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Gute Nachricht für Elektrohandwerk: BG-Beiträge sinken!

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So berechnen sich Ihre BG-Beiträge
So berechnen sich Ihre BG-Beiträge (Bildquelle: Domen Colja/Hemera/Thinkstock)

Beschäftigte aus Unternehmen der Elektronik oder Elektrotechnik und Betrieben des Elektrohandwerks sind in aller Regel über die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) unfallversichert. Da die Unfallzahlen 2014 im Vergleich zum Vorjahr gesunken sind, kann die BG ETEM den durchschnittlichen Beitrag ihrer Mitgliedsbetriebe für das Umlagejahr 2014 auf 0,81 Euro pro 100 Euro Lohnsumme senken. Damit zahlen die versicherten Unternehmen knapp 5 Prozent weniger als im Jahr davor.

Wir nehmen die freudige Nachricht zum Anlass, über die Hintergründe der Beitragserhebung zu informieren. Denn wie die Beiträge von den Berufsgenossenschaften ermittelt und erhoben werden, dazu tauchen immer wieder die gleichen Fragen auf.

Warum müssen Sie BG-Beiträge zahlen?

Die Berufsgenossenschaften (BG) sind in Deutschland die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Diese gesetzliche Unfallversicherung ist eine Pflichtversicherung. Jeder Unternehmer muss einen neuen Betrieb binnen einer Woche nach Eröffnung bei seiner BG anmelden. Für Betriebe des Elektrohandwerks oder Unternehmen der Elektrotechnik oder Elektronik ist dies die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM).

Alle Arbeitnehmer, die in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis stehen, auch Auszubildende, sind damit durch die Berufsgenossenschaft ihres Betriebs unfallversichert. Das bedeutet, dass sie nach einem Arbeits- oder Wegeunfall (einem Unfall auf dem Weg von ihrem Zuhause zur Arbeitsstätte und zurück) Anspruch auf ambulante und stationäre Heilbehandlung haben. Gleiches gilt bei anerkannten Berufskrankheiten. Im Jahr 2014 erlitten allein bei Mitgliedsbetrieben der BG ETEM etwa 58.000 Versicherte einen Arbeitsunfall.

Zu den Leistungen der BG gehören:

  • Sachleistungen wie Heilbehandlung, Pflege und Reha usw.,
  • Geldleistungen wie Verletztengelder, Übergangsgelder und Unfallrenten sowie
  • die Finanzierung von Maßnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung

Achtung

Der Unternehmer eines Betriebs der Elektrotechnik oder Energie ist in eigener Person selbst versicherungsfrei. Er kann jedoch eine freiwillige Versicherung abschließen. Gleiches gilt für im Betrieb mithelfende Ehepartner eines Einzelunternehmens, wenn mit diesen kein Arbeitsverhältnis besteht.

Die Leistungen der Berufsgenossenschaften werden gegenfinanziert durch die Beiträge ihrer Mitgliedsbetriebe. Diesen Beitrag muss Ihr Betrieb - im Gegensatz zu anderen Beiträgen der Sozialversicherung - nicht monatlich, sondern einmal im Jahr zahlen. Ebenfalls im Unterschied zu Kranken- und Rentenversicherung müssen die versicherten Beschäftigten keine eigenen Anteile zur Unfallversicherung leisten.

Wie berechnen sich Ihre BG-Beiträge?

Die Höhe der Beiträge eines Betriebs an seine Berufsgenossenschaft ist nicht fixiert. Sie wird jedes Jahr neu berechnet und hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Gefahrklasse = eine Einschätzung der Unfallgefahr der Branche und der spezifischen Risiken des Gewerbezweigs
  • Umlagesoll = der Finanzbedarf der BG, im wesentlichen bestimmt durch die Ausgaben im Jahr zuvor
  • Arbeitsentgelte = die Brutto-Arbeitslöhne aller Versicherten des Betriebs
  • das Unfallgeschehen im konkreten Unternehmen

Aus den ersten drei dieser Faktoren berechnet die BG einen sogenannten Beitragsfuß, der die Arbeitsentgelte mit dem Versicherungsrisiko gewichtet. Die Gefahrklasse berücksichtigt, dass für verschiedene Branchen und Gewerke ganz unterschiedliche Risiken gelten.

Innerhalb des Elektrobereichs der BG ETEM liegt z.B. die Gefahrklasse für die Herstellung von Geräten der Nachrichten-, Mess-, Informations- und Medizintechnik am unteren Ende bei 2, während sie für "Elektrotechnische Großinstallationen" den Spitzenwert von 13,0 beträgt. Zum Vergleich: Der Gefahrtarif für eine Unternehmensberatung liegt bei 0,9, bei Dacharbeiten bei 19,0, für die Pferdehaltung gar bei 28,0. Die meisten Elektroberufe liegen also im guten Mittelfeld. (Alle Zahlenangaben stammen aus dem ab 01.01.2015 geltenden Gefahrtarif der BG ETEM).

Der Beitrag des einzelnen Betriebs berechnet sich dann gemäß der folgenden Formel:

Berechnung des BG-Beitrags

Wichtiger Hinweis zum 4. Faktor der obigen Liste: Auf diesen berechneten Beitrag kann die Berufsgenossenschaft Zuschläge oder Nachlässe gewähren. Diese bemessen sich daran, ob und welche Unfälle sich an den Arbeitsplätzen in Ihrem Betriebe ereignet haben. Damit soll auch ein gewisser Belohnungseffekt erreicht werden, indem Betriebe mit einem hohen Engagement in Sachen Unfallprävention, sorgsam durchgeführten Gefährdungsbeurteilungen, Unterweisung der Mitarbeiter, Benutzung von PSA usw. nicht nur von weniger Unfällen und weniger Arbeitsunfähigkeitstagen, sondern auch von Beitragssenkungen profitieren. Wegeunfälle werden hier nicht berücksichtigt, denn auf den Straßenverkehr hat ein Unternehmer und Arbeitgeber meist wenig Einfluss.

Weniger Unfälle = geringere Beiträge

Aus dem zweiten Punkt der obigen Liste ergibt sich, dass die BG-Beiträge umso höher sein müssen, je mehr Ausgaben die Berufsgenossenschaft hat. Umgekehrt sinken die Beitragsraten, wenn die BG aufgrund von weniger Arbeitsunfällen geringere finanzielle Leistungen erbringen muss.

Entlastung für Betriebe der BG ETEM aufgrund niedrigerer Unfallzahlen (Bildquelle: BG ETEM)
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Entlastung für Betriebe der BG ETEM aufgrund niedrigerer Unfallzahlen

Als die Berufsgenossenschaft (BG) Energie Textil Elektro Anfang 2010 mit der BG Druck und Papierverarbeitung (BGDP) zur BG ETEM fusioniert ist, lag der Umlagesatz noch bei 0,92 Euro je 100 Euro Lohnsumme. Dieser Durchschnittsbeitrag für die BG-Eigenumlage ist seitdem kontinuierlich gesunken und beträgt nun 0,81 Euro.

Hinweis: Sehen Sie Ihre Berufsgenossenschaft nicht nur als Überwachungsinstanz oder Kostenfaktor. Zu den Aufgaben der BG gehört es auch, ihre Mitgliedsunternehmen in allen Fragen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes zu beraten. Es ist also durchaus erwünscht und ein Zeichen von Engagement und Interesse, wenn Sie sich z. B. bei speziellen Fragen der Arbeits- und Elektrosicherheit an einen Experten Ihrer Berufsgenossenschaft wenden oder für die Unterweisung Ihrer Mitarbeiter deren Materialien nutzen.

Autor: Dr. Friedhelm Kring

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