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Stromunfall: So verhalten sich Ersthelfer richtig

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Viele Stromunfälle enden tödlich. Daher ist schnelle Hilfe gefragt. - Bild
Viele Stromunfälle enden tödlich. Daher ist schnelle Hilfe gefragt.

Bei einem Stromunfall zählt jede Sekunde. Aber auch wenn Eile angesagt ist, müssen die Ersthelfer zunächst an den Eigenschutz denken. Die Unterweisung aller Mitarbeiter über die Erste Hilfe bei einem Stromunfall ist daher unerlässlich.

Lehrling rettet Gesellen bei Stromunfall

Anfang August 2009 kam es in Oberstdorf zu einem Stromunfall, bei dem das beherzte Eingreifen eines Lehrlings wahrscheinlich dem betroffenen Gesellen das Leben rettete, so eine Meldung der Polizeiinspektion Oberstdorf.

Der Geselle arbeitete vor dem Unfall an der Erweiterung einer Telefonanlage innerhalb eines Schaltkastens. Um Telefone ohne Spannung in den angeschlossenen Haushalten zu vermeiden, wurde darauf verzichtet, den Strom abzustellen.
Mit dem Bereich Hinterkopf-Nacken berührte der Geselle eine 400 Volt Spannung führende Metallschiene in dem Schaltkasten und hing bei vollem Bewusstsein sekundenlang am Strom. Der Lehrling bemerkte das starke Zittern am ganzen Körper des Gesellen und zog den Kollegen von dem Kasten weg, obwohl er das Risiko kannte, selbst zum Stromleiter zu werden.

Der Lehrling brachte sich also selbst in Gefahr, da er seinem Kollegen helfen wollte und laut Ermittlungen keine andere Möglichkeit zur Rettung des Betroffenen, zum Beispiel mit isoliertem Gerät, bestand.

Ein Stromunfall kann schnell und unerwartet eintreten

Der Ersthelfer hatte Glück und wurde nicht selbst verletzt. Kommt es zu einem Elektrounfall sollten alle Beschäftigten auf die notwendige Reaktion vorbereitet sein. Sehen Sie deshalb regelmäßig eine Unterweisung zum richtigen Verhalten der Ersthelfer bei Stromunfällen vor. Dazu sollten Sie die Unterschiede zwischen den Bereichen Niederspannung (bis 1.000 Volt) und Hochspannung (über 1.000 Volt) verdeutlichen.

Niederspannungsbereich (bis 1.000 Volt)

Die meisten Stromunfälle finden im Bereich unter 1.000 Volt statt, sind deswegen aber keineswegs ungefährlich.
Sekundärunfälle sind möglich, wie das Abstürzen von einer Leiter nach einem elektrischen Schlag. Je nach Stromstärke kann der Betroffene aber auch an der Leitung kleben bleiben, wie in dem beschriebenen Arbeitsunfall in Oberstdorf. Die Muskulatur verkrampft sich, der Betroffene kommt nicht los und die Kontaktzeit verlängert sich. Die Körperdurchströmung kann massive Folgen für das Herz-Kreislauf-System haben. Atemstörungen, Herzrhythmusstörungen und Kammerflimmern können die Folge sein und sind letztlich die Hauptursachen für den möglichen tödlichen Ausgang im Niederspannungsbereich.

Hochspannungsbereich (über 1.000 Volt)

Bei Spannungen über 1.000 Volt kann es zu Verletzungen mit direkter Körperdurchströmung, aber auch zu Lichtbogenverletzungen kommen.
Der Lichtbogen führt zu extrem hohen Temperaturen und zu möglichen Verbrennungen am Körper. Fließt der Strom direkt durch den Körper, kommt es in den Bereichen der Durchströmung zu Gewebszerstörungen und möglichen schweren Schäden am Herzen, Nervensystem und an den Muskeln.

So verhalten sich Ersthelfer richtig

Bei Ihrer Unterweisung zum Thema Stromunfall und Erste Hilfe sollten Sie den Mitarbeitern folgende Hinweise geben:

  • Immer zuerst an den Eigenschutz denken!
  • Im Niederspannungsbereich heißt das:
  1. Abschalten der Stromkreise,
  2. Ziehen des Netzsteckers,
  3. alternativ Isolieren des Verunglückten,
  4. zeitnahe ärztliche Kontrolle bei Verdacht auf eine Körperdurchströmung
  • Im Hochspannungsbereich bedeutet Eigenschutz:
    1. Sicherheitsabstand entsprechend der Spannungshöhe zum Verunfallten einhalten (mindestens aber fünf Meter!)
    2. Notruf absetzen
    3. Freischaltung und Freigabe durch Fachpersonal (!)
    4. danach erst weitere Erste Hilfe möglich

Betonen Sie insbesondere die Wichtigkeit des Eigenschutzes, auch wenn es sehr schwer fallen wird, nicht sofort zum Kollegen zu eilen, der einen Stromunfall erlitten hat.

Gleichzeitig sollten Maßnahmen ergriffen werden, um Unfälle so weit wie möglich zu verhindern. Weitere Informationen zur Elektrosicherheit finden Sie in der DGUV Information 203-001 (BGI 519), „Sicherheit bei Arbeiten an elektrischen Anlagen“.

Autor: Oliver Schonschek, www.schonschek.de
Herr Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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