4,4/5 Sterne (10 Stimmen)
Dringend gesucht: 100.000 Elektroingenieure 4.4 5 10

Dringend gesucht: 100.000 Elektroingenieure

(Kommentare: 0)

Elektroingenieure: dringend gesucht
Wo sind all die Elektroingenieure hin? (Bildquelle: Mike Watson Images/moodboard/Thinkstock)

Elektroingenieure und Elektrofachkräfte sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt und das wird auch so bleiben. Die hierzulande neu ausgebildeten Absolventen der Elektro- und Informationstechnik reichen nicht aus, um den wachsenden Bedarf zu decken. Rund 100.000 dieser Fachkräfte werden in den nächsten 10 Jahren in Deutschland fehlen. So lautet in Kurzform das Fazit einer Studie, welche der VDE vor Kurzem vorlegte.

Die Studie „Erwerbstätigkeit von E-Technik-Ingenieuren im Spiegel des Mikrozensus“ wurde im Auftrag vom VDE und in Kooperation mit dem VDI vom Institut für Wirtschaft in Köln durchgeführt. Der Mikrozensus ist ein Verfahren der Statistik und basiert auf einer der größten jährlichen Aktionen zur Befragung von Haushalten in Europa.

Rund 10.000 Absolventen pro Jahr fehlen

Die Ergebnisse der Untersuchung der beiden großen Ingenieursverbände in der Zusammenfassung:

  • In Deutschland leben etwas mehr als eine halbe Millionen Elektroingenieure. Davon sind etwa drei Viertel, rund 380.000 erwerbstätig.
  • Das Jobangebot für Elektroingenieure ist vergleichsweise gut. Die Arbeitslosenquote ist minimal, sie liegt für diesen Beruf seit Jahren auf einem konstant niedrigen Niveau unterhalb von 2,5 Prozent.
  • Die Ausbildung von Ingenieuren der Elektro- und Informationstechnik hinkt dem Bedarf hinterher. Zwar kommen etwa so viele Absolventen nach, wie E-Ingenieure aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Doch dies genügt nicht, um den wachsenden Bedarf zu decken.
  • Deutschland benötigt in der Elektro- und Informationstechnik von 2016 bis 2026 rund 10.000 Absolventen pro Jahr mehr, als hierzulande ausgebildet werden.
  • Der Bedarf an Ingenieuren der Elektrotechnik wird kompensiert, indem Ingenieure aus dem Ausland, insbesondere aus Südeuropa, in Deutschland Beschäftigung finden. Fast 11 Prozent, das ist fast jeder neunte Elektroingenieur in Deutschland, kommen aus dem Ausland.

VDE wirbt für Studium "Elektrotechnik und Informationstechnik“

Die Studienautoren prognostizieren eindeutig einen weiter wachsenden Bedarf an Elektroingenieuren. Als Gründe werden u.a. die technologischen Entwicklungen in Richtung Digitalisierung, Mobilität, Smart Grid und Industrie 4.0 genannt. Daher müssten die deutschen Unternehmen innerhalb der nächsten 10 Jahre rund 100.000 Elektroingenieure zusätzlich zu den in Deutschland innerhalb dieses Zeitraums ausgebildeten neuen Absolventen finden. „Unternehmen, Hochschulen und Verbände sollten also nicht nachlassen in ihrem Bemühen, mehr Jugendliche für ein Studium der Elektro- und Informationstechnik zu gewinnen“, wird der VDE-Vorstandsvorsitzendem Ansgar Hinz zitiert.

In diese Kerbe schlägt auch die vom VDE herausgegebene Broschüre "Faszination Elektrotechnik und Informationstechnik". In modernem Layout und mit vielen Fotos versucht sie, Begeisterung für die Arbeit von Elektroingenieuren zu wecken. Das Ziel ist, Schüler für ein Studium "Elektrotechnik und Informationstechnik" zu gewinnen. Die Nachwuchssorgen der Branche sollen damit mittelfristig beruhigt werden.

Ingenieurmangel: Fakt oder Märchen?

Meldungen zum Fachkräftemangel gibt es immer wieder. Mal fehlen Ingenieure, mal Techniker, mal Naturwissenschaftler. Schon vor mehr als 60 Jahren war von einem „wirklich akuten Ingenieurmangel“ zu lesen, wie etwa in diesem Artikel „Gegen den Technikermangel“ aus dem Jahr 1957. Doch die angedrohten Gefahren und „Mangelerscheinungen“ sind stets ausgeblieben. Da darf die kritische Frage erlaubt sein, welche Ursachen es für diese in regelmäßigen Abständen vorgetragenen Warnmeldungen geben könnte. So hinterfragt z.B. die Süddeutsche im März 2014 unter dem Titel "Mär vom Ingenieurmangel" die prognostizierten Ingenieurlücken als „Kampagne der Arbeitgeber“ eher kritisch.

Denn auch auf dem Arbeitsmarkt gilt das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Je mehr Schulabgänger ein Ingenieurstudium beginnen, desto größer wird der Pool an jungen, qualifizierten Ingenieuren, desto mehr Auswahl haben Unternehmen und desto niedriger bleiben die Gehälter. Man sollte bei Meldungen zum Ingenieurmangel daher genau hinschauen, aus welcher Ecke sie stammen bzw. wessen Interessen die sie verbreitenden Verbände und Institute vertreten. Der Spiegel konstatierte im letzten Jahr, das Prognosen zum Ingenieurmangel gewaltig daneben lagen, ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Doch wie auch immer man die Meldungen zu einem weiteren anstehenden Ingenieurmangel in Deutschland einschätzt, für Elektroingenieure wird das Aufgabenspektrum breiter und sie sind quer durch alle Branchen gefragt. Qualifizierte Elektroingenieure und andere Fachkräfte aus den Elektroberufen dürften auch in den nächsten Jahren gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Download-Hinweis

Sie können die aktuelle Studie „Erwerbstätigkeit von E-Technik-Ingenieuren im Spiegel des Mikrozensus“ auf den Webseiten des VDE anfordern unter www.vde.com. Obwohl unter „shop“ angeboten, ist die Studie kostenfrei erhältlich.

Autor: Dr. Friedhelm Kring

Zurück

Kommentare

Diskutieren Sie mit

* Pflichtfeld
Mit der Nutzung unserer Webseiten erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weiterlesen