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Die Rolle der verantwortlichen Elektrofachkraft

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Verfügt der Arbeitgeber nicht über die entsprechende Qualifikation, muss er eine verantwortliche Elektrofachkraft bestellen.
Verfügt der Arbeitgeber nicht über die entsprechende Qualifikation, muss er eine verantwortliche Elektrofachkraft bestellen. (Bildquelle: michaeljung/iStock/Thinkstock)

Unter den Funktionsträgern im Betrieb, die für Sicherheitsfragen zuständig sind, kommt der verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK) eine Sonderstellung zu. Wer zur verantwortlichen Elektrofachkraft ernannt und bestellt wurde, sollte wissen, was Fach- und Aufsichtsverantwortung, Weisungsfreiheit und Garantenstellung für ihn bedeuten.

Laut den Grundsätzen des Arbeitsschutzrechts ist der Unternehmer und Arbeitgeber verpflichtet,

  • Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen durch arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu treffen.
  • diese Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und bei betrieblichen Veränderungen ggf. anzupassen.
  • für eine geeignete Organisation des Arbeitsschutzes zu sorgen und die dafür erforderlichen Mittel bereitzustellen.

Unterstützt wird die Betriebsleitung dabei von der Fachkraft für Arbeitssicherheit, dem Betriebsarzt und je nach Gefährdungslage ggf. weiteren Akteuren wie z.B. Strahlenschutzbeauftragte, Laserschutzbeauftragte, Immissionsschutzbeauftragte oder Gefahrgutbeauftragte.

Für die Elektrosicherheit gibt es keine derartigen Beauftragten, sondern eigene Regelungen. Die zentralen Akteure sind hier die Elektrofachkräfte und die verantwortlichen Elektrofachkräfte.

Wenn der Betriebsleiter keine Elektrofachkraft ist, muss er delegieren

Sämtliche elektrotechnische Arbeiten, die in einem Betrieb ausgeführt werden, müssen unter einer verantwortlichen fachlichen Leitung stehen. Dieser verantwortliche Leiter kann z.B. (im typischen Fall) der Inhaber einer Elektrofirma sein, der selbst ausgebildeter Elektromeister oder Elektroingenieur ist. Diese Konstellation trifft jedoch nicht in jedem Fall zu.

Verfügt der Betriebsinhaber und Arbeitgeber nicht selbst über einen Abschluss als Techniker, Meister oder Ingenieur im Bereich der Elektrotechnik, gilt er als „Nicht-Elektrofachkraft“ und somit als elektrotechnischer Laie. Damit kann er die elektrotechnische Fachverantwortung für seinen Betrieb nicht wahrnehmen und muss diesen Teil der unternehmerischen Gesamtverantwortung an eine andere Person delegieren.

Unterlässt er dieses Delegieren und unterbleibt eine eindeutige Regelung und Organisation, wie bzw. wer elektrotechnische Entscheidungen im Unternehmen trifft, geht der Unternehmer ein hohes Risiko ein. Denn spätestens bei der Aufarbeitung eines Arbeitsunfalls oder Schadens, bei dem elektrotechnische Installationen, Einrichtungen oder Anlagen eine Rolle spielen, dürfte er sich dem Vorwurf des Organisationsverschuldens ausgesetzt sehen.

Qualifikationsstufen von Personen in der Elektrotechnik
Qualifikationsstufen von Personen in der Elektrotechnik (Bildquelle: Normenfolien für die Elektrofachkraft, WEKA MEDIA)

Bestellung, Weisungsfreiheit und Garantenstellung

Durch die Bestellung einer verantwortlichen Elektrofachkraft überträgt der Arbeitgeber oder Unternehmer der verantwortlichen Elektrofachkraft einen Teil seiner Unternehmerpflichten. Im optimalen Fall übernimmt die verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) auch die Betreiberverantwortung für die elektrischen Anlagen in ihrem Zuständigkeitsbereich. Die Bestellung der verantwortlichen Elektrofachkraft sollte schriftlich erfolgen und ihren Aufgabenbereich und ihre Kompetenzen genau beschreiben.

Dezidierte Vorgaben zu den Formalien einer Bestellung zur verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK) gibt es nicht. Auch ein Mitarbeiter eines externen Dienstleisters kann vertraglich festgelegt die Aufgaben einer verantwortlichen Elektrofachkraft übernehmen. Eine solche externe verantwortliche Elektrofachkraft muss selbstverständlich gleichermaßen über die entsprechende Qualifikation und Berufserfahrung verfügen wie ein (intern) zur verantwortlichen Elektrofachkraft (VEFK) bestellter Mitarbeiter.

Tipp der Redaktion

Für Abonnenten von "elektrofachkraft.de - Das Magazin" stellen wir das Formular „Bestellung zur verantwortlichen Elektrofachkraft" zum Download bereit, ebenso eine Checkliste zu den „Aufgaben der verantwortlichen Elektrofachkraft - VEFK".

Die verantwortliche Elektrofachkraft sollte auf ihren Verantwortungsbereich bezogen weisungsfrei gestellt werden. Das bedeutet, dass eine verantwortliche Elektrofachkraft hinsichtlich der Elektrosicherheit in ihrem Zuständigkeitsbereich keinen Weisungen von anderen Betriebsangehörigen (Nicht-VEFK) unterliegt.

Für die verantwortliche Elektrofachkraft bedeutet diese Übertragung der unternehmerischen Pflichten eine Zunahme der Haftungsrisiken. Denn ihr kommt nach der Bestellung eine sogenannte Garantenstellung zu. Vernachlässigt die verantwortliche Elektrofachkraft elektrotechnische Sicherheitsaspekte im ihr zugewiesenen Betriebsbereich, indem sie z.B. Gefährdungen ignoriert oder versäumt, notwendige Schutzmaßnahmen anzuordnen, so kann sie sich dadurch strafbar machen und nach Arbeitsunfällen oder Schäden zur Haftung herangezogen werden.

Aufgaben und Befugnisse der verantwortlichen Elektrofachkraft sind in der VDE 1000-10 „Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen“ geregelt. Ein Unternehmen kann auch mehrere verantwortliche Elektrofachkräfte bestellen. Dabei sollten deren Zuständigkeits- und Verantwortungsbereiche klar abgegrenzt und formuliert werden.

Zur Abgrenzung des Begriffs "Verantwortliche Elektrofachkraft"

Zum Begriff der verantwortlichen Elektrofachkraft kommen immer wieder Diskussionen auf. Wesentliche Rechtsgrundlage dafür, wer im Betrieb bei welcher Qualifikation und mit welcher Verantwortung welche elektrotechnischen Tätigkeiten übernehmen darf, ist die Norm VDE 1000 Teil 10:2009-01 „Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen“. Herausgeber der Norm ist das Komitee K 224 „Betrieb elektrischer Anlagen“ der DKE (DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE), kurz DKE/K 224. Diese Kommission hat zur Abgrenzung des Begriffs "Verantwortliche Elektrofachkraft" vor einigen Wochen einen Kommentar veröffentlicht, den Sie auf den Webseiten der DKE abrufen können.

Autor: Dr. Friedhelm Kring

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