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Installationsmängel gefährden Unbeteiligte

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Die Einhaltung von Vorschriften kann Stromunfälle vermeiden.

Wenn elektrotechnische Tätigkeiten unsauber ausgeführt werden, ist nicht nur die Elektrofachkraft selbst gefährdet. Manchmal trifft später unbeteiligte Dritte "der Schlag", wie Berichte von Stromunfällen zeigen.

Wenn Elektrofachkräfte geltende Vorschriften nicht beachten, können Unbeteiligte bei Stromunfällen zu Schaden kommen. Im Rahmen unserer Serie „Unfälle mit Elektrofachkräften“ wurde bereits mehrfach deutlich, wie Elektrofachkräfte mit den Folgen der eigenen Fehler konfrontiert werden. Manchmal aber erleiden noch ahnungslose Außenstehende Stromunfälle, weil die Elektrofachkraft etwas übersehen oder auf unsachgemäße Weise ausgeführt hat. Von so einem Stromunfall berichtet zum Beispiel das Starkstrominspektorat, Kontrollbehörde für Schwach- und Starkstromanlagen in der Schweiz.

Elektrofachkraft verwechselt Pol- und Neutralleiter bei Montage

Im Badezimmer eines Privathaushalts musste der Spiegelschrank ausgewechselt werden. Dafür wurde ein Sanitärmonteur beauftragt. Der Elektriker stellte fest, dass es sich um eine veraltete Installation handelte, N und PE befanden sich noch in einem Leiter. Kurzerhand legte der Mann eine Brücke zwischen Neutral- und Schutzleiterklemme und montierte das Leuchtmittel.

Zeitdruck provoziert Stromunfälle

Offenbar stand der Monteur unter Zeitdruck, denn er führte nach Angaben der Aufsichtsbehörde nur noch eine Funktionskontrolle durch - die Prüfung nach der dort geltenden Niederspannungs-Installationsverordnung (NIV) blieb aus. Diese Verordnung regelt in der Schweiz die Voraussetzungen für die Arbeiten und Kontrollen an elektrischen Niederspannungsinstallationen. So übersah der Elektriker eine nicht unerhebliche „Kleinigkeit“: Er hatte beim Anschluss den geschalteten Pol-Leiter mit dem Neutralleiter verwechselt. Das blieb eine Weile unbemerkt.

Mädchen erleidet Stromunfall in der Badewanne

Einige Wochen später wollte ein Mädchen, das offenbar dem Haushalt angehörte, ein Bad nehmen. Es stieg in die Badewanne, als diese zur Hälfte mit Wasser gefüllt war, und zog dabei seinen Armreif ab, um ihn auf das Ablagefach des Spiegelschranks zu legen.
Bei der Berührung des Schranks wurde das Mädchen, noch im Wasser stehend, heftig elektrisiert: Der ganze Spiegelschrank stand unter Spannung. Das Mädchen erlitt durch diesen Stromunfall einen Herzstillstand und wurde bewusstlos, erholte sich aber kurz darauf wieder ohne fremde Hilfe. Als „Erinnerung“ an den Stromunfall blieben ihm die gut sichtbaren Stromeintrittsmarken an der Hand.

Stromunfälle können jederzeit passieren - Kontrollstatistiken sprechen Bände

Die Schweizer führen als Beispiel für das Verursachen von Stromunfällen eine Mängelliste an, die bei regelmäßigen Kontrollen eines größeren landwirtschaftlichen Anwesens entstand. Dort waren, unter anderem, an zwölf Steckdosen die Schutzleiter unterbrochen, an drei Stellen fehlte der Hauptpotenzial-Ausgleich.
Aufschlussreich ist auch die Kontrollstatistik eines größeren Stromversorgungsunternehmens: Im Berichtsjahr wurden in rund 3 000 Objekten periodische Kontrollen durchgeführt (16 327 Zählerstromkreise). Bei 1 841 Objekten waren Installationen zu beanstanden. In 69 Fällen stand der Schutzleiter unter Spannung, in 3 058 Fällen war er unterbrochen. 2 389 Mängel gefährdeten Personen, 979 Mängel gefährdeten Sachwerte.

Fazit

Nach Elektroinstallationen ist die Prüfung mit Sicherheitsnachweis durch eine Elektrofachkraft ein wesentlicher Beitrag zur Vermeidung von Stromunfällen - auch bei den zuständigen Behörden in anderen Ländern wird man nicht müde, das zu betonen.

Die Wahrscheinlichkeit eines Personen- oder Sachschadens durch Stromunfälle ist groß, wenn die jeweils geltenden Vorschriften, Normen und Richtlinien von den Elektrofachkräften nicht eingehalten werden. Mitunter ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch unbeteiligte Dritte die Folgen zu spüren bekommen.

Autorin: Christine Lendt, freie Journalistin, www.recherche-text.de

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