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Die Farbe ist doch für die Funktion egal!?

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Die farbliche Kennzeichnung von Leitungen und Kabeln ist nicht immer klar.
Die farbliche Kennzeichnung von Leitungen und Kabeln ist nicht immer klar. (Bildquelle: FactoryTh/iStock/Thinkstock)

Oft besteht Unverständnis bezüglich farblicher Kennzeichnung

Bei Abnahmeprüfungen von neu errichteten elektrischen Anlagen entstehen immer wieder Diskussionen bezüglich der farblichen Kennzeichnung von Kabel und Leitungen. Häufig kommt es seitens der Errichter zu Äußerungen wie „Die Farbe ist doch für die Funktion egal.“ oder „Wo steht denn das mit den Farben in der Norm geschrieben?“.

Nähert man sich dem Thema einmal sachlich, so macht es durchaus Sinn, Leitungsadern farblich zu kennzeichnen. Die farblich korrekte Kennzeichnung von Außen-, Neutral-, Schutz- und PEN-Leitern trägt zur besseren Übersichtlichkeit und damit nicht zuletzt zur Reduzierung von Risiken in einer elektrischen Anlage bei.

Wie werden TN-Systeme farblich gekennzeichnet?

Verbindliche Aussagen zur farblichen Kennzeichnung von Leitern finden sich in der VDE 0100-510:2014-10 („Errichten von Niederspannungsanlagen - Teil 5-51: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel - Allgemeine Bestimmungen“). Die Norm beschreibt u.a. die Farbgebung von Außen-, Neutral-, Schutz- und PEN-Leiter in TN-Systemen.

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Grundsätzliche Festlegungen

Grundsätzlich müssen die farblichen Kennzeichnungen immer über die gesamte Länge eines Leiters erfolgen. D.h. ein Umwickeln von Leitern in der korrekten Farbe nur an ihren Enden ist nicht ausreichend.

Kennzeichnung von Neutral-, Schutz- und PEN-Leitern

Neutralleiter sind prinzipiell in Blau zu kennzeichnen. Die einzige zulässige farbliche Kennzeichnung des Schutzleiters ist Grün-Gelb. Diese Farbe darf für andere Zwecke nicht eingesetzt werden.

PEN-Leiter müssen nicht zwingend isoliert ausgeführt werden. Wenn sie jedoch farblich gekennzeichnet werden, muss als Farbe Grün-Gelb mit zusätzlichen blauen Markierungen an den Leitungsenden genutzt werden. In Energie-Verteilungsnetzen kann die blaue Markierung entfallen.

Hiermit sind aber nicht alle Verteilungen (wie z.B. Unterverteilungen oder Steuerschränke) in der Industrie gemeint. Die Übersicht der in Europa zulässigen Farbkennzeichnungen im Anhang der Norm zeigt, dass andere Farbgebungen als Grün-Gelb mit blauen Markierungen, wie in anderen europäischen Ländern, in Deutschland für den PEN-Leiter nicht zulässig sind.

Farbliche Kennzeichnung von Außenleitern

Außenleiter in mehradrigen Kabeln/Leitungen und in flexiblen Leitungen mit zwei bis fünf Adern sowie Außenleiter in einadrigen Kabeln/Leitungen und Aderleitungen müssen durch die Farben Braun, Schwarz oder Grau gekennzeichnet werden. Farbgebungen in nur Grün oder nur Gelb sind unzulässig. Im Gegensatz dazu ist es jedoch nicht verboten, alle Außenleiter in derselben Farbe zu kennzeichnen (z.B. alle in Schwarz).

Vorgehensweise bei großen Querschnitten

Dem aufmerksamen Leser stellt sich jetzt vielleicht die Frage: Was, wenn es z.B. ein Kabel oder eine Leitung nicht mit der passenden farblichen Isolierung gibt?

Bei einadrigen Kabel und Leitungen, wie z.B. Energiekabel mit Leiterquerschnitten von 240 mm2, können die Kabelenden jeweils mit den normativ zulässigen farblichen Markierungen versehen werden:

  • Schutzleiter: grün-gelbe Markierungen an den Kabelenden
  • Neutralleiter: blaue Markierungen an den Kabelenden
  • PEN-Leiter: grün-gelbe und zusätzlich blaue Markierungen an den Kabelenden

Ausnahmen sind möglich

In Fällen, bei denen eine Verwechslung mit dem Neutralleiter ausgeschlossen ist (z.B. weil keine Neutralleiter vorhanden sind), dürfen Außenleiter auch in Blau gekennzeichnet werden. Ebenso ist in diesem Fall die Verwendung einer blauen Isolierung für andere Aufgaben, wie z.B. für Schaltdrähte, möglich. Aber auch hier gilt die Regel: ein Schutzleiter muss immer Grün-Gelb gekennzeichnet werden.

Weitere Ausnahmen gibt es für bestimmte Bauformen von Kabel/Leitungen. Bei den nachfolgend beispielhaft aufgelisteten Bauformen darf auf eine Kennzeichnung komplett verzichtet werden. Sie sind von der Kennzeichnungspflicht für Kabel/Leitungen ausgenommen:

  • konzentrische Leiter, die als Schutzleiter genutzt werden (z.B. NYCWY)
  • Metallmäntel, die als Schutzleiter genutzt werden
  • Bewehrungen, die als Schutzleiter genutzt werden
  • metallene Konstruktionsteile, die als Schutzleiter genutzt werden
  • unisolierte Leiter, die aufgrund der äußeren Einflüsse/Umgebungsbedingungen nicht dauerhaft zu kennzeichnen sind
  • Körper von elektrischen Betriebsmitteln, die als Schutzleiter genutzt werden
  • unisolierte Freileitungen

Das folgende Bild zeigt Kabel-/Leitungsadern, deren farbliche Kennzeichnungen falsch oder sogar gefährlich sind (z.B. eine mit schwarzem Isolierband umwickelte grün-gelbe Leitungsader, die als spannungsführende Leitungsader genutzt wird).

Nicht fachgerechte farbliche Kennzeichnung von Leitungsadern
Nicht fachgerechte farbliche Kennzeichnung von Leitungsadern (Bildquelle: Dipl.-Ing. (FH) Christoph Schneppe, B.A.)

Fazit

Die normativ korrekte Kennzeichnung von Kabel/Leitungen verbessert die Übersichtlichkeit in einer elektrischen Anlage. Dies gilt insbesondere für Einspeisepunkte von energietechnischen Anlagen, bei denen ansonsten oft die Netzformen nicht auf Anhieb zu erkennen sind.

Quellenangaben:

VDE 0100-510: Beuth Verlag GmbH, Am DIN-Platz, Burggrafenstraße 6, 10787 Berlin; VDE 0100-520:2014-10; Errichten von Niederspannungsanlagen - Teil 5-51: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel - Allgemeine Bestimmungen

Autor: Dipl.-Ing. (FH) Christoph Schneppe, B.A.

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