Security - neue Trends von Sicherheitssystemen

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Kombination und Vernetzung elektronischer und mechanischer Zutrittskontrollsysteme
Kombination und Vernetzung elektronischer und mechanischer Zutrittskontrollsysteme (Bildquelle: Pressestelle Messe Essen)

Ende September fand in Essen die Security statt, die Weltmesse für zivile Sicherheit. Unter den mehr als 40.000 Fachbesuchern aus 119 Nationen waren viele Fachplaner und Errichter von Sicherheitstechnik. Mehr als 1.000 Anbieter informierten über neue Produkte und Dienstleistungen zu mechanischer Sicherungstechnik, IT-Security, elektronischer Sicherungstechnik, Brandschutz, Dienstleistungen sowie Perimeterschutz (Freigeländesicherung).

Das wirtschaftliche Umfeld der Sicherheitsbranche ist gut. Auf rund 14,5 Milliarden Euro wird der Umsatz allein in Deutschland geschätzt, das entspricht einem Anstieg von rund 17 Prozent im Zweijahres-Vergleich. Nicht nur die Nachfrage nach Videoüberwachungssystemen für den privaten Gebrauch wächst, auch Unternehmen haben zunehmenden Bedarf an intelligenten Lösungen für Zutrittskontrolle, Alarmierung, Branderkennung und Gebäudesicherheit.

Chancen für Elektroberufe

Damit wächst auch der Bedarf an Fachleuten, welche bei der Planung solcher Systeme beraten, die Systeme installieren, einrichten und pflegen. Die Berufsaussichten für Angehörige von Elektroberufen, die sich auf diesen Feldern weiterbilden und auf dem Stand der Technik halten, dürften bestens sein. So richten sich einige Anbieter, etwa von Videoüberwachungstechnik, weniger an den Endkunden als an den Fachplaner und den sogenannten Errichter.

Der Errichter, ob einer Gefahrenmeldeanlage oder einer elektronisch gesteuerten Schließ- und Zutrittskontrollanlage, ist in aller Regel eine Fachfirma, die ihre Mitarbeiter qualifizieren muss. Dass dies bei der Fülle an Innovationen und neuen Technologien keine kleine Herausforderung sein kann, auch das machte die Security deutlich. Hier dürften sich spezielle Fachkenntnisse mittelfristig bezahlt machen. Denn eine einzelne Person kann sich neben ihrem Kerngebiet der Elektronik oder Elektrotechnik kaum gleichzeitig in den verschiedenen Facetten von mechanischer und elektronischer Sicherheitstechnik, Überwachung, Gebäudesteuerung inkl. deren Vernetzungsmöglichkeiten samt den damit verbundenen Aspekten der IT-Sicherheit auf dem Laufenden halten.

Die Trends: Digitalisierung, Vernetzung, Integration

In Essen waren die Hallen gut gefüllt. Auch die Vorträge, Roundtables sowie spektakuläre Live-Demonstrationen im Freigelände boten dem Besucher interessante Einblicke und Anregungen. Schon vor Messebeginn ausgebucht war die Fachkonferenz zum Trendthema „Vernetzte Sicherheit/Industrie 4.0“.

In einem Mustergebäude – konzipiert vom BHE Bundesverband Sicherheitstechnik e.V. und der Messe Essen – konnte man sich vom State-of-the-Art der modernen Sicherheitslösungen überzeugen. Aufgeteilt in einen Bürobereich und Privaträume wurde „vor Ort“ erlebbar, wie smarte Gebäude Besucher empfangen oder bei Brand oder Einbruchsversuch autonom reagieren.

Immer wieder zu lesen und zu hören waren neben Industrie 4.0 oder Sicherheit 4.0 die Schlagworte Digitalisierung, Vernetzung und Integration. Wie schon auf anderen Messen wie der Light + Building werden Produkte und Lösungen immer „smarter“ und „intelligenter“. Insbesondere das Smartphone erhält immer mehr Funktionen. Einige Beispiele:

  • Türschlösser oder Vorhängeschlösser werden per Smartphone steuerbar.
  • Smartphones und andere mobile Geräte werden zu Schlüsseln (Airkey) und Trägern digitaler IDs für einen sicheren Zugang zu Gebäuden, Computern, Netzwerkdruckern und anderen Anwendungen.
  • Per App können Zutrittsberechtigungen auch unterwegs über mobile Endgeräte empfangen werden, auch wenn vor Ort weder Strom noch Internet verfügbar sind.
  • Batteriebetriebene Schließsysteme statt der klassischen, mechanischen Türzylinder, lassen sich ohne Verkabelung drahtlos anbinden und erlauben es, Schließvorgänge in Echtzeit zu steuern und zu speichern.
  • Vernetzte Systemlösungen mit Schnittstellenmodulen auf der Basis der Kommunikationsstandards BACnet und KNX verbinden vorbeugenden Brandschutz, Fluchtwegsicherheit, Zutrittskontrolle, Einbruchhemmung und automatischen barrierefreien Türkomfort.
  • Selbst das Öffnen eines Briefkastens wird elektronisch programmier- und kontrollierbar, was u.a. neue Möglichkeiten für die Paketanlieferung bietet.

Groß ist die Vielfalt an Videokameras und dazu gehörender Software. Diese Techniken werden nicht nur im öffentlichen Bereich zur Absicherung von Gebäuden, Plätzen oder Verkehrsmitteln eingesetzt. Videomanagement-Systeme sollen auch Produktionsbetriebe, Werkstätten oder Bürokomplexe vor unberechtigtem Zutritt, Vandalismus oder Diebstahl schützen. Angeboten werden auch Komplettlösungen für die besonderen Sicherheitsanforderungen von KMU, bestehend aus einem Netzwerk-Videorekorder, einer Videoverwaltungssoftware sowie unterschiedlichen Netzwerk-Kameras.

Für Außenbereiche sind extrem robuste Überwachungskameras erhältlich, die mit Heizelement, Entfroster und integriertem Wischer auf äußere Bedingungen reagieren und über Gyro-Sensoren auch Auswirkungen externer Erschütterungen minimieren. Dazu kommen mobile Systeme, die in der Sicherheitsbranche zunehmend eingesetzt werden. Das sind zum einen Bodycams, zum anderen vielseitig einsetzbare Drohnen.

Die Herausforderung bei den auf den ersten Blick oft spektakulär wirkenden Lösungen ist oft, die verschiedenen Techniken aus den Bereichen Mechanik, Elektrotechnik oder Elektronik über geeignete Schnittstellen so zu integrieren, dass sie konfliktfrei miteinander arbeiten. Aus der Sicht von Elektrofachkräften sind das spannende und vielseitige Aufgabenfelder, die aber auch die Fähigkeit zum vernetzten Denken sowie steigende Anforderungen an die Aus- und insbesondere die Weiterbildung mit sich bringen.

Autor: Dr. Friedhelm Kring

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