4,7/5 Sterne (3 Stimmen)
Herausforderung Elektrosicherheit: der elektrotechnische Laie 4.7 5 3

Herausforderung Elektrosicherheit: der elektrotechnische Laie

(Kommentare: 0)

In der eigenen Wohnung wird man gerne zur Elektrofachkraft
In der eigenen Wohnung wird so mancher gerne zur Elektrofachkraft (Bildquelle: PavelRodimov/iStock/Thinkstock)

Nicht ohne Grund hat der Gesetzgeber Befugnisse für elektrotechnische Arbeiten vergeben. Mit der Elektrofachkraft, der Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten und der elektrotechnisch unterwiesenen Person sind zudem die Akteure und ihre Aufgabenbereiche festgelegt. Doch in privaten Gebäuden ist bei Eigentümern und Bewohnern die Versuchung groß, die Kosten für Fachhandwerker zu sparen. Dann werkeln elektrotechnische Laien an Elektroinstallationen.

Materialien für Elektroinstallationen sind in jedem Baumarkt in großer Vielfalt frei zu erwerben. Auch per Internet kann sich jeder elektrotechnische Laie von der Hohlwanddose und dem Dämmerungsschalter bis zu Herdanschlussleitungen, Leitungsschutzschaltern oder Blitzschutz-Überspannungsableitern das komplette Arsenal zur Ausrüstung seines Eigenheims problemlos besorgen. Da liegt es für viele nahe, bei Neubauten oder Renovierungen die Kosten für Elektroarbeiten durch Eigenleistung zu vermindern.

Elektroinstallationen Marke Eigenbau

Viele Laien wissen jedoch zu wenig über die Gefahren bei Elektroinstallationen Marke Eigenbau, den Schutzpotenzialausgleich oder die Bedeutung von IP-Schutz. Folgende problematische Fälle und Fehler können bei Elektroarbeiten von Heimwerkern auftreten:

  • In Eigenarbeit werden Dachböden ausgebaut oder Gartenhäuschen angelegt und nach und nach eine vorhandene Elektroinstallation um neue Leitungen, Anschlüsse und Verteilerkästen erweitert, ohne die Gesamtlasten im Blick zu haben.
  • Schalter und Steckdosen in Kellern, Waschküchen oder Bädern sind nicht für Feuchträume geeignet, z.B. wenn Räume nachträglich umgewidmet oder erst später ausgebaut wurden.
  • Steckdosen in der Nähe von Waschbecken, in Außenbereichen oder anderen Quellen für Feuchtigkeit werden ohne Fehlerstrom-Schutzschalter installiert.
  • Es wird Strom in den Garten gelegt, z.B. für Außenleuchten, doch die verwendeten Kabel und Anschlüsse sind nicht dafür geeignet. Elektroinstallationen im Außenbereich werden nicht fachgerecht ausgeführt, z.B. sind Garten-Steckdosen nicht vor Nässe und Spritzwasser geschützt usw.
elektrische Installationen draußen fachgerecht ausführen
Nett anzuschauen, aber auch fachgerecht installiert? (Bildquelle: ronstik/iStock/Thinkstock)
  • Installationszonen für Elektroleitungen in Wänden und Decken sind nicht bekannt. Nach Belieben verlegte Leitungen werden beschädigt, wenn z.B. der folgende Bewohner in Wänden bohrt oder Nägel einschlägt.
    Hinweis: Die für das Verlegen von Elektroleitungen maßgebliche DIN 18015-3 „Elektrische Anlagen in Wohngebäuden – Teil 3: Leitungsführung und Anordnung der Betriebsmittel“ wurde im September 2016 neu aufgelegt.
  • Die Farben von Adern sind veraltet und werden daher nicht richtig zugeordnet oder verwechselt.
  • Auf Überspannungs-Schutzeinrichtungen wird verzichtet. Empfindliche elektronische Geräte können durch Blitzschlag beschädigt werden.
  • Es werden Ersatz- und Zubehörteile verwendet oder kombiniert, die nicht zusammenpassen, z.B. ein nicht dafür geeigneter Dimmer an ein Niedervolt-Halogen-System oder eine LED-Beleuchtung angeschlossen.
  • Es werden Verlängerungsleitungen oder elektrische Verbraucher im Freien benutzt, die nur für Innenbereiche vorgesehen sind. Da wird der Elektro-Rasenmäher über eine Kabeltrommel mit Strom versorgt, die nur für geschlossene Räume vorgesehen ist oder auf dem Balkongeländer eine Lichterkette installiert, die nicht zur Verwendung im Freien zugelassen ist.
  • Drehstrom wird in die Werkstatt oder Garage gelegt, um dort größere Elektrogeräte betreiben zu können.
  • Die Gefahren der Kombination von Strom und Wasser werden unterschätzt, z.B. beim Einrichten von Aquarien oder Zimmerspringbrunnen.
  • Bei laufenden Elektroarbeiten wird nicht auf ein striktes „Sichern gegen Wiedereinschalten“ geachtet. Wenn ein ahnungsloser weiterer Hausbewohner den Strom wieder einschaltet, besteht Lebensgefahr für denjenigen, der in einem anderen Raum werkelt und von Spannungsfreiheit ausgeht.

Die Gefahr eines Stromschlags wird oft unterschätzt

Je nach Situation besteht die Gefahr eines Stromschlags oder die Brandgefahr nimmt zu. Nach einem Schadensfall kann es zu Problemen mit den Leistungen der Gebäudeversicherungen kommen, wenn nicht belegt werden kann, dass Elektroarbeiten fachgerecht ausgeführt wurden. Stellt ein Sachverständiger der Feuerversicherung z.B. fest, dass eine nicht fachgerechte oder nicht geprüfte Installation Ursache für einen Kabelbrand wurde, so können Versicherungsleistungen verweigert oder gekürzt werden.

Dazu kommen Sonderfälle, z.B. dass jemand seinen verplombten Hausanschlusskasten eigenmächtig öffnet, weil der Energieversorger ihm aufgrund von Zahlungsrückständen die Stromlieferung gesperrt hat. Solche und andere Fälle von Stromklau sind nicht nur strafbar, sondern auch hochgefährlich.

Weitere Informationen zur Frage, welche elektrotechnischen Arbeiten für elektrotechnische Laien auch im privat genutzten Eigenheim laut Niederspannungsanschlussverordnung tabu sind, finden Sie im Fachbeitrag "Herausforderung Elektrosicherheit: veraltete Elektroinstallationen".

Autor: Dr. Friedhelm Kring

Zurück

Kommentare

Diskutieren Sie mit

* Pflichtfeld
Mit der Nutzung unserer Webseiten erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weiterlesen