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Modelleisenbahnanlagen im Ausstellungsbetrieb

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Wird eine Modelleisenbahnanlage ausgestellt sind die Anforderungen nach DIN VDE 0100-711 zu erfüllen. - Bild
Wird eine Modelleisenbahnanlage ausgestellt sind die Anforderungen nach DIN VDE 0100-711 zu erfüllen.

Die Modelleisenbahn ist für viele ein schönes Hobby. Wird die Modellbahn jedoch vorgeführt, fällt sie in den Ausstellungsbetrieb nach DIN VDE 0100-711 und wird prüfpflichtig. Der Anlagenbetreiber muss sich an Regeln halten, die ihm wahrscheinlich fremd sind.

Dieser Fachartikel bietet dem interessierten Betreiber (meistens ein elektrotechnischer Laie) eine Möglichkeit, sich über die Belange eines Ausstellungsbetriebs zu informieren. Für die Elektrofachkraft bietet er eine Hilfe zur richtigen Einstufung dieser eher selten vorkommenden Anlagenform.

1 Erhalt der Sorgfaltspflicht

Jeder ist für sein Tun und Handeln verantwortlich. Weiterhin ist jeder angehalten, sorgfältig zu arbeiten und dadurch die Entstehung von Gefahren zu vermeiden. „Fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt.“ [1] Hieraus ergibt sich, dass Haftungsansprüche gegen einen Anlagenbetreiber einfach durchzusetzen sind, wenn der Geschädigte dem Betreiber eine Verletzung seiner Sorgfaltspflicht nachweisen kann. Im Umkehrschluss kann der Anlagenbetreiber seine Haftpflichtversicherung „einfacher“ in Anspruch nehmen, wenn er sein sorgfältiges Handeln nachweisen kann. All dies kann jedoch vermieden werden, wenn die allgemein anerkannten Regeln der Technik eingehalten werden und die Fehlerwahrscheinlichkeit durch eine gewissenhafte und fachkundige Prüfung minimiert wird.

2 Einstufung der Modelleisenbahn

Die im Handel erhältlichen Produkte der Modelleisenbahn müssen der Richtlinie 2009-48-EG (Spielzeugrichtlinie) entsprechen. Diese Richtlinie gilt jedoch nur für das Spielzeug, welches zum Verkauf bestimmt ist. Insofern werden zwar für den Ausstellungsbetrieb Komponenten verwendet, die bedingt durch ihren Herstellungsprozess und ihren Vertriebsweg unter diese Spielzeugrichtlinie fallen, das neu erstelle „Produkt“ ist jedoch kein Spielzeug. Es wird daher vom Rat der EU als „elektrische Kleinspannungsanlage“ eingestuft. [2]

3 Welches sind die „allgemein anerkannten Regeln der Technik“ für eine Modelleisenbahnausstellung?

Eine wichtige allgemein anerkannte Regel der Technik ist in der Normenreihe DIN VDE 0100 enthalten. Es handelt sich hierbei um die DIN VDE 0100-710:2003-11 „Errichten von Niederspannungsanlagen – Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Ausstellungen, Shows und Stände“. Die Modelleisenbahn mit ihren Anlagenbestandteilen Niederspannungsanlage und Kleinspannungsanlage stellt eine vorrübergehend errichtete elektrische Anlage im Sinne dieser Norm dar. [3]

Eine weitere allgemein anerkannte Regel der Technik befindet sich in den Normen der Reihe NEM. Diese „Normen Europäischer Modelleisenbahnen“ werden durch den MOROP (Verband der Modelleisenbahner und Eisenbahnfreunde Europas) erstellt und in Deutschland durch den BDEF (Bundesverband Deutscher Eisenbahnfreunde e.V.) bekannt gemacht und vertrieben. Von großer Bedeutung ist hier die NEM 609:2000 „Richtlinien zur elektrischen Sicherheit bei Modellbahnausstellungen“. Diese Norm verfügt zwar „nur“ über den Status einer Empfehlung, die Einhaltung dieser Empfehlung ist im Hinblick auf die Einhaltung der Sorgfaltspflicht [1] jedoch dringend geboten.

4 Darstellung der Problematik

Der „Kern“ der Problematik liegt in der Unkenntnis über die Normenlage. Durch den Betrieb des „Spielzeugs“ Modelleisenbahn in der Öffentlichkeit treten auch die Normen der Reihe DIN VDE 0100 in den Fokus der Betrachtung. Für einen Modelleisenbahner, der keine Elektrofachkraft ist, stellt dies ein sehr großes Problem dar. Es muss der Bezug eines „harmlosen Spielzeugs“ zu einer elektrischen Anlage hergestellt werden. Hiermit einher geht auch das Erlangen der Erkenntnis, dass ein umfangreiches und kompliziert erscheinendes Normenwerk beherrscht werden muss. Dem gegenüber stehen reale Aussagen von Modelleisenbahnern:

  • „Wir wollen doch nur spielen.“
  • „Die VDE-Normen können für uns nicht gelten. Sie sind nicht frei erhältlich und müssen teuer bezahlt werden.“
  • „Wir sind keine Elektriker. Wie sollen wir dies umsetzen?“

Eine weitere Fehleinschätzung ist die Aussage: „VDE 0100 endet an der Steckdose.“ Grundsätzlich ist diese Aussage richtig, wenn an dieser Steckdose nur ortveränderliche Geräte angeschlossen sind. Im Ausstellungsbetrieb ist es jedoch üblich, die Installationen teilweise mittels „gesteckter“ Komponenten aufzubauen. Die DIN VDE 0100-710:2003-11 bezieht sich im Abschnitt 711.526.01 explizit auf Steckverbindungen der Norm DIN VDE 0620. Diese DIN VDE 0620 beschreibt „Stecker und Steckdosen für den Hausgebrauch und ähnliche Zwecke“. In ihr sind auch die in Deutschland üblichen Schuko-Stecker beschrieben. Insofern ist die erwähnte Fehleinschätzung in diesem Anwendungsfall als solche bewiesen.

5 Woher kann man Informationen über die anzuwendenden Normen erhalten?

Gesetze und Verordnungen sind unentgeltlich über die Internetseite der Juris GmbH einzusehen. [4] Hierzu ist lediglich ein Internetzugang erforderlich. Die Gesetze und Verordnungen können z.B. als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Die Normen der Reihe NEM sind zu einem Großteil über die Internetpräsenz des BDEF kostenlos einsehbar und herunterladbar. [5]

Bei den Normen der Reihe DIN VDE stellt sich die Zugänglichkeit anders dar. Diese Normen sind einerseits nur käuflich zu erwerben, andererseits liegen sie in den öffentlichen Auslegestellen des Deutschen Normenwerks [6] zur Einsichtnahme aus.

6 Wer darf eine Modelleisenbahnanlage im Ausstellungsbetrieb prüfen?

Bei der Prüfung der Anlage sind zwei grundsätzlich verschiedene Prüfungen zu unterscheiden. Es handelt sich hierbei um die bauordnungsrechtlich vorgeschriebene Prüfung durch einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen („Prüfsachverständiger“ im Sinne der Prüfungsverordnungen der Länder) und um die Prüfung durch den Errichter der elektrischen Anlage.

6.1 Prüfung durch einen Prüfsachverständigen

Die Prüfgrundsätze für einen öffentlich bestellten und vereidigten Prüfsachverständigen auf Basis baurechtlicher Bestimmungen sind im Baurecht der Bundesländer geregelt. So fordern die Prüfverordnungen der Länder z.B. die Prüfung der Sicherheitsstromversorgung, der Brandmeldeanlage und der Alarmierungsanlagen. Diese sind jedoch in der Regel kein Bestandteil der Modelleisenbahnanlage.

In der Freien und Hansestadt Hamburg wird jedoch auch die Prüfung der allgemeinen Starkstromanlage bauordnungsrechtlich gefordert. [7] Insofern ist es erforderlich, die baurechtlichen Anforderungen in Abhängigkeit vom Anlagenstandort zu prüfen.

6.2 Prüfung durch den Errichter

Die elektrische Anlage ist durch den Anlagenerrichter vor der Inbetriebnahme zu prüfen. Die Prüfung muss durch einen „befähigten“ Prüfer durchgeführt werden. An diesen Prüfvorgang sind nachfolgende Anforderungen gerichtet:

  • Tätigkeitsüberwachung durch eine verantwortliche Elektrofachkraft
    Die verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) übernimmt die Fach- und Aufsichtsverantwortung für die Ausführung sämtlicher elektrotechnischer Arbeiten. Sie wird z.B. vom Geschäftsführer oder Inhaber eines Elektroinstallationsbetriebes beauftragt. [8]
  • Elektrofachkraft
    Die Elektrofachkraft (EFK) führt die Prüfung für die VEFK aus. VEFK und EFK können auch in Personalunion durch eine Person vertreten werden. Die EFK muss aufgrund ihrer fachlichen Ausbildung, ihrer Kenntnisse und Erfahrungen sowie der Kenntnisse der einschlägigen Normen die ihr übertragenen Arbeiten beurteilen können. Weiterhin muss sie in der Lage sein, mögliche Gefahren zu erkennen. [9]
  • Befähigung
    Die Befähigung zum Prüfen elektrischer Anlagen setzt eine Berufsausbildung, berufliche Erfahrung und eine zeitnahe berufliche Tätigkeit voraus. [10] Diese Befähigung muss vom Prüfer nachgewiesen werden. Der Nachweis ist auf die Prüfaufgabe zu beziehen.

7 Lösungsansatz

Um zu vermeiden, dass durch ein Organisationsverschulden einzelne Personen in eine unbeschränkte persönliche Haftung geraten, ist es erforderlich, die Errichtung und Prüfung der Modelleisenbahnanlage im Ausstellungsbetrieb sorgfältig vorzubereiten und ausführen zu lassen.

Der Anlagenbetreiber muss festlegen, ob er die Errichtung und Prüfung durch eigenes Personal bewerkstelligen kann. Hierzu ist mindestens die Zustimmung des Haftpflichtversicherungsgebers erforderlich. Ist dies nicht möglich, so muss er einen geeigneten Fachbetrieb mit der Aufgabe beauftragen. Dieser Vorgang muss dokumentiert werden.

7.1 Abgrenzung der Anlage

Zwischen dem Errichter der Modelleisenbahnanlage und dem Zurverfügungsteller der Räumlichkeiten muss die Zuständigkeit im Anlagenbetrieb klar abgegrenzt werden. Üblicherweise zeichnet der Zurverfügungsteller für die stationäre Anlage bis zum Speisepunkt der vorrübergehend errichteten Anlage verantwortlich.

Der Errichter der Modelleisenbahnanlage ist für seine Anlage sowie für die dazugehörenden, nicht stationären Anlagenteile verantwortlich. Dies beinhaltet auch die Prüfung des durch den Zurverfügungsteller überlassenen Speisepunkts. Hier ist eine Wiederholungsprüfung nach der VDE-Bestimmung DIN VDE 0105-100 erforderlich.

Der Leiter der Veranstaltung ist ebenfalls, falls er weder der Modelleisenbahnerrichter noch der Zurverfügungsteller ist, in diese Abstimmung einzubeziehen. Auch er kann durch ein Organisationsverschulden in Regressansprüche einbezogen werden.

7.2 Gefährdungsbeurteilung

In einer durch den Modelleisenbahnerrichter zu erstellenden Gefährdungsbeurteilung sind die Randbedingungen für die Prüfungen und den Betrieb der Modelleisenbahnanlage festzulegen. Hierbei sollte auch festgelegt werden, welche Spannungsquellen zu verwenden sind. Seit Februar 1997 ist es für Spielzeugtransformatoren nicht mehr zulässig, dass der Spannungssteller zusammen mit dem Transformator in einem Gehäuse untergebracht ist. [11] Insofern ist der Ersteller der Gefährdungsbeurteilung gut beraten, wenn die Forderung nach Spielzeugtransformatoren entsprechend DIN VDE 0570-2-7 und DIN VDE 0700-210 in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt wird.

Abb. 1: Spannungsversorgung nach aktueller Norm

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Abb. 2: Typenschildvergrößerung

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Abb. 3: Spannungsversorgung nach alter Norm

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7.3 Errichtung der Anlage

Bei der Errichtung der Modelleisenbahnanlage und der Begleitinstallationen ist die Betreuung durch eine VEFK erforderlich. Die Qualifikation der VEFK und ggf. der EFK sind dem Anlagenbetreiber nachzuweisen. Nur durch die Überprüfung der Qualifikation kann der Anlagenbetreiber einem Organisationsverschulden entgehen.

7.4 Befähigter Prüfer

Auch die Qualifikation des befähigten Prüfers ist dem Anlagenbetreiber nachzuweisen. Dieser Qualifikationsnachweis sollte die Kenntnisse folgender Normen beinhalten:

  • DIN VDE 0100-100 – Allgemeines
  • DIN VDE 0100-410 – Schutzmaßnahmen
  • DIN VDE 0100-600 – Prüfungen
  • DIN VDE 0100-711 – Ausstellungen, Shows und Stände
  • DIN VDE 0105-100 – Betrieb von elektrischen Anlagen
  • DIN VDE 0570-2-7 – Sicherheit von Transformatoren
  • DIN VDE 0700-210 – Elektrische Spielzeuge
  • DIN VDE 0701-0702 – Geräteprüfungen
  • DIN VDE 1000-10 – Errichten von Niederspannungsanlagen
  • TRBS 1203 – Befähigte Personen
  • Versammlungsstättenverordnung des betreffenden Bundeslandes
  • Prüfverordnung des betreffenden Bundeslandes
  • NEM 609 – Richtlinien zur elektrischen Sicherheit bei Modellbahnausstellungen
    Weiterhin sind Kenntnisse über Modelleisenbahnanlagen erforderlich.

8 Fazit

Die elektrisch betriebene Modelleisenbahnanlage im Ausstellungsbetrieb ist als elektrische Anlage im Sinne der Normenreihe DIN VDE 0100 zu errichten, zu prüfen und zu betreiben. Dies gilt für den Bereich der Niederspannung (230 V) und den Bereich der Kleinspannung (meist 16 V) Die allgemein hohen Qualitätsansprüche an Personen, die an elektrischen Anlagen arbeiten, sind auch hier einzuhalten.

Der Betreiber der Anlage ist hier in der Pflicht, sorgfältig zu handeln und die Qualifikation der handelnden Personen zu überprüfen. Dabei ist es für ihn oft aufgrund mangelnder Fachkunde nicht möglich, die Nachweise qualitativ bewerten zu können. Da Unwissenheit nicht vor Strafe schützt, sollte er sich fachkundig beraten lassen.

Der Anlagenbetreiber kann Haftungsansprüche nur dann an eine Haftpflichtversicherung weiterleiten, wenn er nachweisen kann, sorgfältig gehandelt zu haben. Eine Unterlassung der Anlagenprüfung steht dem sorgfältigen Handeln entgegen.

Ein weiterer Gesichtspunkt ist der Schutz der Besucher der Anlage. Ein entstandener Schaden kann auch durch eine Versicherung nicht rückgängig gemacht werden. Hierbei sind zwei „Sprüche“ aus dem Bereich der Elektrotechnik sehr einprägsam:
„Es gibt alte Elektriker. Es gibt leichtsinnige Elektriker. Aber es gibt keine alten leichtsinnigen Elektriker.“
„Strom macht klein, schwarz und hässlich.“

Abb. 4: Besonders schützenswert sind Kinder

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Insbesondere im Hinblick auf mögliche Regressansprüche sollten der Anlagenbetreiber und der Anlagenprüfer auch auf eine gerichtsfeste und vollständige Dokumentation gesteigerten Wert legen. Dieses gilt selbstverständlich auch für den Veranstalter. Unabhängig hiervon sollte sich jeder der Beteiligten bewusst sein, dass der Umgang mit elektrischen Geräten Gefahren birgt, die es durch umsichtiges Handeln zu beherrschen gilt.

Quellennachweis

[1 § 276 (2) BGB
[2] Anfrage des Autors an den Rat vom August 2011
[3] DIN VDE 0100-711:2003-11, Abschnitt 711.1.1 mit Abschnitt 711.2.1
[4] www.juris.de
[5] www.bdef.de
[6] Normenauslegestellen: siehe Internet
[7] § 14 PVO
[8] DIN VDE 1000-10:2009-01, Abschnitt 3.1
[9] DIN VDE 1000-10:2009-01, Abschnitt 3.2
[10] DIN VDE 0100-100:2009-06, Abschnitt 134.1.1 mit TRBS 1203:2010-03
[11] DIN VDE 0700-210 A1: 1997-02, Abschnitt 14.2

Autor: Dipl.-Ing. (FH) Olaf Wulf VDE

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Kommentare

Kommentar von Franc Mueller |

Bitte vernachlässigen Sie das Thema EMV nicht, denn größere Anlagen können schnell erhebliche Funk-Störungen auslösen. Wenn also das Radio nicht geht oder die Beleuchtung flimmert, mal Teile der Bahn abschalten, um grob zu überprüfen, welcher Teil das gewesen sein könnte!

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