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Erste Hilfe bei einem Elektrounfall

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Eine schnelle erste Hilfe hilft Leben erhalten.

Stromunfälle sind relativ selten, aber oft von schwerwiegenden Folgen. Bezogen auf andere Unfallarten ist der Anteil der Elektrounfälle mit tödlichem Verlauf vergleichsweise hoch. Daher darf die Wahrscheinlichkeit, dass ein Elektrounfall tödlich enden kann, nicht unterschätzt werden.

Physiologische und physikalische Wirkungen

Bei den Wirkungen des elektrischen Stroms auf den Körper eines Menschen wird zwischen den physiologischen und den physikalischen unterschieden.

Während solche Erscheinungen, wie Muskelverkrampfungen, Nervenerschütterungen, Blutdrucksteigerung, Herzkammerflimmern und Herzstillstand, die Merkmale der physiologischen Wirkungen sind, so zählen Verbrennungen und Blendungen bei Lichtbögen, Flüssigkeitsverluste, Verkochungen sowie Strommarken an den Stromeintritts- und Austrittsstellen eines elektrisch Verunglückten zu den physikalischen Wirkungen.

Herzkammerflimmern

In Abhängigkeit von der Stromstärke und der Dauer der Durchströmung kann Herzkammerflimmern ausgelöst werden. Dieses Herzkammerflimmern bildet sich nicht selbstständig zurück. Normalerweise kann es nur mithilfe eines Defibrillators (Entflimmerungsgerät) beseitigt werden. Alle elektrischen Erregungen des Herzens werden durch einen Gleichstromstoß gelöscht. Das Herz muss spontan wieder „anspringen“.

Kreislaufstillstand

Herzkammerflimmern und Herzstillstand haben einen Kreislaufstillstand zur Folge. Dies bedeutet, dass der Blutkreislauf und damit der wichtige Sauerstofftransport beim Betroffenen zum Erliegen kommt. Dadurch entsteht Sauerstoffmangel nicht nur im Herzen, in der Lunge und den anderen Organen, sondern vor allem auch im Gehirn des Menschen. Es kann bereits nach fünf Minuten zu einem nicht mehr umkehrbaren Ausfall des Gehirns kommen und damit der Tod herbeigeführt werden.

Mit jeder Minute Verzögerung sinken die Chancen einer Lebensrettung!

Rasche Herz-Lungen-Wiederbelebung

Die Chance eines durch elektrischen Strom Verunglückten, zu überleben, kann mitunter von wenigen Minuten und Sekunden abhängen. Deshalb muss bei einem Atem- und Kreislaufstillstand in kürzester Zeit mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden, um diesen entstandenen Zustand zeitlich zu überbrücken.

Das Herzkammerflimmern verlangt am Unfallort als lebensrettende Sofortmaßnahme die schnellstmögliche Anwendung der Herz-Lungen-Wiederbelebung!

Diese Wiederbelebungsmaßnahme müssen die Ersthelfer so lange fortführen, bis der Rettungsdienst zur Verfügung steht, der eine weitere Versorgung und Behandlung (z.B. Defibrillation) übernimmt.

Elektrounfall: Was tun?

Sofortmaßnahmen und Notruf

Der Ablauf der ersten Hilfe soll generell nach den Prinzipien der Rettungskette erfolgen. Die Sofortmaßnahmen, der Notruf und die erste Hilfe zählen zu den Maßnahmen, die unmittelbar am Unfallort von den dort hinzukommenden bzw. schon vorhandenen Ersthelfern oder Personen eingeleitet werden müssen.

Aber die Besonderheit eines Elektrounfalls macht es erforderlich, dass die Rettungskette mit der Überlebenskette in Übereinstimmung gebracht wird.

Gerade bei einem Stromunfall sind die Sofortmaßnahmen und der Notruf besonders wichtig, um dem Verunfallten sofort zu helfen, aber auch gleichzeitig den Rettungsdienst zu verständigen, damit die Verzögerungszeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes am Unfallort so gering wie nur möglich gehalten werden kann.

Für das Absichern der Unfallstelle, für eine Stromunterbrechung und Unfallmeldung (d.h. für eine frühzeitige Alarmierung des Rettungsdiensts) kann jede am Unfallort eintreffende Person sorgen. Es muss dabei immer auf den Eigenschutz geachtet werden. Bei einem Notruf muss grundsätzlich die Information „STROMUNFALL“ gemeldet werden.

Der Unfall wird nach dem 5-W-Schema gemeldet:

WO (geschah es) — WAS (geschah) — WIE VIELE (Verletzte) — WELCHE (Arten der Verletzung) — WARTEN auf Rückfragen

Bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung (Ein-Helfer- oder Zwei-Helfer-Methode) ist bei der Zwei- Helfer-Methode grundsätzlich von einer höheren Effizienz auszugehen. Sie sollte immer dann angewendet werden, wenn mehrere Helfer am Unfallort zur Verfügung stehen.

Erste Hilfe

Die Herz-Lungen-Wiederbelebung (Ein-Helfer- oder Zwei-Helfer-Methode) sollte jedoch nur von ausgebildeten Ersthelfern durchgeführt werden. Dabei ist bei der Zwei-Helfer-Methode grundsätzlich von einer höheren Effizienz auszugehen. Sie sollte immer dann angewendet werden, wenn zwei Ersthelfer am Unfallort zur Verfügung stehen.

Abb. 1: Eine schnelle erste Hilfe hilft Leben erhalten

files/content/grafiken/Erste Hilfe bei Unfaellen durch elektrischen Strom/02.jpg

Überlegtes Handeln

Ersthelfer müssen am Unfallort:

Erkennen
→ was geschehen ist!

Beurteilen
→ welche Gefahren drohen (dem Ersthelfer selbst und/oder dem Verunglückten)!

Handeln
→ schnell und richtig unter Berücksichtigung der konkreten Situation:

  • Beseitigen der Ursachen
  • Begrenzen der Gefahren
  • Ersetzen der gestörten Funktion

Eine schnelle erste Hilfe fordert von jedem Ersthelfer ein überlegtes Handeln!
Ersthelfer, die sich selbst in Gefahr bringen, sind nicht mehr in der Lage, dem Verunglückten zu helfen.

Deshalb sind die fünf Sicherheitsregeln auch bei den Sofortmaßnahmen bei Unfällen durch elektrischen Strom unbedingt zu beachten.

Maßnahmen der Ersten Hilfe bei einem Elektrounfall

Bei elektrischen Unfällen ist die Eigensicherung des Rettungspersonals vorrangig!

  • Strom sofort unterbrechen!

Bei Niederspannung (bis 1.000 Volt):

Eine Unterbrechung der Stromzuleitung kann direkt durch Herausziehen des Steckers oder Betätigung der Sicherung bzw. des Hauptschalters erfolgen.
Ist das nicht sofort möglich, den Verunglückten durch nicht leitenden Gegenstand (z.B. trockene Holzlatte, Besenstiel) von den unter Spannung stehenden Teilen trennen.

Sich dabei selbst isoliert aufstellen (z.B. trockenes Brett, trockene Kleider, dicke Zeitung, Folie).
Sonst nichts berühren (z.B. Wand, Gestell, anderen Helfer).

Bei Hochspannung und bei Mittelspannung (über 1.000 Volt):

Durch den Ersthelfer ist grundsätzlich sofort der NOTRUF zu veranlassen und ggf. Fachpersonal herbeizurufen. Eine weitere Hilfeleistung kann erst nach dem Eingreifen von Fachpersonal (Freischalten des Anlagenteils) erfolgen.Sich vorher dem Verunglückten nicht nähern, ihn nicht berühren, auch nicht mit isolierenden Hilfsmitteln – LEBENSGEFAHR!

  • Feststellen, ob Atemstillstand vorliegt.

Hals des Verletzten überstrecken, Mund leicht öffnen.
(Keine Atembewegungen sicht- bzw. fühlbar, keine Atemgeräusche hörbar, sichtbare Verlegung der Atemwege, bläulichblasses Aussehen, insbesondere der Lippen und Ohrläppchen.)
Falls Atemstillstand, keine Pulskontrolle sondern sofort Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW).

  • Feststellen, ob Kreislaufstillstand vorliegt.

nicht erweckbar, bewegungslos: Bewusstlosigkeit

keine sichtbaren und fühlbaren Atembewegungen, kein hörbares Atemgeräusch: Atemstillstand

Wenn Kreislaufstillstand vorliegt, sofort Herzdruckmassage durchführen - Herz-Lungen-Wiederbelebung -

  • Liegt kein Atem- und Kreislaufstillstand vor, Verunglückten in stabile Seitenlage bringen.

Herzdruckmassage

Die Herzdruckmassage ist möglichst in Verbindung mit der Atemspende durchzuführen!

Voraussetzungen für eine exakte Herzdruckmassage:

  • Der Verunglückte muss auf einer harten Unterlage (Fußboden) liegen.
  • Den Brustbereich des Verunglückten freimachen (beengende Kleidung lösen).

Ein-Helfer-Methode:

  • Der Helfer kniet seitlich in Brusthöhe.
  • Bei ausbleibender Atmung (und fehlendem Puls) den Druckpunkt im Brustbereich suchen.
  • Den Handballen der einen Hand auf diese Linie in die Mitte der Brust legen, den Handballen der anderen Hand auf den Handrücken der ersten Hand. Alle Finger ausgestreckt.
  • Mit durchgedrückten Armen durch Gewichtsverlagerung des Körpers ruckartigen, senkrechten Druck auf das Brustbein des Verunglückten ausüben, das sich etwa 5 cm senken muss. Handballen beim Aufrichten nicht vom Brustbein abheben.
  • Diesen Druck 30-mal als Herzdruckmassage im Wechsel mit zwei Beatmungen durchführen.

Gesamtablauf der Herz-Lungen-Wiederbelebung im Überblick:

  • kurze und schnelle Situationserfassung (in jedem Fall für eine Stromunterbrechung sorgen)
  • Bewusstseinslage prüfen (ansprechen, anfassen)
  • bei Bewusstlosigkeit:
    • um Hilfe rufen
    • Atmung feststellen
  • bei Atemstillstand:
    • Verunglückten auf eine harte Unterlage legen.
    • Druckpunkt am Brustkorb aufsuchen.
    • 30-mal Herzdruckmassage.
    • 2 Beatmungen durchführen (vorher erforderlichenfalls Mundraum von Fremdkörpern säubern).

Nach ca. zwei Minuten sind die Lebenszeichen zu überprüfen. Beim Ausbleiben der Lebenszeichen ist die Herz-Lungen-Wiederbelebung fortzusetzen, bis die Atmung einsetzt oder der Rettungsdienst übernimmt. Bei erfolgreicher Wiederbelebung den Verunglückten in stabile Seitenlage bringen, seine Atmung und den Kreislauf ständig kontrollieren.

Atemspende (Wiederbelebung)

Es ist zu beachten, dass vor Beginn der Atemspende evtl. Verunreinigungen und Fremdkörper aus dem Mund des Verunglückten zu entfernen sind. 15-mal in der Minute Mund-zu-Nase-Beatmung (oder Mund-zu-Mund-Beatmung).

  • Den Verunglückten flach auf den Rücken legen.
  • Der Helfer kniet seitlich,
  • übersteckt den Hals des Verunglückten (mit der Hand an die Stirn, mit der anderen Hand unter den Unterkiefer fassen und den Kopf nackenwärts beugen), drückt die Unterlippe mit dem Daumen gegen die Oberlippe und schließt damit den Mund des Betroffenen.
  • Der Helfer atmet ein, setzt seinen weit geöffneten Mund um die Nase des Verunglückten herum, fest auf das Gesicht auf (ggf. Beatmungsgerät benutzen), damit die Luft seitlich nicht entweichen kann und bläst die eigene Ausatemluft vorsichtig in die Atemwege ein.
  • Der Helfer hebt seinen Kopf ab, dreht ihn zur Seite, beobachtet dabei den Brustkorb des Verunglückten, der durch das Zusammensinken des Brustkorbs selbstständig ausatmet.

Die Atemspende so lange durchführen, bis Erfolg eintritt oder bis zur ärztlichen Entscheidung.

Bei der Mund-zu-Mund-Beatmung setzt der Helfer seinen Mund fest um den leicht geöffneten Mund des Verunglückten herum auf, nachdem er mit Daumen und Zeigefinger, der auf der Stirn liegenden Hand, die Nase verschlossen hat.
Bei erfolgreicher Wiederbelebung den Verunglückten in stabile Seitenlage bringen. Atmung und Kreislauf sind ständig zu kontrollieren.

Lagerung von Verunglückten mit Eigenatmung

  • Bei vorhandener Eigenatmung, den Verunglückten bequem lagern und vor Kälte, Nässe sowie übermäßiger Wärme bewahren.
  • Bewusstlose Personen, wenn ausreichende Eigenatmung vorhanden, in die stabile Seitenlage bringen und so dem Transport des Rettungsdiensts überantworten.
  • Besteht Verdacht auf Bauchverletzung, so darf der Verunglückte weder trinken noch essen.
  • Bei Bewusstlosigkeit keine Flüssigkeit einflößen.
  • Bekleidungsstücke, die die Atmung des Verunglückten behindern sollten geöffnet oder gelockert werden.
  • Persönliche Gegenstände des Verunglückten (Zahnprothese, Brille, Schuhe o.a.), die beiseite gelegt wurden, sicherstellen und beim Abtransport mitgeben.

Abb. 2: Verunglückte richtig lagern

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Kontrollmerkmale für den Ersthelfer

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Sofortmaßnahmen in Abhängigkeit vom Zustand des Verunglückten

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Die Rettungskette

Abb. 3: Die Rettungskette

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Sofortmaßnahmen:

  • Absichern der Unfallstelle
  • Retten aus der Gefahrenzone
  • Wiederbelebung (Herz-Lungen-Wiederbelebung)
  • Blutstillung
  • Schockbekämpfung
  • Herstellen der stabilen Seitenlage

Wichtig:

  • frühe Alarmierung
  • frühe Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW)
  • frühe Defibrillation
  • frühe erweiterte lebensrettende Maßnahmen

Erste Hilfe bei Verbrennungen

Grundsätze:

  • Einweghandschuhe benutzen.
  • Brandwunden niemals mit den Fingern berühren.
  • In keinem Fall irgendwelche Salben, Puder, Gelees oder Öl verwenden.
  • Brandblasen nicht öffnen (Infektionsgefahr).
  • Angebrannte Kleidung vorsichtig entfernen; wo sie an der Haut klebt, muss sie belassen werden.
  • Gesichts- und Augenverbrennungen unverbunden lassen (Narbenbildung).

Erstversorgung:

  • Sofortige Kaltwasseranwendung (verletzte Körperteile so lange in kaltes Wasser tauchen, bis der Schmerz verschwindet).
  • Bei größeren Verbrennungen am Körperstamm nur sterilen Wundverband auf der unverletzten Haut befestigen.
  • Bei Bewusstsein schluckweise reichlich Flüssigkeit zuführen.
  • Den Verletzten in stabile Seitenlage bringen; so kann er nicht ersticken, wenn er eingeatmeten Rauch, Brandgase oder verschlucktes Löschpulver erbricht.
  • Türen und Fenster schließen; Brandverletzte dürfen keine Körperwärme verlieren. Goldfolie aus dem Sanitätskasten oder Gestell aus Stühlen, Tischen o.Ä. bauen und Decken darüber legen (keine Körperberührung).

Autor: Dipl.-Ing. Jörg Adamus

Diesen Fachartikel sowie weitere zum Thema finden Sie in dem Produkt Arbeitsanweisungen für die Elektrofachkraft.

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