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Mehr als Installation: Erneuerbare Energien und das Hintergrundwissen

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Installation einer Solaranlage auf einem Hausdach
Installation einer Solaranlage auf einem Hausdach (Bildquelle: fotolia.com © Marina Lohrbach)

Erneuerbare Energien handwerklich normgerecht zu installieren ist eine Sache. Eine ganz andere ist jedoch das Hintergrundwissen um Einspeisevergütungen, Ökostromzertifikate und eine Menge anderer Theorie, die hinter Photovoltaik und Co. steckt.

Die meisten in Deutschland ausgebildeten Elektrofachkräfte beherrschen es aus dem FF: Das korrekte Installieren und Anschließen eines so aufwendigen Systems wie einer Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Privathauses. Bei vielen Firmen endet damit aber auch schon das Hintergrundwissen um diese Technologie, die in immer mehr Haushalte Einzug hält. Fragt der Kunde nach Dingen wie Einspeisevergütungen, Zertifikaten, Umlagen und anderem Hintergrundwissen, ist der Durchschnitts-Handwerker meist ebenso überfordert, wie sein Meister. Allerdings kann man diesem Personenkreis dabei auch keinen Vorwurf machen: Was es zu dem ganzen Thema zu beachten gilt, füllt Regalwände und ist oftmals nur für Juristen wirklich verständlich. Damit aber dieses Wissen nicht nur fachfremden Theoretikern vorbehalten bleibt, liefert der folgende Artikel in Form eines FAQs die wichtigsten Informationen, die Sie danach direkt an die fragenden Kunden weitergeben können.

1. Müssen Privatleute die EEG-Umlage bezahlen?

Essen aus dem eigenen Garten, Strom vom eigenen Dach.
Abb. 1: Essen aus dem eigenen Garten, Strom vom eigenen Dach. Wer so kostensparend leben will, darf den Staat nicht vergessen: Auch Eigenversorger müssen für ihren Strom die EEG-Umlage bezahlen. (Bildquelle: © Stefan Körber/fotolia.com)

Grundsätzlich ja: „sowohl Eigenversorger als auch sonstige selbst erzeugenden Letztverbraucher“ sind zur Zahlung der EEG-Umlage verpflichtet. Und zwar kommt hier der sogenannte „Unterfall B1.1“ zum Tragen. Als Eigenversorger gilt demnach, wer folgende Definitionen erfüllt:

  • Anlagenbetreiber und Letztverbraucher sind identische Personen
  • Unmittelbarer räumlicher Zusammenhang
  • Zeitgleichheit von Erzeugung und Verbrauch
  • Keine Durchleitung durch ein allgemeines Versorgungsnetz

Im Klartext bedeutet das: Wer auf seinem Hausdach eine Photovoltaikanlage installiert hat und den daraus erzeugten Strom selbst verbraucht, gilt als Eigenversorger und muss die EEG-Umlage bezahlen. Dazu müssen die Verbräuche an den zuständigen Netzbetreiber gemeldet werden sowie an die Bundesnetzagentur. Allerdings gilt auch hier: Keine Regel ohne Ausnahme. So sind Eigenversorger unter bestimmten Umständen von der Umlage ganz oder teilweise befreit.

2. Kommt jede Photovoltaikanlage für einen KfW-Kredit in Frage?

Nein. Das Zünglein an der Waage lautet hier Einspeisung. Einen KfW-Kredit bewilligt bekommt nur derjenige, dessen Anlage so geplant ist, dass ihre Leistung über dem Maximalverbrauch des Haushalts liegt und der deshalb einen Teil des Stroms in das öffentliche Netz einspeist.

Was allerdings vor noch nicht allzu langer Zeit mit dazukam: Nicht nur die Anlagen selbst kommen für einen solchen Kredit infrage, sondern auch Energiespeicher. Wer also in seinem Keller eine großmaßstäbliche Batterieanlage installieren lassen möchte, um den von ihm tagsüber erzeugten Solarstrom auch nachts abrufen zu können, kann sich dies ebenfalls durch den vergünstigten KfW-Kredit finanzieren.

3. Wann und für wen werden Smart Meter zur Pflicht?

Digitale Stromzähler und vor allem das buchstäbliche Hickhack, nicht zuletzt ausgelöst durch die Bundesregierung, sorgen seit Monaten für Unruhe bei den Verbrauchern. Der aktuelle (Ende Juni 2016) Stand der Dinge nach dem Beschluss des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende ist folgender:

  • Gesetzlich verpflichtet zum Einbau sind Stromkunden mit einem Jahresverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden.
  • Der Einbau soll ab 2017 bei Verbrauchern von mehr als 10.000 kW/h starten und dann sukzessive für die geringer verbrauchenden Haushalte ausgedehnt werden.
  • Eine Pflicht für die Haushalte, die nur zwischen 3.000 und 4.000kW/h per Anno verbrauchen, ist derzeit nicht vorgesehen.
  • Bis zur Gesetzesnovelle mussten private Erzeuger Smart Meter nur installieren lassen, wenn ihre Anlage mehr als 7 kW leistete dies gilt so auch weiterhin.
  • Neu beschlossen wurde im Gesetz jedoch nun auch, dass kleine Anlagen zwischen 1 und 7 kW ab 2018 mit Smart Metern ausgestattet werden dürfen, sofern die Preisobergrenze bei 60 Euro liegt.
Spart Smart Meter kosten?
Abb. 2: Gedacht ist, dass Smart Meter dem Verbraucher Kosten durch genauere Messungen sparen. In der Realität wird die Ersparnis aber meist von den Kosten aufgefressen (Bildquelle: © galaxy67/fotolia.com)

Damit liegt nach dem jüngsten Gesetzesbeschluss zumindest in weiten Teilen Rechtssicherheit für Privatleute und Firmen vor – wenn auch ob des staatlichen Zwangs vielleicht nicht unbedingt zur Freude aller. Allerdings sorgten die Stromversorger noch kurz vor Verabschiedung des Gesetzes dafür, dass ein Passus daraus gestrichen wurde, wonach der Versorger für mögliche Zusatzkosten des Umbaus geradezustehen hatte. Im Klartext: Ist im Zählerschrank kein Platz für den Smart Meter, muss künftig der Verbraucher den Um- oder Einbau eines passenden Schranks bezahlen.

4. Was sind Ökostromzertifikate und Gütesiegel und wofür braucht man die?

Durch die Vielzahl an Stromanbietern ist der Markt keinesfalls homogen. Und verkompliziert wird das Ganze dadurch, dass der Begriff „Ökostrom“ in der EU kein geschützter Begriff ist. Darüber hinaus existieren in Europa nicht einmal einheitliche Standards darüber, was überhaupt als Ökostrom gilt. Das wiederum führt dazu, dass ein Anbieter auch verhältnismäßig sauberen Gaskraft-Strom als Ökostrom deklariert, der andere hingegen nur tatsächlich aus Wind, Sonne und Wasser regenerativ erzeugten Strom.

Um hier für den Verbraucher Klarheit zu schaffen, gibt es Ökostromzertifikate und Gütesiegel. Auch bei ihnen ist der Unterschied auf den ersten Blick nicht ganz eindeutig, lässt sich aber auf folgendes herunterbrechen:

  • Ökostromzertifikate geben Auskunft über Herkunft und Zusammensetzung des Stroms
  • Gütesiegel sagen aus, wie umweltfreundlich der Strom produziert wurde.
grüner strom
Abb. 3: In der Praxis verwendeten viele Stromhersteller die RECS-Zertifikate, um umweltschädlich produzierten Strom grün umzudeklarieren – das brachte Verbraucherschützer auf die Barrikaden (Bildquelle: © rcfotostock/fotolia.com)

Eine Liste der wichtigsten Zertifikate und Gütesiegel hat das Portal Verivox zusammengestellt. Schon darin lässt sich erkennen, wie vielfältig die Definitionen sind – und wie sehr hier der Verbraucher gefordert ist, selbst zu vergleichen.

Vorsicht ist jedoch bei den sogenannten RECS-Zertifikaten angebracht: Das „Renewable Energy Certificate System“ ist zwar in 15 europäischen Ländern eingeführt, garantiert jedoch keinen Ökostrom. Das Prinzip verläuft folgendermaßen:

  1. Ein „echter“ Ökostromerzeuger produziert ein Megawatt Ökostrom aus Wind, Sonne oder Wasser.
  2. Für jedes Megawatt bekommt dieser Erzeuger ein RECS-Zertifikat.
  3. Diese Zertifikate kann er nun zu Geld machen und verkaufen.
  4. Ein Hersteller von konventionellem Strom kann nun dieses RECS-Zertifikat erwerben.
  5. Damit erhält er das Recht, die entsprechende Menge an herkömmlichem Strom als Ökostrom zu deklarieren.

Gedacht war, dass RECS den Handel mit Grünstromzertifikaten ermöglicht. Heraus kam jedoch eine vielkritisierte Praxis, mit der laut Verbraucherschützern die Endverbraucher getäuscht und einfach herkömmlich produzierter Strom grün umdeklariert wurde. Aus diesem Grund wird RECS auch bis Ende 2016 eingestellt und durch das EECS-GoO-System ersetzt. Dabei funktionieren die Herkunftsnachweise jedoch auf EU-Direktiven und nationalen Gesetzen, sodass mehr Verbrauchersicherheit gegeben sein soll.

5. Ist die Einspeisevergütung eine dauerhaft feste Einrichtung?

Mitnichten. Die Einspeisevergütung unterliegt seit ihrer Einführung einer beständigen Reduktion durch die zuständigen Behörden. Das bedeutet: Je später eine Anlage, die regenerativen Strom erzeugt, in Betrieb genommen wird, desto geringer sind die Vergütungssätze. Zum Vergleich: Nach dem alten EE-Gesetz gab es für Strom aus Photovoltaikanlagen, die 2001 in Betrieb gingen, noch die sehr üppige Vergütung von mindestens 50,6 Cent pro Kilowattstunde. Wer hingegen erst im Juni 2016 seine Anlage in Betrieb genommen hat, kann bei den so beliebten Kleinanlagen mit bis zu 10 kW nur noch mit 12,31 Cent pro Kilowattstunde rechnen. Das erklärt auch den gewaltigen „Solar-Boom“, der die Branche zu Beginn des Jahrtausends befiel: Viele Anlagen entstanden nur aus Gründen des Geldes und weniger des Umweltschutzes.

Photovoltaikmodule auf einem Hausdach
Abb. 4: Der Vorteil der Einspeisevergütung ist der, dass sie für jede Anlage fest bleibt und sich nur für Neubauten verringert. Das gilt auch dann, wenn Module wegen Schäden ausgetauscht werden müssen. (Bildquelle: © goldbany/fotolia.com)

Ebenfalls einen Unterschied für die Vergütung macht es, wo genau die Anlage aufgestellt werden soll: Ein Hausherr, der seine Photovoltaikanlage direkt aufs Dach eines Wohngebäudes oder einer Lärmschutzwand setzen lässt, bekommt viel mehr Einspeisevergütung, als wenn die ansonsten gleiche Anlage auf einem Nebengebäude oder einer Freifläche stünde.

6. Habe ich als Selbsterzeuger noch Alternativen zur Photovoltaik?

Die gibt es: Für Privatanwender existiert noch die Möglichkeit, sich eine sogenannte Kleinwindkraftanlage installieren zu lassen – im Prinzip ein Windrad im Kleinformat. Diese Anlagen dürfen per Gesetz maximal 70 kW leisten. In der Realität beschränken sich die Mini-Windräder für den Hausgebrauch aber auf Werte bis maximal 30 kW.

Kleinwindkraftanlage
Abb. 6: Bei Kleinwindkraftanlagen gibt es viele Gesetzeslücken. Sie lohnen sich nur dann wirklich, wenn garantiert kein Nachbar in unmittelbarer Nähe davon gestört werden kann. (Bildquelle: © Gerhard Seybert/fotolia.com)

Das Problem an diesen Systemen ist jedoch: Es gibt weder einheitliche Gesetzgebungen in Deutschland, noch Rechtssicherheit: Einige Bundesländer fordern eine Baugenehmigung, andere nicht. Wieder andere Länder erachten alles unter zehn Metern Höhe als genehmigungsfrei wohingegen in manchen Bundesländern die Umweltbehörde grünes Licht geben muss. Zusätzlich bedeutet das jedoch auch: Selbst wenn die Anlage ohne Genehmigung erbaut werden kann, kann immer noch die jeweilige Gemeinde protestieren und auch Nachbarn, die sich durch Geräusch oder Schattenwurf gestört fühlen, Klage einreichen.

Fazit

Kunden für Photovoltaikanlagen werden immer Fragen haben, die weit über das Technische allein hinausgehen. Wer darauf die passenden Antworten liefern kann, punktet und zeigt, dass er mehr ist, als ein reiner Techniker, der nur das Fachwissen über die Installation abrufen kann.

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