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Niederspannungsrichtlinie - das müssen Sie wissen

(Kommentare: 1)

Es wird eine eindeutigere Kennzeichnung von Produkten gefordert.
Die Niederspannungsrichtlinie regelt die Kennzeichnung von Produkten (Bildquelle: Epitavi/iSTock/Thinkstock)

Viele Leser werden denken „seit Jahrzehnten gibt es die Niederspannungsrichtlinie, was soll da Neues kommen?“ und haben sogar recht damit. Denn die Änderungen sind dezent, aber tiefgehend, so wird z.B. eine Risikoanalyse gefordert.

Doch fangen wir mal formal an:

Produktinformationen

Mit der neuen Ausgabe der Niederspannungsrichtlinie (2014/35/EG) wird die Kennzeichnung des Produkts eindeutiger geregelt. Durch Produktnamen und bei entsprechenden Stückzahlen Produkt- oder Chargennummer sind die Spielchen „diese Version ist ein Sonderfall...“ nicht mehr möglich. Damit ist auch immer ein Verantwortlicher zu erkennen – das ist nicht Herr Wang aus der Firma von Herrn Chang aus der VR China, das sind immer Europäer, also Firma Müller aus Elektrohausen, dort eben dann der Geschäftsführer oder der in der Konformitätserklärung genannte Mitarbeiter.

Die Konformitätserklärung muss aber, wie bisher auch, nicht an den Kunden überreicht werden, sondern nur an Behörden auf deren Verlangen.

Richtlinientexte haben eine eigenartige Sprache... lassen Sie diese auf sich wirken... man gewöhnt sich daran.
Lesen wir Teile des Richtlinientexts dazu:

Artikel 6 Pflichten der Hersteller

"Die Hersteller geben ihren Namen, ihren eingetragenen Handelsnamen oder ihre eingetragene Handelsmarke und die Postanschrift, unter der sie erreicht werden können, auf dem elektrischen Betriebsmittel selbst oder, wenn dies nicht möglich ist, auf der Verpackung oder in den dem elektrischen Betriebsmittel beigefügten Unterlagen an. Die Anschrift bezieht sich auf eine zentrale Anlaufstelle, bei der der Hersteller erreicht werden kann. Die Kontaktdaten sind in einer Sprache anzugeben, die von den Endnutzern und den Marktüberwachungsbehörden leicht verstanden werden kann."

 

Artikel 6 Pflichten der Hersteller Punkt 5

"Die Hersteller gewährleisten, dass die von ihnen in Verkehr gebrachten elektrischen Betriebsmittel eine Typen-, Chargen- oder Seriennummer oder ein anderes Kennzeichen zu ihrer Identifikation tragen, oder, falls dies aufgrund der Größe oder Art des jeweiligen elektrischen Betriebsmittels nicht möglich ist, dass die erforderlichen Informationen auf der Verpackung oder in den dem elektrischen Betriebsmittel beigefügten Unterlagen angegeben werden"

Und wenn Ihnen wieder eine fremdsprachige Anleitung überreicht wird, überlegen Sie bitte selbst, ob das dem Artikel 6 Punkt 7 entspricht, denn der Autor gehört zu denen, die selbst bei IT-Geräten und Computerzubehör Englisch nicht als leicht verständliche Sprache akzeptieren:

Artikel 6 Pflichten der Hersteller Punkt 7

"Die Hersteller gewährleisten, dass dem elektrischen Betriebsmittel eine Betriebsanleitung und Sicherheitsinformationen beigefügt sind, die in einer vom betreffenden Mitgliedstaat festgelegten Sprache, die von den Verbrauchern und sonstigen Endnutzern leicht verstanden werden kann, verfasst sind. Diese Betriebsanleitung und Sicherheitsinformationen sowie alle Kennzeichnungen müssen klar, verständlich und deutlich sein."

GS-Zeichen und andere Prüfzeichen

Abb. 1: GS-Zeichen sollten geprüft werden

files/content/grafiken/Niederspannungsrichtlinie/GS_Zeichen.png

Dazu noch ein Nachsatz, denn nicht alle unserer Leser sind Hersteller, viele importieren Ware aus dem Ausland. Diese Händler glauben gerne, sie würden nur handelsrechtlich, aber nicht im Sinne dieses Produktrechts irgendwie verantwortlich sein – nein, diese Richtlinie beschreibt ausrücklich die Pflichten der Händler. Beachten Sie unbedingt, dass Sie als Händler bei Prüfzeichen wie GS eigentlich verpflichtet sind, diese auf den Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Das bedeutet nicht, Sie sollen neue technische Prüfungen durchführen, aber eine gesunde Überlegung, ob ein Prüfzeichen mit oder ohne Nachweis (z.B. Zeichengenehmigungsausweis, Laufzeit beachten) möglich sein kann, ist sehr sinnvoll. Alleine schon ein falsches CE-Zeichen (langer E-Strich oder falsche Abstände) sollte Sie aufmerksam machen. Es gibt auch Verzeichnisse von gefälschten Prüfzertifikaten der großen Organisationen!

Normen

Allen Praktikern, die mit der Niederspannungsrichtlinie zu tun hatten, war die Bedeutung von Normen klar. Ohne passende Norm keine CE-Kennzeichnung nach der Niederspannungsrichtlinie. Für die wenigen Sonderfälle, in denen keine passende Norm vorliegt, haben sich in der Praxis bereits Lösungen herausgebildet – aber diese Produkte sind auch nur ganz selten ein Problem. Das Problem sind die billigen Massengüter, die „schlank“ importiert werden, also ohne größere Untersuchungen.

Abb. 2: Häufig werden mangelhafte Produkte wie Spielwaren importiert.

files/content/grafiken/Niederspannungsrichtlinie/Spielzeug.jpg

Dokumentation und (neu!) Risikoanalyse

Damit kommen wir schnell zum Thema Dokumentation, welche seit Jahren von der alten Niederspannungsrichtlinie und der RoHS-Richtlinie so gefordert und nun noch deutlicher formuliert wird. Bitte ersetzen Sie im Zweifelsfall das Wort Hersteller durch Einführer oder Händler, der goldene Weg ist immer direkt die Originaltexte der EU zu lesen:

Artikel 6 Pflichten der Hersteller

"(1) Die Hersteller stellen sicher, dass ihre elektrischen Betriebsmittel, die sie in Verkehr bringen, im Einklang mit den Sicherheitszielen nach Artikel 3 und Anhang I entworfen und hergestellt wurden.
(2) Die Hersteller erstellen die technischen Unterlagen nach Anhang III und führen das Konformitätsbewertungsverfahren nach Anhang III durch oder lassen es durchführen.
Wurde mit dem Konformitätsbewertungsverfahren nach Unterabsatz 1 nachgewiesen, dass ein elektrisches Betriebsmittel den Sicherheitszielen nach Artikel 3 und Anhang I entspricht, stellen die Hersteller eine EU-Konformitätserklärung aus und bringen die CE-Kennzeichnung an."

sonst kein CE!!

Artikel 6 Pflichten der Hersteller Punkt 3

"Die Hersteller bewahren die in Anhang III genannten technischen Unterlagen und die EU-Konformitätserklärung zehn Jahre ab dem Inverkehrbringen des elektrischen Betriebsmittels auf."

Anhang III 2. Technische Unterlagen

„Anhand dieser Unterlagen muss es möglich sein, die Übereinstimmung eines elektrischen Betriebsmittels mit den betreffenden Anforderungen zu bewerten; sie müssen eine geeignete Risikoanalyse und -bewertung enthalten“

- so unauffällig steht es im verbindlichen Anhang III der Richtlinie. So wie hier setzen viele neue EU-Richtlinien mit einer Pflicht zur Durchführung einer Risikoanalyse beim Hersteller an. In vielen Fällen ist diese bereits in den Normen enthalten!

In den technischen Unterlagen sind die anwendbaren Anforderungen aufzuführen und der Entwurf, die Herstellung und der Betrieb des elektrischen Betriebsmittels zu erfassen, soweit sie für die Bewertung von Belang sind.

Technische Unterlagen: Inhalte

Die technischen Unterlagen enthalten gegebenenfalls zumindest folgende Elemente:

  • eine allgemeine Beschreibung des elektrischen Betriebsmittels
  • Entwürfe, Fertigungszeichnungen und -pläne von Bauteilen, Baugruppen, Schaltkreisen usw.
  • die Beschreibungen und Erläuterungen, die zum Verständnis der genannten Zeichnungen und Pläne sowie der Funktionsweise des elektrischen Betriebsmittels erforderlich sind
  • eine Aufstellung, welche harmonisierten Normen... vollständig oder in Teilen angewandt worden sind.

Damit ist sehr allgemein beschrieben worden, wie man die Risikobeurteilung auf der Basis der entsprechenden Normen aufbauen kann.

Und zum Schluss eine Frage, die immer wieder kommt: eben zu

Eigenbauten und Eigenbedarf

Sehr viele Firmen erstellen komplette Geräte in eigener Verantwortung und/oder verändern zugekaufte Geräte. Dazu gibt es einen Hinweis in der Richtlinie, eben die Ausnahme im Anhang II, der für kunden- und anwendungsspezifisch angefertigte Erprobungsmodule, die von Fachleuten ausschließlich in Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen für ebensolche Zwecke verwendet werden, gilt.
Diese Formulierung besagt eigentlich schon alles!
Wenn ein Entwickler selbst an einem Gerät herumbastelt, wird er immer alleine verantwortlich sein - das Gerät benötigt solange keine CE-Kennzeichnung. Wird dieses Gerät aber einem Kollegen zur Verfügung gestellt, muss es sicher sein (CE) oder klar ein Gerät sein, welches entsprechend dem obigem Bereich eingesetzt wird. Die Gefahren sind dem Anwender bekannt.

Autor: Dipl.-Ing. Jo Horstkotte

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Kommentare

Kommentar von Lutz Herrmann |

sehr interessant, habe ich so nicht gewust

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