4,5/5 Sterne (4 Stimmen)
Herausforderung Elektrosicherheit: der elektrotechnische Laie 4.5 5 4

Herausforderung Elektrosicherheit: der elektrotechnische Laie

(Kommentare: 4)

In der eigenen Wohnung wird man gerne zur Elektrofachkraft
In der eigenen Wohnung wird so mancher gerne zur Elektrofachkraft (Bildquelle: PavelRodimov/iStock/Thinkstock)

Nicht ohne Grund hat der Gesetzgeber Befugnisse für elektrotechnische Arbeiten vergeben. Mit der Elektrofachkraft, der Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten und der elektrotechnisch unterwiesenen Person sind zudem die Akteure und ihre Aufgabenbereiche festgelegt. Doch in privaten Gebäuden ist bei Eigentümern und Bewohnern die Versuchung groß, die Kosten für Fachhandwerker zu sparen. Dann werkeln elektrotechnische Laien an Elektroinstallationen.

Materialien für Elektroinstallationen sind in jedem Baumarkt in großer Vielfalt frei zu erwerben. Auch per Internet kann sich jeder elektrotechnische Laie von der Hohlwanddose und dem Dämmerungsschalter bis zu Herdanschlussleitungen, Leitungsschutzschaltern oder Blitzschutz-Überspannungsableitern das komplette Arsenal zur Ausrüstung seines Eigenheims problemlos besorgen. Da liegt es für viele nahe, bei Neubauten oder Renovierungen die Kosten für Elektroarbeiten durch Eigenleistung zu vermindern.

Elektroinstallationen Marke Eigenbau

Viele Laien wissen jedoch zu wenig über die Gefahren bei Elektroinstallationen Marke Eigenbau, den Schutzpotenzialausgleich oder die Bedeutung von IP-Schutz. Folgende problematische Fälle und Fehler können bei Elektroarbeiten von Heimwerkern auftreten:

  • In Eigenarbeit werden Dachböden ausgebaut oder Gartenhäuschen angelegt und nach und nach eine vorhandene Elektroinstallation um neue Leitungen, Anschlüsse und Verteilerkästen erweitert, ohne die Gesamtlasten im Blick zu haben.
  • Schalter und Steckdosen in Kellern, Waschküchen oder Bädern sind nicht für Feuchträume geeignet, z.B. wenn Räume nachträglich umgewidmet oder erst später ausgebaut wurden.
  • Steckdosen in der Nähe von Waschbecken, in Außenbereichen oder anderen Quellen für Feuchtigkeit werden ohne Fehlerstrom-Schutzschalter installiert.
  • Es wird Strom in den Garten gelegt, z.B. für Außenleuchten, doch die verwendeten Kabel und Anschlüsse sind nicht dafür geeignet. Elektroinstallationen im Außenbereich werden nicht fachgerecht ausgeführt, z.B. sind Garten-Steckdosen nicht vor Nässe und Spritzwasser geschützt usw.
elektrische Installationen draußen fachgerecht ausführen
Nett anzuschauen, aber auch fachgerecht installiert? (Bildquelle: ronstik/iStock/Thinkstock)
  • Installationszonen für Elektroleitungen in Wänden und Decken sind nicht bekannt. Nach Belieben verlegte Leitungen werden beschädigt, wenn z.B. der folgende Bewohner in Wänden bohrt oder Nägel einschlägt.
    Hinweis: Die für das Verlegen von Elektroleitungen maßgebliche DIN 18015-3 „Elektrische Anlagen in Wohngebäuden – Teil 3: Leitungsführung und Anordnung der Betriebsmittel“ wurde im September 2016 neu aufgelegt.
  • Die Farben von Adern sind veraltet und werden daher nicht richtig zugeordnet oder verwechselt.
  • Auf Überspannungs-Schutzeinrichtungen wird verzichtet. Empfindliche elektronische Geräte können durch Blitzschlag beschädigt werden.
  • Es werden Ersatz- und Zubehörteile verwendet oder kombiniert, die nicht zusammenpassen, z.B. ein nicht dafür geeigneter Dimmer an ein Niedervolt-Halogen-System oder eine LED-Beleuchtung angeschlossen.
  • Es werden Verlängerungsleitungen oder elektrische Verbraucher im Freien benutzt, die nur für Innenbereiche vorgesehen sind. Da wird der Elektro-Rasenmäher über eine Kabeltrommel mit Strom versorgt, die nur für geschlossene Räume vorgesehen ist oder auf dem Balkongeländer eine Lichterkette installiert, die nicht zur Verwendung im Freien zugelassen ist.
  • Drehstrom wird in die Werkstatt oder Garage gelegt, um dort größere Elektrogeräte betreiben zu können.
  • Die Gefahren der Kombination von Strom und Wasser werden unterschätzt, z.B. beim Einrichten von Aquarien oder Zimmerspringbrunnen.
  • Bei laufenden Elektroarbeiten wird nicht auf ein striktes „Sichern gegen Wiedereinschalten“ geachtet. Wenn ein ahnungsloser weiterer Hausbewohner den Strom wieder einschaltet, besteht Lebensgefahr für denjenigen, der in einem anderen Raum werkelt und von Spannungsfreiheit ausgeht.

Die Gefahr eines Stromschlags wird oft unterschätzt

Je nach Situation besteht die Gefahr eines Stromschlags oder die Brandgefahr nimmt zu. Nach einem Schadensfall kann es zu Problemen mit den Leistungen der Gebäudeversicherungen kommen, wenn nicht belegt werden kann, dass Elektroarbeiten fachgerecht ausgeführt wurden. Stellt ein Sachverständiger der Feuerversicherung z.B. fest, dass eine nicht fachgerechte oder nicht geprüfte Installation Ursache für einen Kabelbrand wurde, so können Versicherungsleistungen verweigert oder gekürzt werden.

Dazu kommen Sonderfälle, z.B. dass jemand seinen verplombten Hausanschlusskasten eigenmächtig öffnet, weil der Energieversorger ihm aufgrund von Zahlungsrückständen die Stromlieferung gesperrt hat. Solche und andere Fälle von Stromklau sind nicht nur strafbar, sondern auch hochgefährlich.

Weitere Informationen zur Frage, welche elektrotechnischen Arbeiten für elektrotechnische Laien auch im privat genutzten Eigenheim laut Niederspannungsanschlussverordnung tabu sind, finden Sie im Fachbeitrag "Herausforderung Elektrosicherheit: veraltete Elektroinstallationen".

Autor: Dr. Friedhelm Kring

Zurück

Kommentare

Kommentar von Stefan Walliser |

Selbst die Stiftung Warentest ruft mit dessen Buch "Reparaturen kompakt - Elektro + Netzwerk"
zum selber machen auf und schreibt:
"Das Elektriker-Grundwissen, Elektriker rufen? Selber machen! Steckdose legen, Stromleitung reparieren, Wohnung vernetzen: Alles kein Problem."

Na dann, prost Mahlzeit wenn schon Steckdosen gelegt werden.

Stefan Walliser
Dipl. Ing. (FH) Elektrotechnik

Antwort von Friedhelm Kring

Herr Walliser, Danke für den Hinweis. Die von Ihnen zitierte Formulierung finde ich ebenfalls recht gewagt. Hoffen wir, dass im Inneren des so beworbenen Buchs wenigstens die wichtigsten Sicherheitshinweise gegeben werden. Aber die Stiftung Warentest ist hier genausowenig frei von Interessen wie auf der anderen Seite der ZVEH, der fordert, dass „Laien grundsätzlich die Finger von Elektroarbeiten“ lassen sollten.

Mir geht es auch nicht darum, dass stets alles streng bis ins Private geregelt sein müsste. Ich erlebe jedoch immer wieder, dass es für viele schwer nachvollziehbar ist, dass man sein Eigenheim quasi komplett selbst verkabeln darf, aber im Betrieb für jede Kleinigkeit den Elektriker anfordern muss. Diese Diskrepanz mag zwar auch wieder Gründe haben, aber die Irritation kann ich nachvollziehen.

Besten Gruß, Friedhelm Kring

Kommentar von Albrecht Leuerer |

Sehr gehrter Herr Kring, sie schreiben in einer Fachpublikation über Fehler die Laien machen könnten. Wen interessiert das in einem sog. Fachbeitrag? Die Haupaufgabe v. Elektrotechnikern ist, neben der Neuerrrichtung von Anlagen, nach meiner Erfahrung den Pfusch anderer und die Folgen von schlechten Klemmverbindungen zu beseitigen.
Glauben Sie mir bitte auch folgendes: auch Fachleute machen Fehler wie sie von Ihnen genannt wurden. Ich z.B. habe noch nie einen Feuchtraumschalter in ein Badezimmer eingebaut und ich finde das völlig in Ordnung.
Albrecht Leuerer / Elektrotechniker MSR/Elektromeister

Antwort von Friedhelm Kring

Herr Leuerer, gerade weil Fachleute den „Pfusch anderer“ usw. beseitigen müssen, halte ich das Thema der elektrotechnischen Laienarbeiten für erwähnenswert. Zumal es auch elektrotechnischen Laien nicht verboten ist, sich auf diesen Seiten umzuschauen ;)

Besten Gruß, Friedhelm Kring

Kommentar von M. Hartmann |

Bitte wie ?????
"◾Die Farben von Adern sind veraltet und werden daher nicht richtig zugeordnet oder verwechselt"

Ich finde, erst WEGEN den neuen Farben gibt es diese Verwechslungsgefahr. Vorher war alles gut. Aber man hielt "uns" irgendwie für Farbenblind und eine Kommision brachte neue Farben ins Spiel.

Jetzt gibt in Bauten Kabel mit verschiedenen Farbcodes. Und plötzlich steht man vor einer Verteilerdose in denn sich alle Farben tummel und weiß nicht weiter.
Und das ist ja auch noch legitim, weil ich das alte Kabel ja nicht austauschen muß, wenn ich es nicht "anpacke".

Antwort von Friedhelm Kring

Herr Hartmann, Sie sprechen einen interessanten Punkt an. Das Für und Wider der Farbzuordnungen wäre ein Thema für einen eigenen Beitrag. Andererseits ist die Situation nicht zu ändern, die derzeitige Farbgebung sollte meines Wissens dafür sorgen, dass es europaweit halbwegs einheitlich zugeht.

Besten Gruß, Friedhelm Kring

Kommentar von Martin Meyer |

Hallo Herr Dr. Kring,

netter Beitrag.
Mich stören aber von einem Fachmann wie Ihnen Formulierungen wie
"Wenn ein ahnungsloser weiterer Hausbewohner den Strom wieder einschaltet"

Sie sollten es besser wissen:
Mit dem Einschalten der "Sicherung" stellen Sie die Spannungsversorgung
wieder her, d.h. Steckdosen und dergleichen werden mit den bei uns üblichen 230/400V Wechselspannung versorgt.
Strom fließt erst, wenn der Stromkreis geschlossen wird. Dies muss nach dem Einschalten nicht zwangsläufig gegeben sein.

Da kann ich mir als Ausbilder der Technischen Berufe den Mund bei meinen Auszubildenden fusselig reden, wenn Fachleute wie Sie solche Äußerungen tätigen.

Es grüßt sie herzlichst

Martin Meyer
Dipl. Ing. (FH) Elektrotechnik

Antwort von Friedhelm Kring

Herr Meyer, Sie haben fachlich selbstverständlich recht, dass Stromfluss und Spannung zu unterscheiden sind. Danke für den Hinweis. Der monierte Satz war eben eher aus dem Mund des „ahnungslosen Laien“ formuliert.

Besten Gruß, Friedhelm Kring

* Pflichtfeld
Mit der Nutzung unserer Webseiten erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weiterlesen