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Rasenmäharbeiten in Hochspannungs-Freiluftschaltanlagen

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Schutzabstände bei Rasenmäharbeiten nach DIN VDE 0105-100 - Bild
Schutzabstände bei Rasenmäharbeiten nach DIN VDE 0105-100

Für Rasenmäharbeiten in Hochspannungs-Freiluftschaltanlagen wurden neue Festlegungen in der DIN VDE 0105-100 getroffen. Laut früher geltenden Vorschriften ließen sich Rasenmäharbeiten und ähnliche Arbeiten in Hochspannungs-Freiluftschaltanlagen nicht durchführen.

Schutzabstände als Definitionssache

Nach den maßlichen Vorgaben der Errichtungsbestimmung DIN VDE 0101:2000-01 „Starkstromanlagen mit Nennspannungen über 1 kV“ war das Einhalten der Schutzabstände beim Arbeiten in elektrischen Anlagen nach DIN VDE 0105-100:2000-06 „Betrieb von elektrischen Anlagen“ nicht möglich.

Die selben Schutzabstände bei nicht elektrotechnischen Arbeiten enthält auch die berufsgenossenschaftliche Vorschrift (BGV)/Unfallverhütungsvorschrift (UVV) „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ DGUV Vorschrift 3 (BGV A 3) in Tabelle 4 der Durchführungsanweisungen (DA) zu § 7 „Arbeiten in der Nähe aktiver Teile“.

Diese Unfallverhütungsvorschrift lässt bei entsprechenden technischen, organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen zwar die Möglichkeit offen, die vorgegebenen Schutzabstände zu unterschreiten; aber dann bleibt die volle Verantwortung beim Unternehmer, der dann die Anwendung dieser Schutzmaßnahmen sicherstellen muss.

Insgesamt also Regelungen, die für Elektrofachkräfte einen breiten Auslegungsspielraum zulassen und damit Rechtsunsicherheit in sich bergen.

DIN VDE 0105-100/A 3 „Betrieb von elektrischen Anlagen – Änderung A 3“

Daher hat das für die Erarbeitung von DIN VDE 0105-100 zuständige Komitee 224 der DKE die Schutzmaßnahmen für diese Arbeiten überprüft und ergänzende Festlegungen getroffen. Diese wurden als DIN VDE 0105-100/A 3 „Betrieb von elektrischen Anlagen – Änderung A 3“ am 01.11.2003 veröffentlicht.

Anlässlich der Überarbeitung der DIN VDE 0105-100 wurde u.a. diese Änderung A 3 in die neu gefasste Bestimmung DIN VDE 0105-100 übernommen. Sie gilt seit Juni 2005.

Schutz durch Abstand und Aufsichtsführung

Es wurde ein neuer Absatz „Schutz durch Abstand und Aufsichtführung“ in den Abschnitt 6.4.3 der Norm DIN VDE 0105-100 aufgenommen, der das Durchführen von Rasenmäharbeiten und Arbeiten zur Bodenoberflächenbearbeitung in sicherer Weise ermöglicht.

Dieser neue Abschnitt lautet:

„In abgeschlossenen elektrischen Betriebsstätten mit Nennspannungen über 1 kV dürfen Rasenmäharbeiten oder andere Tätigkeiten zur Bodenbearbeitung von Hand nur dann durchgeführt werden, wenn die maximale Arbeitshöhe von 2 m für Arbeitsgeräte nicht überschritten wird“

Abb. 1: Schutzabstände/Arbeitshöhe bei Bodenbearbeitung von Hand

files/content/grafiken/Rasenmaeharbeiten in Hochspannungs-Freiluftschaltanlagen/02.png

"Durch Schutzvorrichtungen – z.B. Geländer, Ketten – vorgegebene Schutzabstände dürfen nicht unterschritten werden.

Diese Arbeiten müssen von Elektrofachkräften oder elektrotechnisch unterwiesenen Personen durchgeführt werden. Die notwendige aufgabenspezifische Zusatzqualifikation ist vom Anlagenbetreiber durchzuführen.

Vor Beginn der Tätigkeiten hat eine örtliche Einweisung durch den Anlagenverantwortlichen in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsverantwortlichen zu erfolgen“.

Im Kommentar zu DIN VDE 0105-100 wird deutlich auf Folgendes hingewiesen:

Wegen der besonderen Risiken in Hochspannungsanlagen und den Aufbau der
Anlagen kann die Unterweisung der für Rasenmäharbeiten Beschäftigten nur durch den Betreiber der Anlage erfolgen. Beispielsweise wird eine Rasenmähkolonne, die regelmäßig in den Anlagen tätig wird, zu Saisonbeginn von dem Betreiber generell über

  • sicheres Verhalten
  • zulässige Arbeitsbereiche
  • besondere Gefahrenquellen
  • notwendige Schutzabstände
  • Zugangsregelung
  • Arbeitsablauf und Arbeitsorganisation

in Hochspannungsanlagen unterwiesen. Diese generelle Unterweisung ist die Grundlage für die sichere Durchführung dieser Arbeiten.

Arbeits- und Anlagenverantwortlicher

Das Zusammenwirken von Arbeitsverantwortlichen des Auftragnehmers und Anlagenverantwortlichen des Betreibers ist eine weitere Voraussetzung für die sichere Durchführung. Darüber hinaus verlangt das Arbeitsschutzgesetz die Einweisung an der Arbeitsstelle vor Beginn der Arbeiten. Bei ständig wechselnden unterschiedlichen Arbeitsstellen ist bei jeder Arbeitsaufnahme die Einweisung durch den Betreiber erforderlich.

Handelt es sich jedoch im Laufe der Saison um wiederholte Arbeitsaufnahme in der gleichen Anlage, genügt eine Einweisung bei der ersten Arbeitsaufnahme und regelmäßige Kontaktaufnahme. Diese Vereinfachung ist jedoch nur dann möglich, wenn während der Saison kein Personalwechsel stattfindet. Der Arbeitsverantwortliche hat – wenn neues Personal eingesetzt wird – sich umgehend mit dem Betreiber der Anlage ins Benehmen zu setzen, damit die neuen Beschäftigten entsprechend eingewiesen werden.

Die Erlaubnis zur Aufnahme der Arbeiten erteilt der Anlagenverantwortliche. Die Freigabe, die Anweisung zur Arbeit der Arbeitsverantwortliche. Seine Aufgabe ist es auch, während der Durchführung der Arbeit die festgelegten Sicherheitsmaßnahmen zu überwachen. Damit ist eine klare Abgrenzung zwischen beiden Verantwortungsbereichen gegeben“.

Autoren: Dr.-Ing. Peter Hasse, Dipl.-Ing. Walter Kathrein

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