Anhänge. Neu hinzugekommen gegenüber der früheren Version sind die folgenden drei Anhänge:

  • Muster eines Prüfprotokolls für mobile Stromerzeuger, welches auf fünf Seiten den Prüfumfang von der Sichtprüfung über die Isolationsüberwachung und die Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) bis zu den Anzeige- und Bedienelementen umreißt.
  • Praxisbeispiele für Anschlusskombinationen an Stromerzeuger, die anhand von Fotos verschiedene mögliche Konstellationen aufzeigen. Dabei ist das erste Betriebsmittel direkt angeschlossen, z.B. eine Handleuchte oder Baustellenkreissäge, und alle weiteren über einen RCD oder einen Trenntransformator.
  • Muster einer Betriebsanweisung für mobile Stromerzeuger mit den üblichen Rubriken zu Gefahren, Schutzmaßnahmen, Verhalten bei Unfällen usw.

Anforderungen an die mobile Stromerzeugung

In Abschnitt 2 der DGUV Information 203-032 sind zentrale Begriffe definiert, wie der Begriff "Isolationsüberwachungseinrichtung" und es wird der Unterschied zwischen Übergabepunkt (Punkt der Einspeisung der elektrischen Energie) und Anschlusspunkt (Punkt der Entnahme der elektrischen Energie) erläutert.

Die Elektrofachkraft legt Schutzmaßnahmen für den Umgang mit mobilen Stromerzeugern fest.
Die Elektrofachkraft legt Schutzmaßnahmen für den Umgang mit mobilen Stromerzeugern fest. (Bildquelle: Antonis Liokouras/iStock/Thinkstock)

In Abschnitt 3 geht es um die Anforderungen an einen Stromerzeuger.

  1. Die Bedienungsanleitung des Herstellers muss vor Ort vorhanden sein.
  2. Der Betreiber muss zudem eine Betriebsanweisung erstellt haben, die den Beschäftigten zugänglich ist.
  3. Betreiben Sie die Geräte nur nach durchgeführter Gefährdungsbeurteilung.
  4. Die Schutzmaßnahmen, die von der Elektrofachkraft festgelegt wurden, sind einzuhalten.
  5. Die Geräte sind mit einem Typenschild zu versehen. Das Typenschild muss über Mindestangaben wie Hersteller, Typ, Baujahr, Leistungsangaben, Betriebsart, IPO-Code verfügen.
  6. Verwenden Sie transportable Stromerzeuger nur mit einer Trageeinrichtung. Ab 50 kg müssen Anschlagpunkte für Hebezeuge oder Einrichtungen für den Transport per Stapler vorhanden sein.
  7. Betreiben Sie Stromerzeuger nur mit Sicherheitseinrichtungen, z.B. Rückschlagsicherung für Kurbelstartsysteme, Seilfangeinrichtung für Seilstartsysteme.
  8. Stellen Sie Stromerzeuger so auf, dass der Schutz vor äußeren Einwirkungen, Fremdkörpern und Wasser gegeben ist.
  9. Beachten Sie die Schutzart: in Gebäuden mindestens IP 43, im Freien mindestens IP 54. Ansonsten sind weitere Maßnahmen notwendig wie etwa Einhausung.
  10. Betreiben Sie die Geräte mit Verbrennungsmotor innerhalb von Gebäuden nur in separaten Räumen und mit ausreichender Belüftung und stellen Sie eine Abgasführung ins Freie sicher.

Darüber hinaus gilt für die elektrischen Anforderungen:

  • Als Schutzeinrichtungen vor Anschlusspunkten sind grundsätzlich Fehlerstrom-Schutzschalter vom Typ B oder B+ einzusetzen.
  • Ein RCD vom Typ A darf nur dann eingesetzt werden, wenn sichergestellt ist, dass von den Verbrauchsmitteln keine Ableit- oder Fehlerströme erzeugt werden können, die unverträglich zu einem Typ-A-RCD sind. Diese Forderung gilt als erfüllt, „wenn keine Ableit- oder Fehlerströme ungleich 50 Hz und keine glatten Gleichfehlerströme von insgesamt größer als 6 mA erzeugt werden können.“
  • Je nach den äußeren Bedingungen auf der Einsatzstelle kann mehr als eine Schutzeinrichtung notwendig werden, z.B. eine Isolationsüberwachungseinrichtung und eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung.

Die weiteren Abschnitte der DGUV Information 203-032 befassen sich mit den technischen Ausführungen von Stromerzeugern, ihrer Inbetriebnahme, Wartung und Instandsetzung sowie den Prüfungen (vor Inbetriebnahme und Wiederholungsprüfungen). Unterschieden wird beim Betrieb zwischen Geräten mit Anschluss für Schutzpotenzialausgleich und Geräten mit Erdungsanschluss. Ein weiterer Faktor ist, ob ein oder mehrere Verbrauchsmittel an einen Stromerzeuger angeschlossen werden.

Download-Hinweis: Die neue DGUV Information 303-032 steht auf den Webseiten der DGUV zum Download bereit.

Autor: Dr. Friedhelm Kring

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