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Qualifikationsmerkmale zur Prüfung befähigter Personen

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Elektrofachkräfte sind nicht automatisch auch befähigte Personen
Elektrofachkräfte sind nicht automatisch auch befähigte Personen (Bildquelle: kadmy/iStock/Thinkstock)

Prüfungen dürfen nur von befähigten Personen durchgeführt werden. Befähigte Personen unterliegen bei der Prüfung keiner Weisung und dürfen durch ihre Prüftätigkeit auch nicht benachteiligt werden. Welche Voraussetzungen und Qualifikationen befähigte Personen mitbringen sollen, ist in der aktualisierten Richtlinie VDI 4068 Blatt 1 zu lesen.

Zur Prüfung befähigte Personen

Damit Elektrofachkräfte sicherstellen können, ob Maschinen oder Geräte in Betrieben noch ordnungsgemäß funktionieren, sind Überprüfungen dieser Geräte und Maschinen notwendig. Das gilt generell für den kompletten Bereich des Arbeitsschutzes, nicht nur in der Elektrotechnik. Welche Vorgaben hier gelten, sind in der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und in der Technischen Regel für Betriebssicherheit TRBS 1203 „Befähigte Personen“ vorgeschrieben.

Elektrofachkräfte sind nicht automatisch auch befähigte Personen nach Betriebssicherheitsverordnung und TRBS 1203. Befähigte Personen sind in allen Bereichen des Arbeitsschutzes anzutreffen und schriftlich zu beauftragen. Es ist empfohlen, aber nicht vorgeschrieben, dass auch Elektrofachkräfte schriftlich bestellt werden.

Daraus besteht die Richtlinienreihe VDI 4068

Die Richtlinienreihe VDI 4068 "Befähigte Personen" besteht aus 11 Blättern. Das Blatt 1 „Zur Prüfung befähigte Personen - Qualifikationsmerkmale und Beauftragung“ steht seit März 2016 in einer neuen Version zur Verfügung. Unter dem Titel „Competent persons - Qualification criteria and commissioning“ steht die Richtlinie auch in englischer Sprache zur Verfügung. Das neue Blatt ersetzt VDI 4068 Blatt 1:2009-10.

Hier ist zu lesen, welche Berufsgruppen oder Mitarbeiter befähigt sind Prüfungen durchzuführen. Dabei wird als Grundlage auf die Betriebssicherheitsverordnung und die TRBS 1203 gesetzt. Das VDI 4068 Blatt 1 richtet sich vor allem an Unternehmer, Sicherheitsfachkräfte und Führungskräfte. Die Richtlinie legt die Qualifikationsmerkmale und die Anforderungen an Qualifikationsmaßnahmen fest.

Abb. 1: Ausschnitt Deckblatt VDI 4068 Blatt 1

Ausschnitt Deckblatt VDI 4068 Blatt 1

Befähigte Personen nach VDI 4068 Blatt 1

Es gibt kein festes Berufsbild für befähigte Personen. Jedoch fordert die Betriebssicherheitsverordnung für die Prüfung von Arbeitsmitteln Personen mit Fachkenntnissen. Eine passende Berufsausbildung ist notwendig, auch wenn kein fest definiertes Berufsbild existiert. Die Kenntnisse können im Rahmen einer Berufsausbildung festgelegt, und mit Weiterbildungen ergänzt werden. Dabei kann es sich um innerbetriebliche oder außerbetriebliche Weiter- und Fortbildungen handeln.

Über das VDI 4068 Blatt 1 soll eine Qualitätssicherung dieser Weiter- und Fortbildungen erfolgen. Damit lassen sich hier nicht nur die Qualifikationen definieren, sondern auch die Anforderungen an die Ausbilder, die das Berufsbild ausbilden, oder an die Referenten, welche die Fort- und Weiterbildung durchführen.

Befähigte Personen sind vor allem Personen, die eine passende Berufsausbildung und Berufserfahrung bieten. Darüber hinaus wird laut § 2 Abs. 7 der Betriebssicherheitsverordnung ein zuverlässiges Verständnis für sicherheitstechnische Belange gefordert. Die Auswahl der befähigten Personen laut § 3 Abs. 3 der Betriebssicherheitsverordnung muss sich an den eingesetzten Arbeitsmitteln oder den überwachungsbedürftigen Anlagen orientieren.

Klassifizierungsmodell für befähigtes Personal ermitteln

Abb. 2: Befähigte Personen müssen über praktische Kenntnisse und Erfahrungen verfügen (Bildquelle: Comstock/Stockbyte/Thinkstock)

Befähigte Personen müssen über praktische Kenntnisse und Erfahrungen verfügen

An dieser Stelle kommt dem Arbeitgeber eine besondere Bedeutung zu, denn er muss ermitteln und festlegen, welches Personal im Unternehmen dazu befähigt ist Prüfungen durchzuführen. Idealerweise sollte ein Klassifizierungsverfahren vorhanden sein, welches auf Basis des § 3 Abs. 3 der Betriebssicherheitsverordnung und der TRBS 1203 die Anforderungen zum Durchführen von Prüfungen erfüllt. Aus diesen Definitionen sind in der Elektrotechnik die Qualifikationsmerkmale einer Elektrofachkraft mit fundierter fachlicher Ausbildung heraus zu lesen. Dazu kommen umfassende praktische Kenntnisse und Erfahrungen.

Die VDI-Richtlinie VDI 4068 Blatt 1 stellt dazu ein Klassifizierungsmodell zur Verfügung. Hier ist vor allem festgelegt, welche Aus- und Weiterbildung die Personen durchlaufen sollten, um befähigtes Personal für die Überprüfung zu sein oder zu werden. Dadurch erhalten Arbeitgeber also eine Anleitung zur Ausbildung und Ermittlung der Anforderungen.

Definierte Vorgaben in VDI 4068 Blatt 1

In der VDI 4068 Blatt 1 werden zunächst die Qualifikationsmerkmale von befähigten Personen festgelegt. Danach erfolgen die Erläuterungen zu den Anforderungen. Hier sind vor allem Grundlagenkenntnisse, Grundanforderungen, allgemeine Kenntnisse und schließlich spezifische Kenntnisse zu finden.

Im Anschluss daran sind die Anforderungen an die Ausbildung von befähigten Personen aufgelistet. Hier legt das VDI 4068 Blatt 1 fest, wie der Umfang und Inhalt der Aus- und Weiterbildung aussehen soll. Darüber hinaus gibt es Anweisungen an die Schulungsdokumentation, den Leistungsnachweisen und schließlich das Zertifikat, das die befähigte Person nach erfolgreicher Absolvierung der Aus- und Weiterbildung erhält. Im Rahmen der Schulung wird auch das Ausgangswissen überprüft, um sicherzustellen, dass die Ausbildung lückenlos anknüpfen kann.

Vor allem für Elektrofachkräfte spielen ständige Weiterbildungen eine wichtige Rolle. Daher ist in VDI 4068 Blatt 1 auch festgelegt, welchen Inhalt und Umfang Weiterbildungen bieten sollen, die bereits befähigte Personen auf einen aktuellen Wissensstand bringen. In vielen Fällen sind jährliche Unterweisungen möglich. Schlussendlich ist in VDI 4068 Blatt 1 auch zu lesen, welche Anforderungen für die Ausbilder gelten.

Befähigte Personen bei Elektrofachkräften

Die Betriebssicherheitsverordnung legt in § 2 in Anlehnung an § 7 des Arbeitsschutzgesetzes befähigte Personen wie folgt fest: „Befähigte Person im Sinne dieser Verordnung ist eine Person, die durch ihre Berufsausbildung, ihre Berufserfahrung und ihre zeitnahe berufliche Tätigkeit über die erforderlichen Fachkenntnisse zur Prüfung der Arbeitsmittel verfügt.“

Damit ist ein weiterer Bereich abgedeckt. Abhängig davon, was überprüft werden soll, kann es notwendig sein, dass eine Elektrofachkraft zusätzliche Weiterbildungen und Qualifikationen absolvieren muss, oder bei einer Prüfung weitere befähigte Personen beteiligt sein müssen, zum Beispiel Industriemechaniker. Vor allem, wenn es um die Prüfung von Arbeitsmitteln geht, bei denen auch Druck eine Rolle spielt, reichen herkömmliche Qualifikationen einer Elektrofachkraft nicht aus. Arbeitsmittel unterliegen unterschiedlichen Komplexitäten.

Die genaue Bezeichnung einer befähigten Person für den Bereich der elektrischen Gefährdungen ist in Abschnitt 3.3 der TBRS 1203 zu lesen: „…befähigte Person für Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen“. Dabei handelt es sich um Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen, die von elektrischen Arbeitsmitteln ausgehen.

Mit VDI 4068 Blatt 1 ist also genau festzulegen, welche Elektrofachkraft im Unternehmen eine befähigte Person für die Durchführung von Prüfungen ist, und welche Schulungen dazu notwendig sind.

Autor: Thomas Joos

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