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Elektrosicherheit bei Hochwasser

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Hochwasser kann große Schäden an elektrischen Anlagen verursachen
Hochwasser kann große Schäden an elektrischen Anlagen verursachen (Bildquelle: ChiccoDodiFC/iStock/Thinkstock)

Geht es um die Elektrosicherheit, müssen Elektrofachkräfte auch das Thema „Hochwasser“ im Auge behalten. Bei Hochwasser sind nicht nur die Gebäude selbst und deren Einrichtungen in Gefahr und können beschädigt werden, sondern auch die elektrischen Anlagen.

Zur Planung des Schutzes gegen Hochwasser gehört auch die Festlegung von Maßnahmen, die nach einem Hochwasser durchgeführt werden müssen, um elektrische Anlagen wieder so schnell wie möglich in Betrieb zu nehmen.

Gefahren vorbeugen und geplant vorgehen

Aber nicht nur elektrische Anlagen müssen bei der Planung zum Schutz vor Hochwasser berücksichtigt werden, auch Lagerräume und andere Bereiche im Unternehmen, die mit diesen Anlagen zu tun haben. So sollten zum Beispiel auch die Lagerräume, in denen Unternehmen Batterien aufbewahren, zuverlässig gegen Hochwasser und Grundwasser geschützt sein. Der Schutz vor Hochwasser besteht also aus mehreren Stufen.

In der DIN 18012 wird festgelegt, wie Hauptanschlüsse im Unternehmen/Haushalt vor Hochwasser geschützt werden können. Die Anforderungen in dieser Norm sollten auf jeden Fall eingehalten werden.

In hochwassergefährdeten Gebieten gilt darüber hinaus noch die DIN 18015-1. Die Norm legt fest, wie Anschlüsse, Zähler und andere elektrische Installationen positioniert werden müssen. Hier spielt vor allem der Stand der hundertjährigen Überschwemmungshöhe eine Rolle. Es ist empfehlenswert, die in der Norm definierten Bauteile der elektrischen Anlage deutlich oberhalb dieser Marke zu montieren. Die Montage sollte darüber hinaus mit dem jeweiligen Energieversorger abgestimmt werden.

Hochwasser als höhere Gewalt

Die Gefahren, die von Hochwasser ausgehen, sind häufig unkalkulierbar, und müssen bei der Planung von Elektroanlagen berücksichtigt werden. Denn Schutzeinrichtungen, die eigentlich vor Gefahren eines Stromschlags schützen sollen, sind nicht mehr funktionsfähig, wenn sie mit Wasser in Berührung gekommen sind.

Hochwasser gilt normalweise als höhere Gewalt. Das entbindet die Netzbetreiber zunächst von der Stromversorgungspflicht. Der Energieversorger kann selbst entscheiden, ob und wo die Energieversorgung weiter aufrechterhalten werden kann und soll. Dabei spielen wirtschaftliche Aspekte genauso eine Rolle wie die Sicherheit.

Allerdings können Überschwemmungen auch von Starkregen oder anderen Ereignissen verursacht werden. In diesem Fall ist nicht immer höhere Gewalt im Spiel, und der Energieversorger wird von seiner Stromversorgungspflicht nicht entbunden. Das heißt wiederrum, dass die Anlagen weiterhin mit Energie versorgt werden, was eine nicht unerhebliche Gefahr bedeuten kann. Auf diese Gefahr müssen die Elektrofachkräfte im Unternehmen reagieren und gegensteuern. Vor allem in tiefergelegenen Bereichen des Unternehmens, wie zum Beispiel den Kellern sollte sich niemand den Anlagen nähern, wenn diese unter Wasser stehen.

Im Falle eines Hochwassers oder einer Überschwemmung muss die Energieversorgung für diesen Bereich von außen deaktiviert werden. Das kann meistens nur der Energieversorger erledigen, der dazu kontaktiert werden muss.

Prüfen Sie die elektrischen Anlagen nach einem Hochwasser
Prüfen Sie die elektrischen Anlagen nach einem Hochwasser (Bildquelle: kadmy/iStock/Thinkstock)

Nach dem Hochwasser die Anlagen prüfen

Tritt der Ernstfall ein und ein Hochwasser hat das Unternehmensgelände erreicht, muss so schnell wie möglich nach den ersten Aufräumarbeiten die Elektroinstallation geprüft werden. Diese Aufgaben sollten im Unternehmen ausschließlich Elektrofachkräfte vornehmen. Betroffene Räume oder Bereiche eines Unternehmens dürfen erst betreten werden, wenn die Elektrofachkraft den Raum freigegeben hat.

Auch wenn zunächst kein Schaden an elektrischen Anlagen zu vermuten ist, sollten diese so schnell wie möglich überprüft werden. Feuchte Geräte dürfen keinesfalls in Betrieb genommen werden, das gilt auch für durch Wasser verschmutzte Geräte. Beim Entfernen des Wassers muss die Elektrofachkraft sorgfältig vorgehen. Wird das Wasser zum Beispiel weggeblasen, kann es passieren, dass Teile der Elektroinstallation nass werden, die es vorher nicht waren. Hier kann das Wegsaugen von Wasser teilweise die bessere Wahl sein. Wie genau vorgegangen wird, müssen Elektrofachkräfte natürlich von Fall zu Fall selbst entscheiden.

Die Gewährleistung und Garantie für Elektrogeräte, Bauteile oder des Installationsmaterials müssen überprüft werden, wenn die Teile nass geworden sind. Denn in den meisten Fällen erlischt die Gewährleistung des Herstellers. Es ist daher durchaus sinnvoll, Teile zu ersetzen, die zwar generell noch funktionieren, für die aber keine Gewährleistung mehr vorliegt.

Anlagen neu in Betrieb nehmen – prüfen, messen und austauschen

Wenn das Hochwasser vorbei und das Wasser abgelaufen ist, sollte der Energieversorger eine Prüfung des Hauptanschlusses und auch des Zählers vornehmen, wenn diese Teile der Elektroinstallation nass geworden sind. Generell sollten nie alle Bereiche eines Unternehmens auf einmal in Betrieb genommen werden, sondern Elektrofachkräfte sollten die verschiedenen Areale aufteilen und nach und nach wieder aktivieren.

Nicht zugängliche Bereiche der Elektroinstallation wie Steckdosen, Schalter, Zählerkästen und auch Geräte müssen geöffnet werden, um zu überprüfen, ob diese nass geworden sind und Schäden davongetragen haben. Haushaltsgeräte müssen besonders sorgfältig überprüft werden. Hier kann die VDE 0701-0702 herangezogen werden. Die Norm beschreibt, wie elektrische Geräte nach der Instandsetzung zu prüfen sind.

Außerdem muss deren Funktion getestet und dokumentiert werden. Das gilt für alle Maßnahmen, die zum Beseitigen der Hochwasserschäden bei elektrischen Anlagen vorgenommen wurden. Schmutz und Feuchtigkeit müssen aus den Geräten und Verteilern entfernt werden. Verbindungsklemmen und Schutzeinrichtungen sind umfassend zu überprüfen.

Die Kabelverbindungen müssen vermessen werden, um auch hier sicherzustellen, dass keine Restnässe vorhanden ist. Dazu verwenden Elektrofachkräfte zum Beispiel Isolationswiderstands-Messungen.

Teile der elektrischen Anlage, deren Funktion nicht mehr gewährleistet werden kann, sind von der Elektrofachkraft auszutauschen. Sicherungen müssen in jedem Fall ausgetauscht werden, wenn sie nass geworden sind. Denn viele elektrische Bauteile verlieren ihre Schutzwirkung bei Nässe. Hier sollte kein Risiko eingegangen werden.

Fazit

Beim Umgang mit Hochwasser müssen Elektrofachkräfte also sehr geplant vorgehen. Befindet sich ein Gebäude in einem hochwassergefährdeten Gebiet, gelten besondere Vorschriften für die Installation von Elektroanlagen. Elektroinstallationen sollten vor den Gefahren eines Hochwassers so gut wie möglich geschützt werden. Tritt dennoch der Katastrophenfall ein, gilt es die Anlage so schnell wie möglich abzuschalten, damit keine Gefahr für Leib und Leben bestehen. Nach dem Hochwasser ist gut geplantes Vorgehen notwendig, um die Anlage so schnell wie möglich wieder in Betrieb zu nehmen, die Schäden zu beseitigen, und keine neuen Schäden zu verursachen.

Autor: Thomas Joos

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