3,5/5 Sterne (2 Stimmen)
Passiert ist es schnell 3.5 5 2

Passiert ist es schnell

(Kommentare: 0)

Passiert ist es schnell - Bild
Passiert ist es schnell

Unfallbeispiele aus der Praxis: In einer Hochspannungsanlage werden Anstricharbeiten ausgeführt. Die Arbeitsstellen wurden freigeschaltet, geerdet und kurzgeschlossen, benachbarte unter Spannung stehende Felder mit Seilen abgegrenzt, an denen Warntafeln angebracht wurden. Trotz all dieser Sicherheitsvorkehrungen kommt es zu einem schweren Unfall.

Unfallbeispiel 1:

In einer 110-kV-Freiluftschaltanlage wurden von einer größeren Arbeitskolonne Anstricharbeiten ausgeführt. Die Arbeitsstellen waren freigeschaltet, geerdet und kurzgeschlossen, benachbarte unter Spannung stehende Felder mit Seilen abgegrenzt, an denen Warntafeln angebracht waren. Um die von seiner ersten Arbeitsstelle aus nicht erreichbare Rückseite eines Schaltergerüsts zu streichen, musste ein Monteur um das freigeschaltete Feld herumgehen, entlang der Absperrung des benachbarten spannungführenden Felds. Dabei trug er eine 4 m lange Metallleiter, an der noch in 3 m Höhe ein 3,5 kg schwerer Farbtopf hing, in senkrechter Stellung vor sich her. Beim Balancieren dieser Last konnte er nicht auf seinen Weg achten. Er stolperte und fiel mit der Leiter. Dabei hat sich die Leiterspitze so dicht an einem der Außenleiter des Nachbarfelds vorbei bewegt, dass ein kurzer Lichtbogenüberschlag erfolgte. Der Monteur wurde dabei vom Kopf bis zu den Füßen vom Erdschlussstrom durchflossen. Seine Kollegen fanden ihn am Boden liegend vor. Trotz sofort einsetzender und ohne Unterlass fortgesetzter Wiederbelebungsversuche konnte der Arzt im Krankenhaus nur noch seinen Tod feststellen.

Konsequenz:
In Hochspannungsanlagen dürfen lange und sperrige Gegenstände aus leitfähigem Material (Metall, aber auch feuchtes Holz usw.) nur in Bodennähe, am besten stets von zwei Personen, bewegt werden.

Unfallbeispiel 2:

An einem elektrisch angetriebenen Gabelstapler war die Schaltung nicht in Ordnung. Eine Elektrofachkraft war mit der Reparatur beschäftigt.

Die Schaltung war dem Elektriker unbekannt; deshalb überprüfte er zunächst mit dem Multimeter die Anlage, um vielleicht so den Fehler zu finden. Offenbar war er seiner Sache gar nicht sicher, denn er hatte zuvor den Fahrer beauftragt, bei einem plötzlichen Anfahren des Fahrzeugs mit dem Schaltschlüssel auszuschalten.

Tatsächlich fuhr der Stapler bei der Fehlersuche plötzlich rückwärts an, ohne dass der Fahrer den Schaltschlüssel betätigen konnte. Der Stapler fuhr weiter und klemmte in 4 m Entfernung einen Garderobenwärter, der gerade Arbeitskleider zählte, zwischen einer Säule und einer Kiste ein. Der Wärter erlitt einen Bruch des Schien- und des Wadenbeins.

Konsequenz:
An die Reparatur eines nicht ganz einfachen Geräts, wie es ein Gabelstapler ist, darf man nicht ohne Fachkenntnisse und ohne Verwendung eines Schaltplans und einer Instandhaltungsanleitung herangehen. Am besten ist es, die Fachleute des Herstellers einzuschalten.

----------------------------------------------------------
Dipl.-Ing. Hans-Heinrich Egyptien
ist Fachautor für Elektrotechnik
----------------------------------------------------------

Zurück

Kommentare

Diskutieren Sie mit

* Pflichtfeld
Mit der Nutzung unserer Webseiten erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weiterlesen