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Neue Mindestanforderungen für Kabelverlegung

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Die neue VDE-Anwendungsregel gilt für das Legen von Kabeln für Übertragungsnetze
Die neue VDE-Anwendungsregel gilt für das Legen von Kabeln für Übertragungsnetze (Bildquelle: ChiccoDodiFC/iStock/Thinkstock)

Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE/FNN) hat Anfang Mai die VDE-Anwendungsregel AR-N 4221 veröffentlicht. Damit liegen erstmals bundesweit einheitliche Mindestanforderungen für ausführende Unternehmen vor, welche Kabel für Elektrizitätsversorgung oder Nachrichtennetze verlegen. Nicht nur Bauingenieure, auch Elektrofachkräfte sollten die neuen Anforderungen kennen.

VDE-Anwendungsregeln sind keine Normen

VDE-Anwendungsregeln (VDE-AR) sind keine Normen und gelten daher nicht als Bestandteil des deutschen Normenwerks. Sie sind allerdings Teil des VDE-Vorschriftenwerks und haben den Status einer allgemein anerkannten Regel der Technik. Für die Praxis ist das Beachten dieser Anwendungsregeln daher ein Schritt in Richtung Rechtssicherheit.

Besonders heikel sind Fälle, bei denen es im Zuge der Kabellegung zu nicht erkannten Beschädigungen kommt. Wenn dann die Versorgungszuverlässigkeit im betroffenen Netzbereich sinkt, können aufwendige und teure Reparaturen nötig werden. Wer die in der VDE-AR-N 4221 aufgestellten Vorgaben einhält, wird im Fall einer rechtlichen Auseinandersetzung deutlich leichter nachweisen können, dass er die anerkannten Regeln der Technik ordnungsgemäß beachtet hat.

Abb. 1: VDE-AR 4221: Rechtssicherheit bei der Kabelverlegung statt Reparaturen und Nacharbeiten (Bildquelle: ChiccoDodiFC/iStock/Thinkstock)

VDE-AR 4221: Rechtssicherheit bei der Kabelverlegung statt Reparaturen und Nacharbeiten

Das sollten Elektrofachkräfte und Elektrotechniker zur neuen VDE-AR-N 4221 wissen

  • Die Anwendungsregel VDE-AR-N 4221 ist zum 1. Mai 2016 in Kraft getreten.
  • Ihr voller Titel lautet „Mindestanforderungen an ausführende Unternehmen in der Kabellegung“.
  • Die neue VDE-Anwendungsregel gilt für das Legen von Kabeln für Übertragungsnetze wie auch von Kabeln für Elektrizitätsverteilernetze sowie deren zugehörige Nachrichtennetze.
  • Die VDR-AR 4221 ergänzt die VDE-AR-N 4220 von 2013, welche die Mindestanforderungen an Bauunternehmen im Leitungstiefbau festschreibt.
  • Sie richtet sich zum einen an Netzbetreiber als Auftraggeber von Kabellegearbeiten, zum anderen an die Unternehmen, welche die Kabellegung für Übertragungs- und Verteilnetze sowie für deren zugehörige Nachrichtennetze ausführen.
  • Die AR 4221 gilt nicht nur für die offene Kabellegung, sondern auch für grabenlose Legetechniken und die damit verbundenen besonderen Anforderungen.

Ergänzung der VDE-AR-N 4220

Die VDR-AR-N 4220 „Bauunternehmen im Leitungstiefbau – Mindestanforderungen“ betrifft Unternehmen im Leitungstiefbau der Sparten Fernwärme, Gas, Strom, Telekommunikation und Trinkwasser. In Bezug auf spezifische Aspekte wie etwa zu Kabeln, Rohren, Umhüllungsmaterialien, Verbindungen oder Einbau- und Montagetechnologie verweist sie auf die einschlägigen technischen Regeln. Hinsichtlich der Anforderungen in der Kabellegung ist dies die VDE-AR-N 4221.

Formale, personelle und sachliche Anforderungen

Die neue Anwendungsregel VDE AR-N 4221 nennt die Mindestkriterien in Form von mehreren Tabellen zu verschiedenen Bereichen, u.a.:

  • Formale Anforderungen: z.B. zur Betriebshaftpflichtversicherung, Anforderungen an die Dokumentation und Aufbewahrungsfrist, u.a. als optionale Anforderungen werden Zertifizierungen und Auditierungen genannt, insbesondere im Qualitätsmanagement.
  • Personelle Anforderungen: für Bauleiter und Weisungsbefugte, für Vorarbeiter, für Fachkräfte… Die AR-N 4221 konkretisiert die Schulungs- und Qualifizierungsnachweise, zum Teil hinunter bis zu den konkreten Schulungsinhalten. So müssen etwa Vorarbeiter zwingend auch zur Kabelkennzeichnung geschult sein. Optional sind Schulungen zur Einblastechnik für Lichtwellenleiter.
  • Sachliche Anforderungen: z.B. an den Betriebshof und den Fuhrpark des ausführenden Unternehmens, an die Verkehrslenkung und die verwendeten Vermessungsgeräte. Zwingend vorgegeben ist z.B., dass Fachliteratur über Kabeltypen und Übersichten zu Kabelzugkräften, Kabeldurchmessern und Schutzrohrarten vorhanden sein muss.

Nur wenn sämtliche Kriterien – zu Personal, technischer Ausstattung, Arbeitsschutz, Dokumentation usw. – erfüllt wurden, gelten die Vorgaben der Anwendungsregel VDE-AR-N 4221 als eingehalten.

Der VDE betont darüber hinaus die Bedeutung der neuen VDE-AR-N als ein wichtiges Element der Qualitätssicherung und empfiehlt, die neue Vorschrift zum Vertragsbestandteil bei Ausschreibungen zu machen.

Eine ausführliche Vorstellung der Anwendungsregel VDE-AR 4221 finden Sie in dem Expertenbeitrag "Kabellegung nach VDE“ im Werk „Elektrosicherheit in der Praxis".

Autor: Dr. Friedhelm Kring

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