4/5 Sterne (5 Stimmen)
DIN EN 61439: Niederspannungs-Schaltgerätekombination 4 5 5

DIN EN 61439: Niederspannungs-Schaltgerätekombination

(Kommentare: 0)

Die Normenreihe DIN EN 60439 stellt Anforderungen an Schaltgerätekombinationen
Normenreihe DIN EN 60439: Anforderungen an Schaltgerätekombinationen (Bildquelle: phadventure/iStock/Thinkstock)

Die Normenreihe DIN EN 61439 richtet sich in erster Linie an Hersteller und Entwickler. Seit November 2013 legt sie die Rahmenbedingungen für den Bau von Schalt- und Steuerungsanlagen fest. Doch auch der Elektrofachbetrieb bzw. die Elektrofachkraft, die Schaltgerätekombinationen montiert, anschließt, prüft, wartet und Komponenten austauscht, steht in der Verantwortung und tut gut daran, um die Grundzüge dieser Normenreihe zu wissen.

Oft müssen für spezifische Anforderungen mehrere Schalt- und Schutzgeräte zusammengefasst werden. Die Geräte können in einem gemeinsamen Gehäuse platziert sein oder nebeneinander. Die Gesamtheit aller Schaltgeräte und elektrischen Betriebsmittel zum Steuern, Messen, Melden, Regeln usw. samt der inneren Verdrahtung und den Ein- und Ausgangsklemmen, nennt man Schaltgerätekombination.

Die zuvor gültige Normenreihe DIN EN 60439 hatte erstmals die Anforderungen an unterschiedlichen Arten von Schaltanlagen, genauer: Energie-Schaltgerätekombinationen, in einer Norm zusammengefasst. In Erinnerung ist sie insbesondere durch die Unterscheidung von TSK (= im Labor typgeprüfte Schaltgerätekombinationen) und PTSK (= partiell typgeprüften Schaltgerätekombinationen).

Bauartnachweis ersetzt Typprüfung

Die Normenreihe DIN EN 61439

  • gilt für Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen (NS-Schaltanlagen), deren Bemessungs-Spannung 1.000 V (bei Wechselstrom) oder 1.500 V (bei Gleichstrom) nicht überschreitet.
  • hebt die Zweiteilung in TSK und PTSK auf zugunsten des Konzepts der bauartgeprüften Schaltgerätekombination.
  • betont die Pflicht zum Erbringen von Bauart- und Stücknachweisen, Letztere ersetzen den früheren Stückprüfbericht.
  • führt die Unterscheidung von „Hersteller der Schaltgerätekombination” und „ursprünglichem Hersteller“ ein.

Der ursprüngliche Hersteller ist derjenige,

  • der die Reihe von Schaltgerätekombinationen des betreffenden Typs entwickelt hat und demzufolge auch
  • die Typprüfungen (alte Norm)/Bauartnachweise (neue Norm) erbracht hat.

Der Hersteller der Schaltgerätekombination ist derjenige,

  • der aus den verschiedenen Komponenten die konkrete Schaltgerätekombination tatsächlich zusammenbaut und
  • die fertige Konstruktion auch montiert und verdrahtet.

Verteilte Verantwortungsbereiche

Sowohl der „ursprüngliche Hersteller“ wie der Hersteller der Schaltgerätekombination wie auch Planer und Betreiber der Schaltgerätekombination tragen jeweils spezifische Verantwortung für bestimmte Aspekte bzw. Prozesse. So ist z.B. der ursprüngliche Hersteller für das Prüfen von Prototypen und das Erbringen von Bauartnachweisen zuständig. Der „Hersteller der Schaltgerätekombination“ verantwortet die Auswahl und Montage der Komponenten, die Bemessung der Schaltgerätekombination und das Erbringen des Stücknachweises. Der Planer bzw. Betreiber ist zuständig für den Anschluss an das elektrische Netz, Stromkreise und Verbraucher, Bedienung und Wartung.

Hinweis: Die oft gehörte englische Bezeichnung PSC steht für „power switchgear controlgear“. Die Schaltgerätekombinationen, um die es hier geht, werden ausführlicher als „low voltage power switchgear and controlgear assemblies“ bezeichnet.

Abb. 1: Auch für Schaltgerätekombinationen in der Energieversorgung gilt die Normenreihe DIN EN 61439 (Bildquelle: Igor Dashko/iStock/Thinkstock)

Auch für Schaltgerätekombinationen in der Energieversorgung gilt die Normenreihe DIN EN 61439

Aufbau der Normenreihe DIN EN 61439

Die Normenreihe besteht aus einer Grundnorm und produktspezifischen Normen je nach Art der Schaltgerätekombination. Grundnorm ist die DIN EN 61439-1: Allgemeine Festlegungen (ehem. DIN EN 60439-1). Sie umfasst die Eigenschaften und Anforderungen, die für alle Arten von Schaltgerätekombinationen gleichermaßen gelten. Ihr nachgeordnet sind die folgenden Produktnormen:

  • DIN EN 61439-2: Energie-Schaltgerätekombinationen (früher auch DIN EN 60439-1)
  • DIN EN 61439-3: Installationsverteiler (Ersatz für DIN EN 60439-3)
  • DIN EN 61439-4: Baustromverteiler (Ersatz für DIN EN 60439-4)
  • DIN EN 61439-5: Kabelverteilerschränke (Ersatz für DIN EN 60439-5)
  • DIN EN 61439-6: Schienenverteiler (Ersatz für DIN EN 60439-2)

Diese Produktnorm(en) gelten jeweils für Planung, Herstellung, Montage, Prüfung und Dokumentation eines Verteilertyps. Sie werden jeweils gemeinsam mit der Grundform angewendet.

Dazu kommen:

  • ein Beiblatt zur DIN EN 61439-1: Leitfaden für die Spezifikation von Schaltgerätekombinationen
  • IEC/TR 61439-0: Anforderungshandbuch (ohne Vorgängernorm)

Vielzahl spezifischer Anforderungen

Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen (SK) sind keine 08/15-Produkte. Sie werden in der Regel je nach den vorliegenden betriebsspezifischen Anforderungen geplant und hergestellt (montiert). Dabei ist eine Vielzahl von Kriterien zu berücksichtigen, z.B. (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • der Netzanschluss: z.B. die Einspeisespannung, die Art und Lage der Zuleitung, Kurzschlussfestigkeit, Art und Lage der Zuleitung
  • das Netzsystem: z.B. ob TN-, TT- oder IT-System
  • die abgehenden Stromkreise: Verteiler- oder Endstromkreis
  • die Art und Verteilung der Verbraucher: ohmsche und induktive Verbraucher
  • die Umgebungsbedingungen: z.B. ob im Freien oder im Gebäude, Temperatur, Raum mit oder ohne Klimaanlage, Brandschutz
  • die notwendige Schutzart: Notwendigkeit und Art von Staubschutz; Schutz vor Tropf-, Spritz- oder Strahlwasser
  • die gewünschte Bauform: z.B. offen oder geschlossen, als Kasten oder Pult, Gehäusematerial, benötigte Schlagfestigkeit, IK-Schutzarten der Umhüllungen (Hinweis: Der in den Normen verwendete und zunächst etwas seltsam klingende Begriff „Umhüllung“ meint nichts anderes als das Gehäuse der Schaltgerätekombination.)
  • die gewünscht Einbauweise: z.B. freistehend, Wandeinbau, Hohlwandmontage, beweglich zum Einsatz auf Baustellen.

Autor: Dr. Friedhelm Kring

Zurück

Kommentare

Diskutieren Sie mit

* Pflichtfeld