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Eine neue Weiterbildung für Elektrofachkräfte

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Neue Weiterbildungsmöglichkeit für Fachkräfte im Bereich Elektrotechnik
Neue Weiterbildungsmöglichkeit für Fachkräfte im Bereich Elektrotechnik (Bildquelle: denphumi/iStock/Thinkstock)

Die Elektrofachkraft (EFK) ist heute nicht mehr ausschließlich fachlich gefordert. Mittlerweile umfasst das Tätigkeitsfeld Prozesse wie Bedarfsermittlung beim Kunden und Auftragsannahme, technologische Umsetzung, Einkauf, Logistik, Beschreibung der erforderlichen Arbeitsprozesse und umweltverträgliche Entsorgung.

Um diesen steigenden Anforderungen gerecht zu werden, gibt es nun für Fachkräfte im Bereich Elektrotechnik zur Meister- und Techniker-Ausbildung eine weitere gleichwertige Möglichkeit, sich im Rahmen der Aufstiegsfortbildung zu qualifizieren: den Prozessmanager Elektrotechnik (IHK).

Warum wurde eine neue Fortbildung ins Leben gerufen?

Im Gegensatz zum Industriemeister, dessen Handlungsschwerpunkt eher in der Führung von Arbeitsgruppen in der Produktion liegt, und dem Techniker, der häufig in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen zur Unterstützung von Ingenieurteams oder in der Arbeitsvorbereitung eingesetzt ist, bietet der Prozessmanager Elektrotechnik (IHK) hier einen völlig anderen Ansatz.
Im Berufsbild des Prozessmanagers sollen gerade bisher vernachlässigte Themen wie Qualitätssicherung, Prozessoptimierung bzw. das Generieren verfahrenstechnischer Prozesse, Analyse von Marktstudien, Entwicklung von Dienstleistungskonzepten bei gleichzeitiger Kostenüberwachung und temporärer Übernahme von Personalprozessen berücksichtigt werden.

Ausrichtung auf Arbeitsprozesse der EFK

Die starke Ausrichtung auf Arbeitsprozesse unterscheidet den neuen Lehrgang von den etablierten Weiterbildungen. Die Kenntnisse der Spezialisten werden vor allem bei Herstellern von elektrotechnischen Anlagen und Geräten oder Dienstleistern für diese Produkte nachgefragt sein. Hier übernehmen die Prozessmanager Elektrotechnik (IHK) prozessbezogen Führungsaufgaben. Die dazu erforderlichen Kenntnisse im Personal- und Projektmanagement werden ebenfalls im Lehrgang vermittelt.
Der zeitliche Umfang von etwa 1.000 Unterrichtsstunden ist mit dem des Industriemeisters vergleichbar, wobei beim Prozessmanager kognitive Fähigkeiten ausdrücklich gefördert werden sollen. Dazu kann die Schulungsmaßnahme im Wechsel von Präsenzphasen und Selbststudienphasen stattfinden. Zusätzlich ist eine betriebliche Projektarbeit durchzuführen und zu dokumentieren.

Vorteile der Weiterbildung zum Prozessmanager

Innovation und Flexibilität sind prägende Merkmale der Ausbildung zum Prozessmanager.

Abb. 1: Vorteile und Chancen der Fortbildung zum Prozessmanager (Quelle: eigene Grafik)

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Die neue Weiterbildungsform des Prozessmanagers basiert auf arbeitsprozessorientiertem Lernen in einem der drei Handlungsfelder Entwicklung, Produktion oder Service. Die betriebliche Projektarbeit in der Fortbildung ermöglicht es dabei dem angehenden Prozessmanager, erlernte Inhalte in einem konkreten betrieblichen Projekt umzusetzen und damit seinen Lernerfolg in der angewandten Praxis gegenüber sich selbst, aber auch gegenüber dem Arbeitgeber transparent werden zu lassen. Andererseits können dadurch reale betriebliche Aufgaben sinnvoll als Prüfungsprojekt abgebildet werden.

Rechtliche Voraussetzungen zur Prüfungszulassung

Der klassische Weg zur Fortbildungsprüfung des Prozessmanagers Elektrotechnik führt über einen anerkannten Elektroberuf, der zusammen mit einer einschlägigen Berufserfahrung einen Mindestzeitraum von vier Jahren bis zur ersten Teilprüfung einschließen muss.
Ein Abschluss in einem beliebigen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf kann mit einschlägiger Berufserfahrung in einem Gesamtzeitraum von fünf Jahren zur Prüfungszulassung führen.
Eine weitere Zugangsmöglichkeit ergibt sich durch eine mindestens fünfjährige einschlägige Berufserfahrung.

An die Berufspraxis werden dabei folgende Anforderungen gestellt:

  1. wesentliche Bezüge zu den Aufgaben eines Prozessmanagers oder einer Prozessmanagerin Elektrotechnik und Qualifikation eines der Elektrotechnik-Spezialisten oder
  2. eine fachlich und nach Breite und Tiefe entsprechende nachweisbare Qualifikation, z.B. eine Zusatzausbildung zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten (EFKffT), besser jedoch zur Elektrofachkraft (EFK).

Spezialistenprofil der beruflichen Tätigkeit eines Experten

Für die berufsnahe Tätigkeit ist vom Unternehmen jeweils eine Spezialistenbescheinigung zu erstellen. Zum einen werden darin die Einsatzschwerpunkte des Prüfungsteilnehmers charakterisiert, zum anderen kann diese Unterlage als Gesprächsgrundlage für den Betrieb und den Prüfungsteilnehmer bezüglich der späteren betrieblichen Projektarbeit im Unternehmen dienen (in der Regel stellt der Bildungsanbieter eine Musterbescheinigung zur Verfügung).

Spezialistenprofile

Systemspezialist/-in:

projektiert elektrische Komponenten, Geräte, Anlagen oder Systeme; erarbeitet Lösungen für produkt- oder systemtechnische Aufgabenstellungen
⇒ Systemexperten in der Fertigung

Fertigungsspezialist/-in

erarbeitet in Teams Lösungen für produktions- und prozesstechnische Aufgabenstellungen in der Fertigung elektrotechnischer Produkte
⇒ Instandhalter, Anlagenexperten

Montagespezialist/-in

koordiniert und überwacht die Abläufe beim Bau von Anlagen und Systemen beim Kunden
⇒ Fachmonteure, Inbetriebsetzer, Bauleiter

Servicespezialist/-in

analysiert Probleme und Anfragen der Kunden, erarbeitet und implementiert Problemlösungen und unterstützt die Anwendung der Produkte beim Kunden
⇒ Systemexperten mit mehrjähriger Berufserfahrung im Außendienst

Schulungsinhalte Prozessmanager

(Quelle: Verordnung Prozessmanager, DIHK)

Markt- und Technologieentwicklung

Engineering

  • Lastenhefterstellung
  • Pflichtenhefterstellung

Projekt- und Prozessmanagement

  • Konzeption
  • Implementierung
  • Steuerung und Überwachung
  • Durchführung
  • Evaluierung/Verbesserung

Personalmanagement

  • Personalbedarf
  • Personaleinsatz
  • Personalführung

Gliederung der Abschlussprüfung

Die Inhalte des Rahmenlehrplans werden in einer dreiteiligen öffentlich-rechtlichen Prüfung abgeprüft:

  1. Prozess- und Projektmanagement
  2. handlungsübergreifende Fachaufgaben
  3. Personalmanagement

Personalmanagement

eine schriftliche Situationsaufgabe

  • Personalbedarf und
  • Personaleinsatz und
  • Personalführung

Handlungsübergreifende Fachaufgaben

zwei schriftliche Situationsaufgaben

  • technische Spezifikationen (Lastenheft) und
  • technische Lösungen (Pflichtenheft)

Prozess- und Projektmanagement

Projektarbeit mit Dokumentation + Präsentation + Fachgespräch

  • Entwicklung oder
  • Service oder
  • Produktion

Status des Abschlusses zum Prozessmanager im nationalen Vergleich
Im deutschen Qualifikationsrahmen DQR wird die schulische Ausbildung der beruflichen Ausbildung gegenübergestellt. Der Abschluss zum Prozessmanager (operative professionel) ist dabei in seiner beruflichen Handlungskompetenz mit dem Status eines Bachelorabschlusses im wissenschaftlichen Bereich vergleichbar.

Aufgaben des Prozessmanagers

Entwicklung

Im Handlungsfeld Entwicklung analysiert der Prozessmanager Marktstudien und innovative Technologien im Hinblick auf neue Produkte, Systeme bzw. Dienstleistungen. Er definiert technische Schnittstellen, erstellt und testet Hard- und Softwarekomponenten auf Zukunftsfähigkeit. Er überwacht das Änderungs- und Freigabemanagement und treibt Verbesserungsprozesse an.

Produktion

Im Handlungsfeld Produktion setzt der Prozessmanager Ideen für neue und weiterzuentwickelnde Produktionsprozesse um. Er ist in die Produktionsplanung und - steuerung eingebunden. Er bewertet die Produktionsprozesse hinsichtlich Qualität, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit. Er entscheidet dazu über Eigenproduktion, Produktion im Produktionsnetzwerk oder Einkauf der Leistung.

Service

Im Handlungsfeld Service entwickelt der Prozessmanager neue Konzepte und Dienstleistungsstrategien. Er unterstützt den technischen Vertrieb oder organisiert Serviceeinsätze. Dabei begleitet er sowohl Inbetriebnahmen als auch Instandhaltungsmaßnahmen. Er optimiert Kundenanlagen unter Berücksichtigung des Qualitätsaspekts. Er konzipiert zusätzliche Serviceleistungen oder steigert das Servicelevel. Er führt Kundenschulungen durch.

Die Fortbildung zum Prozessmanager bietet eine zeitgemäße Fortbildung mit aktuellen technischen Inhalten, die im Rahmenlehrplan bewusst sehr offen gestaltet wurden, um jederzeit sowohl bekannte als auch zukünftige Technologien ansprechen zu können.

Bei der Durchführung der Lehrgänge kommen neben den klassischen Weiterbildungsveranstaltungen in Form von Seminaren, Kursen und Lehrgängen auch arbeitsintegrierte/arbeitsplatznahe Formen der betrieblichen Weiterbildung, wie geplante Phasen der Weiterbildung am Arbeitsplatz, selbstgesteuertes Lernen und Informationsveranstaltungen zum Einsatz.

Die Prüfungsteile sind inhaltlich vernetzt und werden anhand von praxisbezogenen Situationsaufgaben abgeprüft. Die betriebliche Projektarbeit erweitert und vertieft die aus den Ausbildungsberufen bereits bekannten betrieblichen Aufträgen, welche direkt am Arbeitsprozess im Unternehmen abgebildet werden. Durch das klare Profil grenzt sich dieses Weiterbildungskonzept deutlich von den bekannten Strukturen ab bzw. ergänzt diese.

Bezüglich der Förderfähigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung hat die Bundesregierung den Lehrgang zum Prozessmanager Elektrotechnik für das „Weiterbildungs-BAföG“ (auch Meister-BAföG genannt) den bereits bekannten Schulungen gleichgestellt.

Wir wünschen mit diesem Konzept viel Spaß und viel Erfolg auf dem Weg zu Ihrer persönlichen Karriereplanung.

Autor: Hans-Jörg Bauer

Den kompletten Fachartikel finden Sie in dem Produkt Elektrosicherheit in der Praxis.

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