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Errichten elektrischer Anlagen nach VDE 0100

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Anforderungen an elektrische Anlagen in Gebäuden
Anforderungen an elektrische Anlagen in Gebäuden (Bildquelle: Thinkstock)

Energieanlagen sind so zu errichten und zu betreiben, dass die technische Sicherheit gewährleistet ist. Um dies zu gewährleisten, sind die Vorgaben der allgemein anerkannten Regeln der Technik umzusetzen und einzuhalten.

Anforderungen der Normenreihe

In der Normenreihe VDE 0100 werden die wesentlichen Anforderungen an

  • neu zu errichtende Anlagen,
  • Änderungen oder
  • Erweiterungen in bestehenden Anlagen und
  • das Errichten von Niederspannungsanlagen

beschrieben.

Beispiele:

  • Wohnungsgebäude und deren Anwesen
  • Geschäftsgebäude und deren Anwesen
  • öffentliche Gebäude und deren Anwesen
  • industrielle und gewerbliche Anwesen
  • landwirtschaftliche und gärtnerische Anwesen
  • vorgefertigte Gebäude (Fertighäuser)
  • Baustellen, Ausstellungen, Messen, Jahrmärkte
  • Festplätze und andere vorübergehende Einrichtungen
  • Caravans und Campingplätze und ähnliche Einrichtungen
  • Marinas
  • Verbraucheranlagen (vor allem Beleuchtungsanlagen) außerhalb von Gebäuden, sofern sie nicht Teil eines öffentlichen Stromversorgungsnetzes sind
  • medizinisch genutzte Bereiche
  • Photovoltaikanlagen
  • Niederspannungs-Stromerzeugungsanlagen
  • die fest installierte Kabel- und Leitungsanlage für Informations- und Kommunikationstechnik sowie Meldung und Steuerung

Dabei gelten die Anforderungen für die Errichtung derartiger Anlagen sowie für Änderungen und Erweiterungen von bestehenden Anlagen dieser Art.

Bestandsschutz besteht für elektrische Anlagen oder elektrische Betriebsmittel dann, wenn

  • diese den zum Zeitpunkt ihres Errichtens oder Herstellens gültigen VDE-Normen entsprochen haben und noch entsprechen;
  • Folgenormen oder andere Regelwerke eine Anpassung an den aktuellen Stand der Technik nicht fordern;
  • Anlagen unter den zum Zeitpunkt der Errichtung bestehenden Betriebs- und Umgebungsbedingungen, für die sie ausgelegt waren, weiterhin betrieben werden;
  • Mängel nicht bestehen, die Gefahr für Leib und Leben sowie für Sachen bedeuten.

Die Inhalte dieser Normenreihe gehören somit zum Basiswissen jeder Elektrofachkraft.

Die Normen der Normenreihe VDE 0100 gelten für Stromkreise,

  • die mit einer Nennspannung von AC 1.000 V oder DC 1.500 V versorgt werden,
  • die üblicherweise mit einer Frequenz von 50 Hz, 60 Hz oder 400 Hz versorgt werden, wobei andere Frequenzen für bestimmte Anwendungen nicht zwingend ausgeschlossen werden,
  • die mit einer Spannung über AC 1.000 V betrieben werden, sofern diese Spannung aus einer elektrischen Anlage abgeleitet wird, deren Nennspannung bis AC 1.000 V betrieben wird (z.B. Werbebeleuchtungsanlagen).

Dagegen sind die Anforderungen aus Normen der Normenreihe DIN VDE 0100 nicht anzuwenden für:

  • elektrische Bahnanlagen, einschließlich Fahrzeugen und Signaltechnik
  • elektrische Ausrüstung von Kraftfahrzeugen, ausgenommen solche, die in Gruppe 700 behandelt sind
  • elektrische Anlagen an Bord von Schiffen sowie auf beweglichen und fest verankerten Offshore-Bohr- und -Förderplattformen
  • elektrische Anlagen von Flugzeugen
  • öffentliche Straßenbeleuchtungsanlagen, die Teil eines öffentlichen Stromversorgungsnetzes sind
  • Anlagen im Bergbau, Tagebau und Steinbrüchen
  • Betriebsmittel zur Funkentstörung, ausgenommen solche, die die Sicherheit der elektrischen Anlage beeinflussen
  • Elektrozaunanlagen
  • äußere Blitzschutzsysteme (LPS) von Gebäuden
  • Aufzugsanlagen (zumindest die interne Verdrahtung und Verkabelung)
  • elektrische Ausrüstung von Maschinen

Durch die Komplexität des Regelwerks und durch die europäische Harmonisierung unterliegen diese Regelungen einem fortlaufenden Veränderungs- und Verbesserungsprozess. Überarbeitungen der Norminhalte sind häufig. Für die Elektrofachkraft ist es schwer, hier den Überblick zu behalten.

Gliederung der Normenreihe VDE 0100

  • Gruppe 100 - Allgemeine Anforderungen

100 Allgemeine Grundsätze, Bestimmungen allgemeiner Merkmale, Begriffe       

  • Gruppe 200 - Begriffe 

200 Begriffe

  • Gruppe 400 - Schutzmaßnahmen

410 Schutz gegen elektrischen Schlag
420 Schutz gegen thermische Auswirkungen
430 Schutz bei Überstrom
442 Schutz von Niederspannungsanlagen bei vorübergehenden Überspannungen infolge von Erdschlüssen im Hochspannungsnetz und bei Fehlern im Niederspannungsnetz
443 Schutz bei Störspannungen und elektromagnetischen Störgrößen – Abschnitt 443: Schutz bei Überspannungen infolge atmosphärischer Einflüsse oder von Schaltvorgängen
444 Schutz bei Störspannungen und elektromagnetischen Störgrößen
450 Schutz gegen Unterspannung
460 Trennen und Schalten
482 Brandschutz bei besonderen Risiken und Gefahren

  • Gruppe 500 - Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel

510 Allgemeine Bestimmungen
520 Kabel- und Leitungsanlagen
530 Schalt- und Steuergeräte
534 Trennen, Schalten und Steuern – Abschnitt 534: Überspannung- Schutzeinrichtungen (ÜSE)
537 Geräte zum Trennen und Schalten
540 Erdungsanlagen und Schutzleiter
550 Steckvorrichtungen, Schalter und -Installationsgeräte
551 Andere Betriebsmittel – Abschnitt 551: Niederspannungsstromerzeugungseinrichtungen
557 Abschnitt 557: Hilfsstromkreise
559 Andere elektrische Betriebsmittel – Abschnitt 559: Leuchten und Beleuchtungsanlagen
560 Einrichtungen für Sicherheitszwecke
570 Koordinierung elektrischer Einrichtungen

  • Gruppe 600 - Prüfungen

600 Prüfungen

  • Gruppe 700 - Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art

701 Räume mit Badewanne oder Dusche
702 Becken von Schwimmbädern, begehbare Wasserbecken und Springbrunnen
703 Räume und Kabinen mit Saunaheizungen
704 Baustellen
705 Elektrische Anlagen von landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Betriebsstätten
706 Leitfähige Bereiche mit begrenzter Bewegungsfreiheit
708 Caravanplätze, Campingplätze und ähnliche Bereiche
709 Marinas und ähnliche Bereiche
710 Medizinisch genutzte Bereiche
711 Ausstellungen, Shows und Stände
712 Solar-Photovoltaik-(PV-) Stromversorgungssysteme
714 Beleuchtungsanlagen im Freien
715 Kleinspannungsbeleuchtungsanlagen
717 Ortsveränderliche oder transportable Baueinheiten
718 Öffentliche Einrichtungen und Arbeitsstätten – Bauliche Anlagen für Menschenansammlungen
719 Lichtwerbeanlagen mit einer Bemessungs- Ausgangs-Leerlaufspannung bis 1.000 V, die mit Heißkathoden-Leuchtstofflampen, Leuchtröhren (Neonröhren), Induktions-Entladungslampen, Leuchtdioden (LED) und/oder Leuchtdioden-Modulen aus- oder beleuchtet sind
721 Elektrische Anlagen von Caravans und Motorcaravans
722 Stromversorgung von Elektrofahrzeugen
723 Unterrichtsräume mit Experimentiereinrichtungen
724 Elektrische Anlagen in Möbeln und ähnlichen Einrichtungsgegenständen, z.B. Gardinenleisten, Dekorationsverkleidung
729 Bedienungsgänge und Wartungsgänge
730 Elektrischer Landanschluss für Fahrzeuge der Binnenschifffahrt
731 Elektrische Betriebsstätten und abgeschlossene elektrische Betriebsstätten
732 Hausanschlüsse in öffentlichen Kabelnetzen
736 Niederspannungsstromkreise in Hochspannungsschaltfeldern
737 Feuchte und nasse Bereiche und Räume und Anlagen im Freien
739 Zusätzlicher Schutz bei direktem Berühren in Wohnungen durch Schutzeinrichtungen in TN- und TT-Netzen
740 Vorübergehend errichtete elektrische Anlagen für Aufbauten, Vergnügungseinrichtungen und Buden auf Kirmesplätzen, Vergnügungsparks und für Zirkusse
753 Heizleitungen und umschlossene Heizsysteme (Fußboden- und Decken-Flächenheizungen)

Darüber hinaus haben die deutschen Normungsgremien Praxishilfen in Form von Beiblättern herausgegeben. Darin werden Hinweise und Informationen gegeben, die dazu dienen, die Anforderungen in den Normen zu erläutern und die Elektrofachkraft bei der Umsetzung zu unterstützen. Aktuell sind folgende Beiblätter innerhalb der Normenreihe VDE 0100 erhältlich:

Beiblätter

  • Beiblatt 1 zu DIN 57100/VDE 0100 Entwicklungsgang der Errichtungsbestimmungen
  • Beiblatt 2 zu DIN VDE 0100 Verzeichnis der einschlägigen Normen und Übergangsfestlegungen
  • Beiblatt 3 zu DIN 57100/VDE 0100 Struktur der Normenreihe
  • Beiblatt 5 zu VDE 0100 Maximal zulässige Längen von Kabeln und Leitungen unter Berücksichtigung des Schutzes bei indirektem Berühren, des Schutzes bei Kurzschluss und des Spannungsfalls
  • Beiblatt 1 zu DIN VDE 0100-520 Leitfaden für elektrische Anlagen – Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Kabel- und Leitungsanlagen – Begrenzung des Temperaturanstiegs bei Schnittstellenanschlüssen
  • Beiblatt 2 zu VDE 0100-520 Schutz bei Überlast, Auswahl von Überstrom-Schutzeinrichtungen, maximal zulässige Kabel- und Leitungslängen zur Einhaltung des zulässigen Spannungsfalls und der Abschaltzeiten zum Schutz gegen elektrischen Schlag
  • Beiblatt 3 zu VDE 0100-520 Strombelastbarkeit von Kabeln und Leitungen in 3-phasigen Verteilungsstromkreisen bei Lastströmen mit Oberschwingungsanteilen
  • Beiblatt 1 zu VDE 0100-710 Informationen zur Anwendung der VDE 0100-710:2002-11

Autor: Dipl.-Ing. Jörg Adamus

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