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Nicht elektrotechnische Arbeiten

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Beim Gerüstbau Schutzabstände nach DIN VDE 0105-100 einhalten - Bild
Beim Gerüstbau Schutzabstände nach DIN VDE 0105-100 einhalten

Bau- und Montagearbeiten, Erdarbeiten, Säubern (Raumreinigung), Anstrich- und Korrosionsschutzarbeiten sind nicht elektrotechnische Arbeiten im Bereich elektrischer Anlagen. Diese werden in der Regel von elektrotechnischen Laien, nicht von Elektrofachkräften ausgeführt.

Schutzabstände sind einzuhalten

Dabei darf in die Annäherungszone um unter Spannung stehende Anlagenteile nicht eingedrungen werden, es sei denn, dass ein vollständiger Schutz gegen direktes Berühren besteht.

Bei Bauarbeiten und sonstigen nicht elektrotechnischen Arbeiten sind Schutzabstände von unter Spannung stehenden Teilen einzuhalten.

Diese sind in der DIN VDE 0105-100 „Betrieb von elektrischen Anlagen“ festgelegt.

Dort heißt es:

„Bei Bauarbeiten und sonstigen nicht elektrotechnischen Arbeiten, wie z.B.

  • Gerüstbau
  • Arbeiten mit Hebezeugen, Baumaschinen und Fördermitteln
  • Montagearbeiten
  • Transportarbeiten
  • Anstrich- und Ausbesserungsarbeiten
  • Bewegen von sonstigen Geräten und Bauhilfsmitteln

muss stets ein festgelegter Abstand eingehalten werden, insbesondere beim Ausschwingen von Lasten, Trag- und Lastaufnahmemitteln. Dieser Abstand muss vom nächstgelegenen Leiter oder  blanken unter Spannung stehenden Teil gemessen werden.

Dieser festgelegte Schutzabstand muss abgeleitet werden aus DV (Tabelle 1, siehe Anmerkung), erhöht um einen weiteren Abstand. Bei diesen Festlegungen sind zu berücksichtigen:

  • Die Spannungshöhe
  • die Art der Arbeit
  • die verwendete Ausrüstung
  • die Tatsache, dass die beteiligten Personen keine elektrotechnischen Kenntnisse haben

Es ist dringend zu empfehlen, dass dieser festgelegte Schutzabstand nicht kleiner oder aber vorzugsweise größer als DV ist.

Bei Freileitungen sind alle möglichen Bewegungen der Leiterseile in Betracht zu ziehen sowie jede Bewegung oder Verlagerung, jedes Ausschwingen, Wegschnellen oder Herunterfallen von Gegenständen, die bei der Arbeit benutzt werden.

Wegen der großen Vielfalt und Unterschiede bei solchen Arbeiten werden in dieser Norm (DIN VDE 0105-100) keine Empfehlungen für diesen Schutzabstand gegeben.“

Anmerkung: Die Tabelle A.1 in DIN VDE 0105-100 enthält Richtwerte für Schutzabstände DL und DV. In Deutschland richtet man sich in der Praxis bei den hier behandelten nicht elektrotechnischen Arbeiten nach den Schutzabständen in den folgenden Tabellen 1 und 2 (DL = Abstand, der die äußere Grenze der Gefahrenzone festlegt, siehe Abbildung 1).

Abb. 1: Abstände in Luft und Zonen für Arbeiten

Abstände in Luft und Zonen

Die Europäische Norm fordert einen Schutzabstand größer als den Richtwert DV, legt aber keine Werte fest. Für Deutschland gilt die bewährte äußere Grenze der Annäherungszone DV, die aus Tabelle 1 zu entnehmen ist.

Tab. 1: Äußere Grenze der Annäherungszone DV bei nicht elektrotechnischen Arbeiten, z.B. Bauarbeiten

Äußere Grenze der Annäherungszone DV

Bei den eingangs genannten nicht elektrotechnischen Arbeiten darf die äußere Grenze der Annäherungszone DV nach Tabelle 1 von unter Spannung stehenden elektrischen Anlagen oder Teilen elektrischer Anlagen ohne Schutz gegen direktes Berühren nicht unterschritten werden.

Dies gilt auch beim Ausschwingen von Lasten, Trag- und Lastaufnahmemitteln. Die Maße der Tabelle rechnen vom ausgeschwungenen Leiterseil ab.

Um Zweifel auszuschließen, ist die Höhe der Nennspannung vom Betreiber der elektrischen Anlage zu erfragen. Dies betrifft insbesondere die Errichtung von Baustelleneinrichtungen und Gebäuden. Einzuhaltende Schutzabstände sind mit dem Betreiber abzustimmen.

Bei Arbeiten im Bereich von Freileitungen ist eine Absprache mit dem Leitungsbetreiber in jedem Fall erforderlich. Wie weit die Leiterseile der Freileitung unter besonderen Bedingungen ausschwingen können, kann nur der Betreiber der Freileitung angeben.

Arbeiten unter Aufsicht einer Elektrofachkraft oder EuP

Falls die genannten Arbeiten unter Beaufsichtigung von Elektrofachkräften oder elektrotechnisch unterwiesenen Personen des Betreibers ausgeführt werden, gelten die kleineren Schutzabstände nach Tabelle 2. Die Einhaltung dieser Abstände nach Tabelle 2 ist ausreichend, weil der genannte Personenkreis entsprechende Kenntnisse über den Anlagenaufbau und Maßnahmen zur Gefahrenabwehr hat.

Tab. 2: Schutzabstände bei nicht elektrotechnischen Arbeiten, z.B. Bauarbeiten, die eingehalten werden können, wenn die Arbeiten durch Elektrofachkräfte oder elektrotechnisch unterwiesene Personen beaufsichtigt werden.

Schutzabstände

Bei Anstrich- und Ausbesserungsarbeiten an Masten, Portalen und dergleichen sind von unter Spannung stehenden Teilen der Freileitung mit Nennspannungen über 1 kV die Schutzabstände nach Tabelle 2 einzuhalten (Ausnahmen hiervon sind in DIN VDE 0105-100 geregelt).

Diese Arbeiten müssen jedoch von Elektrofachkräften oder elektrotechnisch unterwiesenen Personen oder unter deren Aufsichtführung durchgeführt werden.

Die Erläuterungen zu DIN VDE 0105-100 (Heft 13 der VDE-Schriftenreihe) weisen darauf hin, dass der Anwendungsbereich dieser Norm sich auch auf Annäherungen an elektrische Anlagen bei Bauarbeiten und sonstigen nicht elektrotechnischen Arbeiten erstreckt.

Absprachen mit dem Anlagenbetreiber erforderlich

Die berufsgenossenschaftliche Vorschrift (BGV)/Unfallverhütungsvorschrift (UVV) „Bauarbeiten“ (DGUV Vorschrift 38 (BGV C 22)) fordert im § 16 u.a., dass vor Beginn von Bauarbeiten durch den Unternehmer zu ermitteln ist, ob im vorgesehenen Arbeitsbereich elektrische Anlagen, z.B. Kabel, vorhanden sind, durch die Personen gefährdet werden können. Ist dies der Fall, so muss der Unternehmer im Einvernehmen mit dem Eigentümer oder Betreiber der elektrischen Anlage oder Freileitung die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen festlegen und durchführen.

Der Betreiber einer elektrischen Anlage darf also davon ausgehen, dass er von einem Unternehmer angesprochen wird, bevor dieser Bauarbeiten oder sonstige nicht elektrotechnische Arbeiten in der Nähe von elektrischen Anlagen ausführt.

Autoren: Dr.-Ing. Peter Hasse, Dipl.-Ing. Walter Kathrein

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